Steinhoff Aktie: Schrecken ohne Ende

Steinhoff rutscht immer tiefer in die Krise, die Aktie ist kaum noch zu retten. Die Möbelkette Poco geht an die Konkurrenz. (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

Die Werbekampagnen sind hierzulande so markant wie bekannt: Die Möbelhäuser des österreichischen Konzerns XXXLutz werben mit riesigen roten Stühlen, für die Möbelkette Poco trat Daniela Katzenberger als Werbegesicht in Erscheinung.

50 Prozent von Poco gehörten den Österreichern bereits, nun wird XXXLutz nach Zustimmung der zuständigen Behörden die Möbelkette vollständig übernehmen. Der 50-Prozent-Anteil, der bislang dem deutsch-südafrikanischen Steinhoff-Konzern gehörte, wechselt demnach für eine Summe von 266 Millionen Euro den Eigentümer.

Poco geht an XXXLutz

Damit endet ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Steinhoff und XXXLutz um die Macht bei Poco. Die Kette umfasst 123 Filialen, beschäftigt 8.000 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von jährlich rund 1,6 Milliarden Euro. Über die Bewertung von Poco herrschte bis zuletzt Uneinigkeit: Während Steinhoff den Wert der Möbelhauskette mit 650 Millionen Euro bezifferte, sahen die Österreicher lediglich einen Wert von 472 Millionen Euro. Beim Verkauf habe man sich letztlich „in der Mitte getroffen“.

Hintergrund des aufsehenerregenden Deals ist die anhaltende Krise bei Steinhoff. Das Unternehmen ist in einen Bilanzskandal verwickelt, dessen Ausmaß noch immer nicht vollständig absehbar ist.

Steinhoff in der Krise

Nach sich verdichtenden Hinweisen auf Bilanzmanipulationen wurden die Jahresabschlüsse für 2015 und 2016 offiziell zurückgezogen, für 2017 wurden die Zahlen gar nicht erst veröffentlicht. Ob der Skandal noch weiter in die Vergangenheit zurückreicht und auch ältere Bilanzen überprüft und womöglich kassiert werden müssen, ist noch offen.

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Im Zusammenhang mit den manipulierten Zahlenwerken musste der frühere Steinhoff-Chef Markus Jooste bereits vor einigen Monaten von seinem Posten zurücktreten, auch gegen ihn wird ermittelt. Neben Bilanzmanipulationen steht auch der Verdacht des Insiderhandels im Raum.

Doch damit nicht genug: Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, steht Steinhoff nun zusätzlich noch eine milliardenschwere Klage ins Haus – und zwar ausgerechnet vom ehemaligen eigenen Großaktionär Christo Wiese, der im Zuge des Bilanzskandals im vergangenen Dezember seint Amt als Verwaltungsratschef niedergelegt hatte und dessen Vermögensverwaltung Titan nun umgerechnet rund 4 Milliarden Euro von Steinhoff zurückfordert.

Steinhoff Aktie kurz vor Totalverlust

Fragen über Fragen also bei dem im SDax notierten Möbelkonzern, der als der zweitgrößte Europas gilt und dessen Aktien kurz vorm Totalverlust stehen: Der Aktienkurs ist im Zuge des Skandals in den vergangenen Monaten um dramatische 97 Prozent eingebrochen, die Anteilsscheine sind nur noch rund 13 Cent wert. Im Mai vergangenen Jahres wurden die Papiere noch zu rund 5 Euro gehandelt.

Inwieweit Anleger auf eine Entschädigung hoffen dürfen oder sonstige rechtliche Ansprüche geltend machen können, ist nach wie vor nicht geklärt. Fest steht: Bei keiner anderen deutschen Aktiengesellschaft wurde im vergangenen Jahr so rigoros Kapital vernichtet wie bei Steinhoff.

Bis der Skandal in seinem ganzen Umfang aufgeklärt ist und die Folgen für Anleger absehbar werden, dürfte es wohl noch eine Weile dauern.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.