Starten Biotech-Aktien bald wieder durch?

Biotech-Aktien haben eine schwache Phase hinter sich. Doch es gibt erste Anzeichen für eine Trendwende. Experte Sascha Mohaupt klärt auf: (Foto: l i g h t p o e t / Shutterstock.com)

Nach ihrer schwachen Entwicklung im Jahr 2016 konnten die großen Biotech-Aktien zuletzt wieder Boden gut machen.

Auffällig ist jedoch, dass die Bewertungen der US-Biotech-Giganten aktuell erheblich niedriger ausfallen als in früheren Jahren.

Erleben wir also gerade erst den Startschuss für die nächste Biotech-Rally?

Biotechnologie: Präzisionswaffen der modernen Medizin

Dank biotechnologischer Medikamente sind heute Therapien und Eingriffe möglich, die vorher undenkbar waren.

Die Überlegenheit der Biotechnologie gegenüber der konventionellen Medizin liegt v. a. in der konzentrierteren Wirkung der Biotech-Medikamente.

Beispielsweise wirken Biotech-Medikamente bei Krebsbefall fast ausschließlich auf die Krebszellen selbst.

Nebenwirkungen treten bei ihrem Einsatz deutlich weniger auf. Biotech-Medikamente stellen gewissermaßen die „Präzisionswaffen“ der modernen Medizin dar.

Ein wichtiger Baustein der Biotechnologie ist zudem die Erbgut-Analyse. Moderne Gentests können schon heute viel mehr als Krankheiten diagnostizieren.

So lässt sich beispielsweise mit Testverfahren feststellen, welches der verschiedenen Medikamente für den jeweiligen Patienten am besten geeignet ist.

Bioprinting als Hoffnungsträger

Und das wird noch nicht das Ende der Möglichkeiten sein.

Eine ganz neue und zugleich wirklich faszinierende Waffe der Biotechnologie ist das sogenannte „Bioprinting“.

Dabei geht es um die Herstellung menschlicher „Ersatzteile“ in Kombination von Biotechnologie und 3D-Drucker. Menschliches Gewebe, Zähne und Knochen lassen sich bereits „drucken“.

Das große Fernziel ist aber die Herstellung von transplantierbaren Organen, um das Organspender-Problem ein für alle Mal zu lösen.

Störfeuer von Seiten der US-Politik (vorerst) beendet

Im Wahlkampf hatten sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump Stimmung gegen die allzu „raffgierigen“ Pharma- und Biotech-Konzerne gemacht, die (z. T.) überteuerte Preise für ihre Medikamente verlangen.

Die in Aussicht gestellten Zwangsrabatte auf Medikamente vermieste den Biotech-Anlegern eine Zeit lang die Stimmung.

Mittlerweile ist es um das Thema deutlich ruhiger geworden; der US-Präsident hat derzeit auch dringendere Baustellen.

Außerdem gelten Republikaner ohnehin als pharmafreundlicher als Demokraten.

Daher gehe ich davon aus, dass der Branche – zumindest in naher Zukunft – wenig Ungemach droht.

Günstige Bewertung

Nach fast 2-jähriger Konsolidierungs-Phase sind Biotech-Aktien geradezu historisch günstig bewertet.

So liegt bei einigen großen Konzernen das Kursgewinn-Verhältnis (KGV) zwischen 9 und 15.

Zwar sind gleichzeitig auch die Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn geschrumpft, liegen aber immer noch deutlich über dem Marktdurchschnitt.

Die Bewertungen fallen hingegen inzwischen unterdurchschnittlich aus.

Erste Anzeichen einer Erholung

Im Gegensatz zu den US-Technologiewerten, die in den vergangenen Wochen deutlich Federn lassen mussten, haben sich Biotech-Aktien nahe an ihren Jahreshöchstständen gehalten.

So eine relative Stärke in einer Schwäche-Phase ist oftmals ein Indiz für überdurchschnittliche Gewinne, sobald der Gesamtmarkt wieder besser läuft.

Vielleicht denken Sie also mal über den Einstieg in Biotech-Aktien nach, bevor die große Masse der Anleger auf das Erholungs-Potenzial der Branche aufmerksam wird.

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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.