Staramba-Aktie: -86% in nur gut 6 Monaten

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Deutsche Nebenwerte: Der Wirtschaftskrimi rund um Staramba geht weiter. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

In den vergangenen Tagen habe ich Ihnen hier im Schlussgong einige attraktive Nebenwerte aus Deutschland vorgestellt. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Nicht jedes Geschäftsmodell ist erfolgreich. Vor einem riskanteren Nebenwert hatte ich hier bereits frühzeitig gewarnt.

Ende Mai dieses Jahre notierte die Staramba-Aktie noch bei rund 65 Euro. Heute notiert sie bei nur noch knapp 9 Euro. Das bedeutet ein Minus von 86% in gerade einmal etwas mehr als 6 Monaten. Was ist passiert?

Am 28. Mai habe ich Ihnen an dieser Stelle zuletzt von dem ehemaligen Börsen-Überflieger Staramba berichtet. An diesem Tag war die Aktie zeitweise um über 50% (von mehr als 60 auf zwischenzeitlich nur noch 30 Euro) eingebrochen. Der Grund dafür war, dass das Unternehmen an diesem Tag mitgeteilt hatte, dass die BDO Wirtschaftsprüfungsgesellschaft kein grünes Licht für die Bilanz des Jahres 2017 gegeben hatte.

In meinem jüngsten Beitrag zu Staramba schrieb ich Ihnen, dass sich hier ein echter Wirtschaftskrimi anbahnt. Genauso ist es gekommen. Denn wie das Staramba-Management vor wenigen Tagen mitteilte, haben die Wirtschaftsprüfer von BDO einem geänderten Jahresabschluss einen sogenannten Versagungsvermerk erteilt.

Das bedeutet: Die Wirtschaftsprüfer erklärten sich mit dem geänderten Jahresabschluss nicht einverstanden. Staramba veröffentlichte in der Folge den nicht testierten Jahresabschluss für 2017. Die Staramba-Aktie, die zuvor noch bei knapp 19 Euro notierte, sackte daraufhin bis heute auf unter 9 Euro ab.

Das Geschäftsmodell von Staramba

Bevor ich gleich weiter auf den Wirtschaftskrimi rund um Staramba eingehe, möchte ich Ihnen kurz das Geschäftsmodell des Unternehmens erläutern.

Nach eigenen Angaben erzielt der Virtual-Reality-Spezialist seine Umsätze mit einem Mix aus dem von Staramba eigenentwickelten Fotogrammetrie-Scanner 3D-Instagraph, mit fotorealistischen 3D-Figuren und den zugehörigen 3D-Dateien. Neuer Umsatztreiber soll das Virtual-Reality-Netzwerk Staramba-spaces werden.

Hierbei handelt es sich um eine neue virtuelle Welt, in der nach Unternehmensangaben Fans mit internationalen Stars aus Sport, Musik und Entertainment hautnah interagieren können. Mit Staramba.Token gibt das Unternehmen eine eigene Kryptowährung für die Plattform heraus. Sie dient als Ingame-Währung und zur vereinfachten Abrechnung von Lizenzen in Staramba.spaces.

Staramba erwägt rechtliche Schritte gegen Abschlussprüfer

Gestern gab es eine Fortsetzung des Krimis um Staramba: Das Unternehmen teilte mit, dass der Verwaltungsrat zivil-, straf- und berufsrechtliche Schritte gegen die verantwortlichen Abschlussprüfer von BDO erwägt.

Dazu heißt es in der Mitteilung von Staramba: Nachdem die BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auch im Rahmen der Nachprüfung des geänderten Jahresabschlusses und des geänderten Lageberichts zum 31. Dezember 2017 mitgeteilt hat, keine ausreichenden und geeigneten Prüfungsnachweise als Grundlage für Prüfungsurteile erlangt zu haben und daher den Bestätigungsvermerk erneut versagt hat, mehren sich aus Sicht der Gesellschaft deutliche Anhaltspunkte, die berechtigte Zweifel an der erforderlichen Neutralität der verantwortlichen Abschlussprüfer aufwerfen.

Der Verwaltungsrat von Staramba lässt mitteilen, dass man schon aus der eigenen Verantwortung gegenüber den Aktionären und Mitarbeitern heraus nicht akzeptieren könne, was vorgefallen ist und dass man daher eine zivil- und strafrechtliche Verantwortung der Prüfer begutachten lässt.

Ich werde Sie hier im Schlussgong darüber auf dem Laufenden halten, wie es in diesem Krimi weitergeht. Die Staramba-Aktie ist aus meiner Sicht derzeit höchstens für Zocker geeignet. Ohne geprüften Jahresabschluss lässt sich schlicht und einfach kein Kursziel berechnen. Konservative Anleger sollten daher diese Aktie weiterhin meiden.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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