Steinhoff: Möbel-Riese setzt Einkaufstour ungebremst fort

Zugegeben, hierzulande ist Steinhoff International den Anlegern so gut wie unbekannt.

Aber auf dem Markt für Möbel- und Haushaltswaren ist der südafrikanische Konzern mit deutschen Wurzeln eine richtig große Nummer.

Der Marktwert des Möbel-Giganten liegt bei über 20 Mrd. Dollar. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 105.000 Mitarbeiter.

Seit Dezember 2015 hat der Konzern sein Börsen-Listing nach Frankfurt verlegt und sich über eine Kapital-Erhöhung frisches Geld besorgt.

Mit den neuen Mitteln setzt der Möbel-Hersteller seine aggressive Einkaufstour ungebremst fort.

Zukauf in Großbritannien…

Der Möbel-Händler, der auch als „Ikea Afrikas“ bezeichnet wird, expandiert nämlich weltweit:

Im Sommer hat der Konzern für 597 Mio. britische Pfund den Einzelhändler Poundland erworben und kam damit nach dem 3. Versuch auf der Insel endlich zum Zug.

Steinhoff war zuvor mit 2 Übernahme-Versuchen in Großbritannien gescheitert:

  1. Beim drittgrößten europäischen Elektronik-Händler Darty unterlag Steinhoff nach einem wochenlangen Bieter-Gefecht der französischen Groupe Fnac.
  2. Beim britischen Katalog-Möbel-Händler Home Retail („Argos“) zog Steinhoff nach einer Prüfung der Bücher hingegen selbst den Rückzug an.

Das Übernahme-Objekt Poundland verkauft den Großteil seiner Produkte zum Verkaufs-Preis von je 1 Pfund.

Mit rund 900 Filialen in Großbritannien, Irland und Spanien setzt die Firma mehr als 1 Mrd. Pfund um, kämpft aber mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen.

Steinhoff ist in Europa v. a. als Möbel-Händler bekannt. Zum Konzern gehören die „Poco“-Märkte in Deutschland, die Ketten „Kika“ und „Leiner“ in Österreich sowie „Conforama“ in Frankreich.

…Milliarden-Deal in den USA…

Anfang August kündigte Steinhoff dann einen beachtlichen Riesen-Deal an: Für knapp 4 Mrd. Dollar inklusive Schulden verleibte sich der Konzern den US-Betten-Verkäufer Mattress Firm Holding ein.

Der gebotene Preis von 64 Dollar je Aktie entsprach einem kräftigen Aufschlag von mehr als 100%.

Mattress Firm ist der größte Matratzen-Hersteller in den USA und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 2,54 Mrd. Dollar Umsatz einen Gewinn von 65 Mio. Dollar. Das entsprach einer Gewinn-Marge von 2,53%.

…jetzt folgt die Expansion nach Australien

Jetzt hat es der Möbel-Gigant auf Australien abgesehen. Für 361,4 Mio. Dollar will Steinhoff den australischen Hersteller von Polstermöbeln und Matratzen, die Fantastic Holding, schlucken.

Zahlen zuletzt unter den Erwartungen

Mit seinen eigenen Zahlen konnte der Möbel-Riese Steinhoff zuletzt allerdings nicht die Erwartungen der Analysten erfüllen:

Mit seinen 40 Einzelhandels-Marken und gut 6.500 Läden setzte der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr zwar 13,1 Mrd. € um, dabei ging der Zuwachs von 1/3 aber primär auf das Konto von Zukäufen.

Der operative Gewinn legte trotz der Schwäche der Heimat-Währung Rand ähnlich stark auf 1,5 Mrd. € zu. Dennoch hatten die Anleger mehr erwartet.

Für das laufende Jahr gehen die Analysten von einem weiteren Umsatz-Plus von 20% aus. Im Gegenzug soll das operative Ergebnis um 1/5 nach oben klettern.

Ambitionierte Langfrist-Pläne

Zugleich können Sie davon ausgehen, dass der Australien-Zukauf nicht die letzte Übernahme war. Denn finanziellen Spielraum gibt es genug.

Aufsichtsrat und Großaktionär, der südafrikanische Milliardär Christo Wiese, glaubt sogar, den Firmenwert mit der Strategie in 5 Jahren verdoppeln zu können.

Anlegern sollte aber klar sein, dass solche eine aggressive Übernahme-Strategie mit hohen Risiken einhergeht.

20. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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