Steht der DAX kurz vor einem Rücksetzer – das sagen EMA-200 und ATR!

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Der DAX ist an das Ende der Fahnenstange geklettert. Die EMA-200 drückt ihr wohl bald wieder nach unten. Laut ATR brauchen wir noch ein paar Tage. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Die zweite Hälfte des Februars war unbestritten sehr gut für die DAX-Anleger. Wir sind von rund 11.000 Punkten auf 11.600 geklettert. Der März könnte jetzt aber schon wieder einen Deckel darauf legen – dabei ist dieser Monat langfristig gesehen, einer der besten für deutsche Aktien!

Woran liegt es? Der DAX stößt sich gerade den Kopf an der EMA-200 an. Diese gewichtete Durchschnittslinie über die letzten 200 Tage stellte bereits im August 2018 einen Wendepunkt dar, den der DAX seitdem nicht überwinden konnte.

Chartanalyse DAX

Sie sehen die beiden 200-Tagelinien eingezeichnet. In Blau ist die EMA-200 – in Grün die SMA-200. Letztere verläuft aktuell bei 11.848 Punkten, also mit 220 Punkten Abstand zum aktuellen Kurs. Der DAX hat dagegen nahezu eine Punktlandung auf der EMA-200 gemacht und im ersten Anlauf verloren.

Unter dem Chart habe ich Ihnen auch wieder den ATR-Indikator eingezeichnet. Wie letztens schon besprochen, ist das die Average True Range, also die Handelsspanne oder Schwankungsbreite. Die Werte fallen weiterhin. Der DAX wird mittelfristig immer ruhiger. Action? Fehlanzeige.

Alternativ – wenn der DAX über die momentanen Hindernisse springen kann (vermutlich, wie inzwischen üblich per Gap über Nacht) – können wir auch schon bald die 11.850 ins Auge fassen. Dies erfordert aber einen Kraftakt!

DAX handeln mit ATR-Indikator

Die Vergangenheit zeigt: Wenn sich die ATR im Tageschart dem Wert von 100 annähert, steigt die Chance, dass ein zwischenzeitliches Hoch erreicht wurde und die Kurse danach fallen. Genau das Gegenteil ist der Fall, wenn die durchschnittliche Schwankungsbreite Richtung 200 ansteigt. Dann haben wir oft genug einen zwischenzeitlichen Boden gesehen.

Derzeit sind wir nur noch 10 ATR-Punkte davon entfernt! Im Oktober 2018 war das Hoch im DAX bei einem ATR-Wert von 103 erreicht. Im Mai 2018 reichten bereits knapp 107 Punkte, um die Gegenbewegung anzukündigen. Aktuell stehen wir bei 118,87 Punkten.

Doch natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Im September 2017 durchbrach der ATR die Marke von 100 Punkten und gab sogar bis auf 65 Punkte nach! Was machte der DAX in der selben Zeit? Er kroch seitwärts und stieg danach sogar wieder an. Eine Garantie haben Sie somit natürlich auch hier nicht, es kommt immer auf die derzeitige Marktphase an.

Auf Monatssicht hat die Average True Range übrigens herzlich wenig Aussagekraft. Zumindest hilft die Analyse mit der Standardeinstellung der üblichen 14 Zeit-Einheiten nicht weiter. Da ist der Indikator viel zu spät dran, um noch irgendwelche sinnvollen Signale zu liefern. Im Gegenteil: Er hinkt massiv hinterher. Alles, was der DAX uns schon im Monatschart zeigt, präsentiert der Indikator mit unnötiger Verzögerung.

Deshalb beschränken Sie sich hier auf kleinere Zeitebenen. Der Wochenchart und insbesondere der oben gezeigte Tageschart sind besonders hilfreich. Wenn Sie zu sehr ins Detail gehen, verfehlt die ATR ebenfalls ihre Wirkung. Der Stundenchart ist nicht wirklich aussagekräftig. Der DAX kann steigen und fallen, während die Stunden-ATR zwischen 20 und 100 Punkten liegt – und dort befindet sie sich nun einmal die meiste Zeit.

Wenn Sie warten, bis die ATR über 100 im Durchschnitt der letzten 14 Stunden steigt, zeigt Ihnen der DAX-Chart bereits, in welche Richtung die Party gelaufen ist. Auch dann ist es schon zu spät.

Die Schwankungsbreite ist ein sinnvoller Indikator im Tageschart des DAX. Darüber hinaus muss der Chartanalyst schon sehr kreativ sein, wenn er daraus etwas ablesen will. Erfinden Sie das Rad nicht neu. Wir behalten die ATR weiterhin im Auge. Noch ein einige schwankungsarme Tage im DAX und wir könnten an einem möglichen Wendepunkt-Signal angekommen sein.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.