Staramba: Die Probleme sind noch nicht gelöst

Staramba gibt eine eigene Kryptowährung aus, bleiben Sie dennoch erst einmal zurückhaltend! (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Sie werden sich erinnern: Am Montag ging ich an dieser Stelle auf die Probleme bei Staramba ein. Der noch relativ junge deutsche Virtual-Reality-Spezialist generiert seine Umsätze mit einem Mix aus dem von Staramba selbst entwickelten Fotogrammetrie-Scanner 3D-Instagraph, mit fotorealistischen 3D-Figuren und den zugehörigen 3D-Dateien. Neuer Umsatztreiber soll das Virtual-Reality-Netzwerk Staramba-Spaces werden.

Das Problem: Es gibt massive Probleme mit dem Jahresabschluss 2017. Die BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat kein grünes Licht für den Jahresabschluss gegeben. Das kommt bei einer börsennotierten Gesellschaft extrem selten vor und ist daher ein klares Warnsignal. 

Es konnte nicht beurteilt werden, ob Anpassungen in Bezug auf die ausgewiesenen Umsatzerlöse und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen erforderlich waren. Die gesetzlichen Vertreter von Staramba hätten die für die Prüfung der Umsatzrealisation sowie des Bestands der Forderungen erforderlichen Aufklärungen und Nachweise nicht erbracht. Als Konsequenz wurde das Testat für den Jahresabschluss verweigert.

Das ist eine hochbrisante Situation. Denn damit fehlt ein wichtiges Bewertungskriterium für diese Aktiengesellschaft und damit auch für den Aktienkurs. Als Konsequenz hat ein Analyst in dieser Woche seine Bewertung vorerst aufgehoben. Wo keine Zahlen sind, da kann auch nicht analysiert und gerechnet werden.

Erwartungsgemäß sieht die Firmenleitung von Staramba das anders. Bislang konnte jedoch keine Einigung erzielt werden. Jetzt soll der Wirtschaftsprüfer gewechselt werden. Die daraus resultierende Unruhe ließ den Aktienkurs massiv einbrechen. Notierte der Wert am 24. Mai noch bei über 60 Euro, fiel er in den nachfolgenden Tagen kurzzeitig unter die 40-Euro-Marke, um sich aktuell bei ca. 47 Euro einzupendeln.

Denkbar schlechtes Timing

Gerade jetzt kann Staramba diese Probleme nicht gebrauchen. Schließlich bringt das Unternehmen in diesen Tagen eine eigene digitale Währung heraus. Sollte diese anfänglich Royalty heißen, wird sie nun den Namen Staramba.Token tragen.

Unter Token versteht man eine digitale Währung, die bereits bestehendes Plattformen anderer Kryptowährungen nutzt. Als Staramba.Token ist sie vom Branding her mit dem Namen der Firma verknüpft, die zumindest momentan buchhalterisch einen – vorsichtig formuliert – nicht zu positiven Eindruck hinterlässt.

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Es ist aus Sicht von Staramba mehr als ärgerlich, gerade in einer Phase, in der digitale Währungen in den Blick der Öffentlichkeit geraten sind und massiv nachgefragt werden, das neue Zahlungsmittel mit einem solchen Image-Belastungsfaktor zu versehen.

Eine eigene Kryptowährung mit massiven Vorteilen

Dabei spricht in der Theorie (wenn im Zahlenwerk von Staramba doch alles passen sollte und die alten Angaben keine Luftschlösser waren) einiges für die digitale Währung, deren Verkauf am 20. Juni startet. Mit den zu vergünstigten Konditionen erworbenen Token können Kunden ab August die attraktivsten und limitierten ersten Produkte der neu gestarteten  Staramba.spaces kaufen. Staramba.spaces ist ein soziales Netzwerk für die Virtual Reality, in der sich User und Stars aus Sport, Musik und Entertainment begegnen können.

Besonders interessant: Die digitale Währung nutzt die Blockchain-Technologie. Das bedeutet, dass jede Transaktion transparent ist. Gleichzeitig soll der Wert der Staramba.Token stabil gehalten werden, um ein gut nutzbares Zahlungsmittel anbieten zu können.

Prinzipiell ist das ein interessanter Plan. Denn die Kundenbindung wird erhöht. Wer einmal Staramba.Token erworben hat, wird diese in erster Linie für Produkte der Firma ausgeben. Durch die vergünstigten Konditionen für den Umtausch werden auch neue Kunden dazu kommen. Eine deutliche Umsatzsteigerung ist damit zu erwarten – falls der Plan aufgeht.

Zurückhaltung ist hier anzuraten!

Ich empfehle weiterhin, bei der Staramba-Aktie zurückhaltend zu bleiben, bis die Unklarheit mit dem Geschäftsbericht 2017 beseitigt ist. Diese Zurückhaltung gilt auch bei den Staramba.Token. Solange keine geprüfte Bilanz vorliegt, ist ein Investment jeglicher Art zu riskant.

Vielleicht ist es nur eine kleine Jugendsünde (Überblick im Wachstumsrausch verloren), vielleicht wurden aber auch bewusst zu positive Zahlen veröffentlicht, um Aktionäre und Geldgeber anzulocken. Erst wenn diese Frage zu 100% geklärt wurde, kann man in Ruhe den tatsächlichen Wert der Staramba-Aktie berechnen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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