Steigende langfristige Zinsen: Folgen für Anleihemärkte dramatisch

Kurse Hand Charts Crash – MR.LIGHTMAN1975 – shutterstock_413650720

Rendite für bestehende Anleihen wird deutlich sinken – Vorsicht (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Die Zinsen für Anleihen werden jetzt nach und nach steigen müssen. Denn:

Aktien ziehen – vor allem in den USA – die langfristigen Zinsen bereits an.

Das heißt: Wenige Zehntel-Prozentpunkte sind es erst, zeigen aber, wohin die Reise geht. Dabei gibt es einen Konflikt, der für Investoren besonders gefährlich ist. Denn die Notenbanken versuchen, die Zinsen niedrig zu halten. Das heißt: Scheinbar gibt es derzeit kaum Alternativen bei Anleihen.

Steigen aber die Zinsen zu einem späteren Zeitpunkt, werden Anleihen, die Sie als Investor jetzt kaufen würden, unattraktiver – wegen der niedrigen Zinsen. Die Vorzeichen am langfristigen Zinsmarkt sind bereits schlecht.

Zinsen steigen – jetzt vorsichtig bleiben

So gilt auch für Anleihen des deutschen Staates, dass die Zinsen bereits anziehen. Einen Grund sehen Analysten aus der Schweiz darin, dass die US-Zinsen den deutschen Werten als Vorbild dienen werden.

  • Das bedeutet: steigen die Zinsen jenseits des großen Teichs weiter, ziehen auch die Vergütungen in Deutschland mit Verspätung um etwa 0,2 bis 0,4%-Punkte an.
  • Die sogenannte Korrelation, das heißt der Gleichlauf, liegt bei ungefähr 80%, zumindest bei den noch zehn Jahre laufenden Anleihen.
  • 2013 sollen die Zinsen für zehn-Jahres-Anleihen aus Deutschland beispielsweise bei 3,5% liegen. Das würde bedeuten, dass die Zinsen spürbar ansteigen und fast schon wieder in Höhe der aktuell erreichbaren Dividendenrenditen für Dax-Werte lägen.
Mann Kurse Zettel Rechner Tisch – Rawpixel.com – shutterstock_613049738

Diese Risken bei Lebensversicherungen sollten Sie kennenNoch immer sind Lebensversicherungen in Deutschland als Kapitalanlage sehr beliebt. Dabei gibt es fast nur Nachteile für die Anleger. › mehr lesen

Anleihen: im Zweifel verkaufen

Daraus lässt sich eigentlich nur ein Schluss ziehen: wer Anleihen besitzt und niedrige Zinsen in Kauf genommen hat, sollte im Zweifel die Schuldtitel verkaufen. Denn: deren Kurse werden künftig mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Druck geraten.

Eine Alternative bleiben auch in dieser Situation Rentenfonds. Die können bestehende Positionen bei steigenden Werten noch austauschen – jedenfalls nach und nach. Die Folgen sinkender Anleihenkurse werden daher in Fonds nicht ganz so dramatisch und sichtbar sein wie bei einzelnen Titeln.

Immobilien-Investitionen: Zinsentwicklung beachten

Steigende Zinsen werden auch die Immobilien-Investitionen betreffen. Wer langfristige Kredite braucht, ist gut beraten, die bis zum Sommer unter Dach und Fach zu bringen.

Je höher die benötigte Kreditsumme, umso schwerer wird der Zinsschock wirken. Wer Kredite ablösen möchte oder Forward-Darlehen abschließen will, wird ebenfalls vor dem Sommer – oder spätestens Herbst – auf der sicheren Seite stehen, auch wenn Banken dies eventuell zur Zeit noch nicht einräumen.

GeVestor meint: Wer sicher in Zinspapiere investieren möchte, wird es auch aktuell noch schwer haben. Deshalb raten wir dazu, die Rendite mit Anleihen anzuheben, indem Sie Mischfonds oder vor allem Discount-Zertifikate kaufen.

Diese lauten auch auf Aktien und bringen über Rabatte eine Mindestverzinsung, die über der von Aktieninvestitionen liegt.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.