Starkes Interesse aus Fernost sorgt für Kursphantasie

Wer mit Kuka-Aktien ins Jahr gestartet ist, kann auf einen satten Gewinn blicken: Das Papier des Roboter-Bauers konnte 2016 bereits rund 30% an Wert zulegen.

Zum Vergleich: Der MDAX, in dem die Kuka-Aktie gelistet ist, liegt auf demselben Niveau wie zu Beginn des Jahres. Hauptgrund ist die Übernahme des Augsburger Unternehmens durch den chinesischen Investor Midea.

Vorgestern hatte dieser bekanntgegeben, dass er nach Ablauf der Übernahmefrist nun Zugriff auf mehr als 85% der Anteile an Kuka habe.

Bis zum 3. August können Nachzügler den Chinesen ihre Aktien für 115 € pro Stück andienen. Aktuell notiert sie bei 108 €.

Kuka mit Rekord-Aufträgen

Doch auch operativ stimmt es bei Kuka: Der Roboter-Bauer konnte im 2. Quartal mit rund 890 Mio. € einen Rekord-Auftragseingang verbuchen und schnitt damit deutlich über den eigenen Erwartungen ab.

Für das Gesamtjahr erwartet Kuka einen Umsatz von mehr als 3 Mrd. €. Als EBIT-Marge (Gewinn vor Zinsen und Steuern) werden mindestens 5,5% anvisiert.

Die Übernahme durch Midea sorgt bei den Augsburgern für EBIT-Sonderbelastungen in Höhe von 30 Mio. €. Dazu zählen Aufwendungen unter anderem für Beratungs-Kosten und Kosten für Mitarbeiter-Aktienprogramme.

In Deutschland 37 Firmen-Übernahmen

Die Übernahme von Kuka steht beispielhaft für die derzeitige Einkaufstour chinesischer Investoren in Europa.

So schreibt die Berater-Gesellschaft EY (Ernst & Young), dass Unternehmen aus dem Reich der Mitte bereits in der 1. Hälfte des Jahres Übernahmen mit einem Rekord-Transaktions-Volumen von 72,4 Mrd. Dollar angekündigt hätten.

Und mit 164 Transaktionen sei bereits zur Jahresmitte der Wert aus dem Vorjahr (183) in absolute Nähe gerückt.

Beliebtestes Zielland ist dabei derzeit Deutschland mit 37 Firmen-Übernahmen oder -Beteiligungen – noch vor Frankreich (23) und Großbritannien (20). Die Summe, die dabei in deutsche Unternehmen investiert wird, stieg nach nur 526 Mio. Dollar in 2015 auf 10,8 Mrd. Dollar.

Mit 4,7 Mrd. Dollar macht dabei die Kuka-Übernahme den größten Brocken aus – in Europa ist dieser Deal der drittgrößte in diesem Jahr. Größte Übernahme ist die des schweizerischen Chemie-Unternehmens Syngenta durch Chemchina mit einem Wert von 44 Mrd. Dollar.

Und es kann munter so weitergehen …

Und ein Ende der Übernahme-Welle ist noch nicht abzusehen:

Die EY-Berater rechnen für die 2. Jahreshälfte mit weiteren spektakulären Coups von chinesischen Investoren. Große Kurssprünge sind also noch bei einigen anderen Unternehmen aus der 2. und 3. deutschen Börsenliga möglich.

22. Juli 2016

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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