Starke Sprüche – Kaptialmarkt-Trends

Starke Sprüche vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post - Viel Gehabe, wenig Inhalt und jede Menge Angeberei. (Foto: Francesco Marino - Fotolia)

„Die Natur verleiht ihre Gaben gerecht: Die mit dem schwachen Verstand bekommen die lauteste Stimme“ ist ein Ausspruch, der Art van Rheyn zugeschrieben wird. Daran fühlte ich mich heute erinnert, als ich die Zeitung aufschlug. „Die Post soll zum iPhone der Logistik werden“ las ich da unter anderem.

Dieser Ausspruch wiederum kommt vom Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Post AG und Ex-McKinsey Unternehmensberater sowie Neurologen Frank Appel. Wie auch der folgende im Beliebigen bleibende:„Konkrete mittelfristige Zielvorgaben für den Umsatz gibt es nicht, aber es gibt eine klare Marschrichtung.“

Und dann setzt er noch ordentlich einen oben drauf, wie:

„Das iPhone ist deshalb so erfolgreich, weil es Schnittstellen und Anwendungen integriert und den Nutzern das Leben erleichtert.“ Und so hat sich der Postchef nun die „Unkompliziert-Machung der Lieferketten“ auf die Fahnen geschrieben.

Also ich weiß nicht, wie dieses Sprüche klopfen auf Sie wirkt. Aber mich erinnern die eher an die von pubertierenden Halbstarken, die sich damit Mut zusprechen wollen.

Warum?

Weil die Post im Paketbereich erst vor kurzem ihr Waterloo hinter sich hat. Und zwar im amerikanischen Markt. Kleinlaut hat man sich da wieder vom Acker machen müssen. Und zwar, weil die Amerika-Nummer wohl etwas zu groß für die Poststrategen war. Und auch die Gewinne aus dem Briefgeschäft fließen nicht mehr so reichlich.

Und schließlich wird die Umsatzsteuer auf einige Postdienstleistungen auch nicht gerade zu deutlich steigenden Umsätzen führen. Und dann ist da noch die E-Mail, die die Briefpost nach und nach ersetzen wird. Wie einschneidend diese Veränderung, also die Hinwendung zum Internet und das in den Hintergrund-Rücken von papiernen Wegen sein kann, zeigt die Insolvenz des Kuvertiermaschinenherstellers Böwe Systec AG.

Und da man bei der Post also offensichtlich nicht so recht Erfolgreiches vorweisen kann, versucht man sich marketingtechnisch die Lufthoheit der Börsen über die Anlehnung an den Erfolg eines Produkts wie das iPhone zu erlangen.

Nur ist die Post mit ihren Dienstleistungen so weit weg vom iPhone wie nur irgendetwas. Das merkt jeder, der seine Post am Schalter aufgibt. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, was da alles eingegeben werden muss, wenn ich ein einfaches Einwurf-Einschreiben aufgebe.

Und so wünschte ich mir, dass sich Herr Appel erst einmal darum, also die ganz einfachen Prozesse, kümmerte. Aber dazu sind die McKinseys – soweit ich das beurteilen kann – ja nicht sozialisiert. Die kümmern sich mehr um die strategischen und visionären Elemente.

Ein Riese und ein Zwerg

Und, wenn ich Steve Jobs neben Herr Appel stelle, dann sehe ich – ohne Herren Appel zu nahe treten zu wollen – einen Riesen und einen Zwerg. Jedenfalls was Anwender und Nutzerfreundlichkeit sowie Erfolg betrifft.

Wobei sie jetzt entscheiden dürfen, wer wer ist. Nur weil Apple und Appel die gleichen Buchstaben verwenden, haben sich noch lange nichts gemein. Auch, wenn dass Herr Apple, sorry Herr Appel, möglicherweise etwas anders sieht.

Um sich davon zu überzeugen, dass es wirklich so ist, rate ich allen, sich einfach einmal die Kurscharts der letzten drei Jahre von der Deutsche Post AG und von Apple nebeneinander zu halten.

Und dann. Einen hab ich noch.

Sollte sich der Bund (ca. 30 % Anteil) zurückziehen bliebe das ohne Folgen auf die Strategie der Post“.

Zuzutrauen ist es der Post, dass das keine Auswirkungen hat. Da aber die Post bisher sehr als Staatsunternehmen von der Nähe zur Politik profitierte und beeinflusst war, halte ich diese Aussage für ganz schön gewagt. Denn spätestens dann würde ich als Vorstandsvorsitzender meine gesamte Strategie auf den Prüfstand stellen.

Aber ich bin schließlich kein ehemaliger McKinsey und noch viel weniger Vorstandsvorsitzender eines börsennotierten Staatsunternehmens. Aber ich besitze ein iPhone. Und deshalb weiß ich, dass die Post mit diesem auch gar nichts gemein hat. Und um ein solch geniales Produkt zu entwickeln und auf den Markt bringen zu wollen, braucht es nämlich etwas mehr als starke Sprüche.

Und aus diesem Grunde ist für mich jedenfalls, liebe Anleger, dieses Interview von Herr Appel eine Verkaufsempfehlung par excellence.

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Norbert Lohrke
Von: Norbert Lohrke.

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