Starbucks Aktie: Starke Geschäfte mit brauner Bohne

Begonnen hatte alles 1971. Damals war Starbucks eine kleine Kaffeerösterei, die mit Kaffee, Tee und Gewürzen handelte sowie ein Kaffeehaus in Seattle betrieb.

Dort wurde 1982 Howard Schultz vorstellig und fing als Marketing-Chef an. Er erkannte das große Potenzial, welches gemütlich eingerichtete Kaffeehäuser, in denen leckere Spezialitäten aus der braunen Bohne angeboten werden, weltweit bieten könnten.

Nachdem er 1985 das Unternehmen verließ, um eine eigene Espresso-Bar-Kette zu eröffnen, kam er 1987 zurück und kaufte Starbucks. Es folgte eine rasante Expansion. Die Zahl der Läden stieg von 17 im Jahr 1987 bis heute auf mehr als 17.000. Rund die Hälfte davon wird in Eigenregie betrieben, der andere Teil über Lizenzpartner.

In seinen Läden verkauft Starbucks nicht nur Kaffee und unzählige Kaffeespezialitäten, die aus der qualitativ hochwertigen Kaffeesorte Arabica hergestellt werden.

Für die Kundschaft, die sich dort zum Plaudern und Relaxen, aber auch zum Arbeiten einfindet, gibt es ferner eine Auswahl von hochwertigen Teesorten (Tazo), Backwaren und anderen Köstlichkeiten. Über die Heimatgrenzen hinaus wagte sich der Konzern erstmals 1996 mit einer Filiale in Tokio.

Seither breitet sich Starbucks weltweit aus und ist heute in mehr als 50 Ländern aktiv.

Der Chef kommt zurück und saniert

In den Jahren 2007 und 2008 lief das Geschäft insbesondere im Heimatmarkt immer schleppender. Zum einen hatte sich das Wachstum merklich verlangsamt und es verstärkten sich bei den Investoren die Sorgen, dass kaum noch Platz für weiteres Wachstum in den USA sei.

Zum anderen belasteten höhere Rohstoffpreise, ein verschärfter Konkurrenzdruck sowie sinkende Konsumausgaben bei den US-Verbrauchern.

Der ehemalige Firmenlenker Howard Schultz, der sich 2000 als Chef des Unternehmens aus dem operativen Geschäft zurück gezogen hatte und in den Aufsichtsrat gewechselt war, beklagte 2007 außerdem, dass die Romantik und der Kaffeegenuss in Wohlfühlatmosphäre verschwunden sei und die Starbucks-Läden ihre Seele verloren hätten.

Er kehrte 2008 wieder in den Chefsessel zurück und leitete eine Sanierung und eine neue Markterschließungsstrategie ein. In den USA wurde die rasante Expansion deutlich gedrosselt. Dagegen setzte Starbucks auf eine stärkere internationale Expansion.

Die forcierte Internationalisierung gilt nach wie vor als wichtigster Baustein für künftiges Wachstum, gibt es doch vor allem im Ausland noch enormes Potenzial.

Dies spiegelt sich auch in der Strategie wider. Im Geschäftsjahr 2010/11 (bis Ende September) wollte Starbucks insgesamt 600 neue Läden eröffnen, davon 500 außerhalb der USA. Im Geschäftsjahr 2011/12 sind dann insgesamt 800 Läden, davon 600 im Ausland, geplant.

Neue Vertriebswege

Abgesehen von der Internationalisierung setzt der Konzern auf neue Vertriebswege.

Er will seine Produkte nicht nur in den eigenen Läden absetzen, sondern verkauft abgepackten Kaffee, Tee, Fertiggetränke (Kaffee, Tee) sowie Eiscreme mithilfe von Partnern wie Lebensmittelhersteller über deren Absatzkanäle.

Das Segment CPG (Consumer Products Group), das zusammen mit dem Bereich Foodservice (Verkauf von Kaffee und Tee an Unternehmen, die Hotels, Restaurants, Fluglinien, Kantinen usw. beliefern) in der Konzernsäule „Spezialitäten“ zusammengefasst ist, zeigte im 3. Quartal mit 26% die stärksten Wachstumsraten.

Gemessen am Gesamtumsatz ist dieser Bereich mit einem Anteil von 9,1% zwar noch relativ klein, aber er könnte sich als weiterer Wachstumstreiber erweisen. Zumal der Ausbau des Spezialitätengeschäfts neben der internationalen Expansion ganz oben auf der Agenda steht.

Firmenchef Schultz will die Kaffeekette sogar zu einem Lebensmittelkonzern umbauen. Demnach will Starbucks in den nächsten 12 bis 18 Monaten neue Produkte und komplette Kategorien einführen und so ein riesiges, globales Geschäft im Lebensmittelbereich aufbauen.

Kräftiges profitables Wachstum

Mit der neuen Expansionsstrategie ist Starbucks seit einiger Zeit wieder auf einem profitablen Wachstumskurs und lieferte im 3. Quartal neue Rekorde ab. Der Umsatz verbesserte sich um 12,3% auf 2,93 Mrd $. Auf vergleichbarer Basis stieg der Umsatz je Geschäft um 8%.

Dabei sind 6% des Wachstums auf eine erhöhte Besucheranzahl zurückzuführen und 2% auf Preissteigerungen.

Überproportional dazu kletterte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit 22,7% auf 402,2 Mio $. Der Gewinn legte sogar um 34,2% auf 279,1 Mio $ zu.

Und auch die Zahlen der ersten 9 Monate sehen sehr gut aus. Für das Geschäftsjahr 2011/12 geht Starbucks von einer Gewinnsteigerung zwischen 15 und 20% aus, was dem langfristigen Wachstumsziel entspricht. Darin enthalten sind bereits steigende Preise für Rohkaffee.

18% Kursrendite jährlich

Mit unseren Renditeberechnungen kommen wir auf eine durchschnittliche jährliche Kursrendite von 18%. Dazu kommt die Dividendenrendite von 1,4%. Die Sicherheitsmarge beträgt dabei 46%.

Nachdem die Investoren zwischenzeitlich den Appetit auf Starbucks verloren hatten, ist der Konzern wieder zurück auf einem profitablen Wachstumskurs, was sich auch im Aktienkurs widerspiegelt.

Jüngst wurde ein neues Allzeithoch erreicht, bevor der Kurs dann mit dem Gesamtmarkt wieder nachgab. Es gibt aber keinen Grund, mit dem Kauf der Kaffeehauskette zu warten.

Die Starbucks-Aktie bietet Wachstum zu einem angemessenen Preis.

21. November 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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