Starbucks: Value-Aktie des Monats

Nach einem exorbitanten Wachstum liefen in den Jahren 2007 und 2008 die Geschäfte immer schleppender.

Zum einen hatte sich das Wachstum merklich verlangsamt und zum anderen beklagte der ehemalige Firmenlenker Howard Schultz, der sich 2000 als Chef des Unternehmens aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und in den Aufsichtsrat gewechselt hatte, dass die Romantik und der Kaffeegenuss in Wohlfühlatmosphäre verschwunden sei und die Starbucks-Läden ihre Seele verloren hätten.

Der Chef kam zurück und sanierte

Er kehrte 2008 wieder in den Chefsessel zurück und leitete eine Sanierung und eine neue Markterschließungsstrategie ein. In den USA wurde die rasante Expansion deutlich gedrosselt. Außerdem setzt Starbucks auf eine stärkere internationale Expansion. Im kommenden Jahr sind 1.400 neue Standorte geplant, vor allem im asiatisch- pazifischen Raum. Zuletzt kam die Kette auf 19.200 Läden, fast 1.600 mehr als vor einem Jahr. Nordamerika ist dennoch weiterhin mit Abstand der größte Markt.

Neue Vertriebswege …

Abgesehen von der forcierten Internationalisierung setzt der Konzern auf weitere Vertriebswege. Er will seine Produkte nicht nur in den eigenen Läden absetzen, sondern verkauft abgepackten Kaffee, Tee, Fertiggetränke sowie Eiscreme mithilfe von Partnern wie Lebensmittelherstellern über deren Absatzkanäle.

Das Segment CPG (Consumer Products Group), das zusammen mit dem Bereich Foodservice (Verkauf von Kaffee und Tee an Unternehmen, die Hotels, Restaurants, Fluglinien, Kantinen usw. beliefern) in der Konzernsäule Spezialitäten zusammengefasst ist, zeigte im 3. Quartal mit 26% die stärksten Wachstumsraten. Gemessen am Gesamtumsatz ist dieser Bereich mit einem Anteil von rund 10% zwar noch relativ gering, aber er könnte sich als Wachstumstreiber erweisen.

… innovatives Marketing …

Um das Wachstum voranzutreiben, geht Starbucks auch im Marketing neue Wege. Gemeinsam mit dem Schweizer Automatenanbieter Selecta werden seit Oktober Kaffeeautomaten in Bürohäusern aufgestellt. Für Starbucks ist es Teil eines größeren Schritts. Der Kaffeekonzern will die Automaten auch in anderen europäischen Ländern aufstellen, so in Schweden, Frankreich und den Niederlanden.

Die Starbucks Corner Cafés genannten Bürokaffeeküchen bieten neben Kaffee, Caffè Latte, Latte Macchiato, Vanilla Latte und Kakao auch Tee an. Das neue Konzept wurde zwischen November 2012 und Juni 2013 in einem Pilotversuch in der Schweiz getestet.

Mit dem neuen Vorhaben greift Starbucks auch Coca-Cola an, in Deutschland die Nummer eins bei Getränkeautomaten in Bürokaffeeküchen. Auf Platz zwei und drei folgen Dallmayr und Selecta. Zusammen kommen die drei Spitzenreiter in diesem Segment auf einen Marktanteil von rund 20%.

… und unbezahlbare Marktpräsenz …

Starbucks zeichnet sich durch seine weltweite Präsenz aus und hat damit etwas geschafft, wovon viele Unternehmen nur träumen: Lokale Präsenz, aber globales Handeln. Heute steht Starbucks für Kaffee – manche Leute assoziieren sogar automatisch mit Kaffee das grüne Label.

Dieses stammt übrigens aus Hermann Melvilles Roman „Moby Dick“, wo der erste Maat Starbuck heißt. Mit dem Logo, welches eine Meerjungfrau zeigt, werden die Nähe Seattles und die Seefahrertradition der Kaffeehändler in Verbindung gebracht.

… führen zu traumhaftem Gewinnwachstum

Mit der neuen Expansionsstrategie ist Starbucks seit einiger Zeit wieder auf einem starken, profitablen Wachstumskurs und lieferte im 3. Quartal neue Rekorde ab. Der Umsatz in Cafes, die seit mindestens 13 Monaten geöffnet sind, zog um 8% an. Etwas stärker war der Zuwachs auf dem wichtigen US-Markt. Überproportional dazu kletterte der Gewinn um 25% auf 418 Mio. $. Und auch in den ersten neun Monaten insgesamt sahen die Zahlen sehr gut aus.

Für das Geschäftsjahr 2013/14 geht Starbucks jetzt von einer Gewinnsteigerung zwischen 24 und 26% aus. Dem Konzern kommen die jüngsten Zukäufe von Tee-, Saft- und Backprodukteherstellern zugute. Außerdem profitiert Starbucks von seiner zumeist bessersituierten Kundschaft, die sich auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten den Kaffeehausbesuch nicht nehmen lässt.

18% Kursrendite jährlich

Mit unseren Renditeberechnungen kommen wir auf eine durchschnittliche jährliche Kursrendite von 18%. Dazu kommt die Dividendenrendite von 1%. Der Konzern ist auf einem profitablen Wachstumskurs, was sich auch im Aktienkurs widerspiegelt. Jüngst wurde ein neues Allzeithoch erreicht.

Es gibt aber keinen Grund zu warten, um die Aktie zu kaufen. Im Zuge der fortschreitenden Expansion wird Starbucks auch in den kommenden Jahren in der Lage sein, Umsatz und Gewinn weiter zu steigern. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn dürften Zuwachsraten von mindestens 20% auch in den nächsten Jahren erreichbar sein.

Damit legt Starbucks weiterhin ein stattliches Wachstumstempo vor, das den Aktienkurs weiter antreiben sollte.

13. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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