Steht jetzt ein Favoritenwechsel an?

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Das Comeback der Zykliker verhalf dem DAX zuletzt zu deutlichen Aufschlägen. Steht jetzt ein nachhaltiger Favoritenwechsel an? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

In den vergangenen Wochen habe ich Ihnen hier immer wieder Unternehmen vorgestellt, die von Corona profitieren. Tatsächlich waren die Profiteure der Pandemie diejenigen, die sich seit dem Corona-Crash am stärksten entwickelt haben.

In der zurückliegenden Handelswoche schichteten die Anleger jedoch um. Aktien der Corona-Gewinner litten unter Gewinnmitnahmen. Konjunkturabhängige Titel wie die Autowerte, Conti, Lufthansa oder MTU waren dagegen gefragt und verzeichneten deutliche Kursgewinne. Für Sie als Anleger stellt sich da natürlich die Frage: Steht jetzt ein nachhaltiger Favoritenwechsel an? Diese möchte ich Ihnen heute beantworten.

Zykliker ziehen kräftig an

Die Lockerung der Corona-Beschränkungen und die schrittweise Öff­nung der Geschäfte heben die Stimmung in der Bevölkerung. Die aktuellen Kon­junk­turindikatoren belegen dies. Sowohl der Ifo-Index als auch das GfK-Konsumklima konnten nach dem Absturz des Vormonats zu­legen. Die Menschen wollen wieder konsumieren. Die Normalität ist in weiten Teilen zurück.

Der zunehmende Optimismus in Bezug auf eine kommende wirt­schaftliche Erholung sorgte in der vergangenen Woche dafür, dass die An­le­ger vermehrt zu zyklischen Werten griffen, während die Corona-Ge­winner unter Gewinnmitnahmen litten.

Die Aussicht auf Lockerungen im europäischen Reiseverkehr beispielsweise beflügelten Aktien aus dem Reise- und Luftfahrtsektor. Die Papiere von Lufthansa, der Triebwerksherstellers MTU oder des Flughafenbetreibers Fraport im MDAX legten prozentual zweistellig zu.

DAX macht Boden gut

Das Comeback der Zykliker verhalf dem exportabhängigen DAX zu deutlichen Aufschlägen. Der deutsche Leitindex, der den US-Indizes bisher deutlich hinterhergehinkt war, konnte deutlich Boden gutmachen. Heute kletterte der DAX sogar erstmals seit Anfang März wieder über die runde 12.000er-Marke.

Eine nachhaltige Trendwende wird aber voraussichtlich noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Bodenbildung ist erst dann abgeschlossen, wenn sich der DAX nachhaltig über der 200-Tage-Linie, die den mittelfristigen Trend anzeigt, etablieren kann. Diese verläuft aktuell bei gut 12.100 Punkten.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass der DAX diese Hürde in einem Schwung hinter sich lassen kann. Zur Vorsicht mahnt diesbezüglich die Marktbreite, die nur langsam anzieht. Derzeit weisen noch immer rund zwei Drittel der Werte aus den deutschen Auswahlindizes (DAX, MDAX, TecDAX und SDAX) einen mittelfristigen Abwärtstrend auf.

Zykliker sind noch nicht über den Berg

Gegen einen schnellen Abschluss der Bodenbildung spricht auch die Entwicklung der zu Beginn dieses Artikels besprochenen Zykliker. Trotz der jüngsten Kursavancen sind diese nämlich nach wie vor nicht über den Berg. Zumindest bislang ist die jüngste Erholung nicht mehr als eine Gegenbewegung auf die massiven Verluste der vergangenen Monate.

Damit möchte ich auch wieder auf die eingangs in den Raum gestellte Frage zurückkommen: Steht ein nachhaltiger Favoritenwechsel an? Die Antwort lautet: Nein. Als Trendfolger sollten Sie sich auf Titel konzentrieren, die einen stabilen Aufwärtstrend aufweisen. Das ist bei konjunktursensitiven Titeln wie den Autowerten oder bei Aktien wie Lufthansa oder MTU momentan noch nicht der Fall. Eine nachhaltige Trendwende wird hier noch einige Zeit auf sich warten lassen.

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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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