Staples: Angeschlagene Büromarkt-Kette nach Übernahme-Gerüchten im Aufwind

Der einst v. a. in den USA beliebte Ausstatter und Händler von Büro-Artikeln hat eine schwere Zeit hinter sich:

In den letzten Jahren hat dem US-Konzern nicht zuletzt der Online-Gigant Amazon das Leben schwer gemacht.

Sinkende Umsätze und dahinschmelzende Margen haben auch beim Aktienkurs ein Bild der Verwüstung hinterlassen.

Daran können auch die jüngsten Übernahme-Gerüchte und das Kurs-Plus von über 10% in den vergangenen Tagen wenig ändern.

Auf 12-Monats-Sicht liegen die Papiere immer noch 12% im Minus (vs. S&P 500: +15%).

Auf Sicht von 5 Jahren summieren sich die Verluste sogar auf über 40%, während der S&P 500 Index um 68% zulegen konnte.

Gespräche noch im frühen Stadium

Jetzt könnte der US-Konzern vor einem Verkauf an Finanz-Investoren stehen.

Laut informierten Kreisen befindet sich Staples mit einer Handvoll Finanz-Investoren im Gespräch. Der Kaufpreis dürfte laut Insidern voraussichtlich bei rund 7 Mrd. Dollar liegen.

Im Moment liegt der Börsenwert bei 6,2 Mrd. Dollar – und damit weit entfernt von den 18 Mrd. Dollar, die der Konzern noch vor 10 Jahren auf die Waage brachte.

Staples äußerte sich zu den Gerüchten bislang noch nicht.

Abgeblasene Fusion mit Office Depot

Damit gerät Staples jetzt selbst ins Visier der Firmenjäger.

Vor nicht einmal 1 Jahr wollte das Unternehmen noch mit einer eigenen Milliarden-Fusion auftrumpfen; geplant war der Kauf des kleineren Rivalen Office Depot für 6,3 Mrd. Dollar.

Aber ein US-Richter ließ die Fusion auf Grund von wettbewerbsrechtlichen Bedenken zum 2. Mal ins Wasser fallen.

Das ist wiederum nur zu verständlich, hätten sich mit dem Zusammenschluss doch die Nr. 1 und 2 der Branche zusammengetan.

Bereits im Jahr 1997 waren die beiden Firmen mit ihrem Fusions-Versuch bei den Wettbewerbs-Behörden abgeblitzt.

Rückläufige Geschäfte durch starke Online-Konkurrenz

Mittlerweile ist Staples viel mehr als nur ein Ausstatter von Büros.

Kunden können in Geschäften vor Ort Büro-Artikel, Büro-Ausstattungen und sogar Möbel erwerben. Auch online ist das komplette Sortiment erhältlich.

Insgesamt ist man in über 25 Ländern aktiv. Aber die Geschäfts-Entwicklung wurde in den vergangenen Jahren durch die aufkommende Online-Konkurrenz stark ausgebremst.

Wurde im Jahr 2012 noch ein Jahres-Umsatz von 24,668 Mrd. Dollar erzielt, so waren es im zurückliegenden Geschäftsjahr gerade einmal 18,24 Mrd. Dollar.

Noch schlimmer sieht es bei der Gewinn-Entwicklung aus:

Der Nettogewinn von 985 Mio. Dollar (Gewinnmarge: 3,99%) aus dem Jahr 2012 ist längst passé. Im letzten Jahr schrieb Staples sogar einen Verlust von 1,49 Mrd. Dollar.

Verkauf einzelner Auslandsmärkte

Dabei würde es nicht wundern, wenn sich Staples mit Finanz-Investoren für einen Verkauf an einen Tisch setzt.

Bereits im Februar hat die Firma ihr Europa-Geschäft an das Private-Equity-Haus Cerberus verkauft und sich eine Beteiligung über 15% gesichert.

Auch in Australien hat sich Staples mit einem Finanz-Investor (Platinum Equity) über den Verkauf des Australien- und Neuseeland-Geschäfts geeinigt.

Damit scheint die Stoßrichtung klar zu sein:

Nach dem gescheiterten Deal mit Office Depot zieht sich Staples aus den wenig lukrativen Auslandsmärkten zurück und fokussiert sich auf seine Heimatbasis in Nordamerika.

Exit-Strategie nicht erkennbar

Die Analysten erwarten unterdessen eine Stagnation des Gewinns je Aktie bei 0,88 Dollar für dieses und das kommende Geschäftsjahr. Damit würde die Aktie aktuell mit dem 10-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet.

Der Ausgang der Gespräche ist aber noch vollkommen offen. Zugleich ist es schwierig vorstellbar, was die Finanz-Investoren mit dem Konzern auf lange Sicht anstellen wollen.

Der Wettbewerb dürfte sich durch den immer stärker werdenden Internet-Riesen Amazon eher noch verschärfen.

Dass eine reine Kostensenkungs-Strategie auf lange Sicht spürbaren Mehrwert bringen wird, darf stark bezweifelt werden.

6. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt