Stellenstreichungen der Autobauer dominieren die Schlagzeilen

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In jüngster Vergangenheit dominierten Stellenstreichungen der deutschen Autoindustrie die Schlagzeilen. (Foto: Linda Parton / shutterstock.com)

Die deutsche Automobilindustrie ist nach wie vor DIE Schlüsselindustrie der deutschen Wirtschaft. Skeptischere Zeitgenossen mögen anmerken, dass es sich dabei um die Achillesferse der deutschen Volkswirtschaft handelt.

Fakt ist jedenfalls, dass nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) im Jahr 2017 die Betriebe der deutschen Automobilindustrie Umsatzerlöse von knapp 423 Milliarden Euro generierten. Im Jahresmittel 2017 waren 820.200 Personen in den Betrieben der Hersteller von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen beschäftigt. Seit dem Jahr 1991 waren nicht mehr so viele Menschen in dieser Schlüsselindustrie tätig.

Stellenstreichungen dominieren die Schlagzeilen

Die Schönwetterperiode ist aber nun endgültig vorüber. In den letzten Wochen und Monaten häuften sich in den Nachrichten die Schlagzeilen über massive Stellenstreichungen in der Automobilindustrie. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der größte Autobauer Europas, Volkswagen, zusätzlich zum bereits beschlossenen Abbau von 30.000 Stellen in den kommenden Jahren nochmals 7.000 Arbeitsplätze in der Verwaltung streichen wolle. Bei der VW-Tochter Audi verhandelt laut Handelsblatt die Unternehmensleitung mit dem Betriebsrat über den Abbau von 15 Prozent der knapp 90.000 Menschen zählenden Belegschaft.

Der US-Konzern Ford gab bekannt, dass mehr als 5.000 Stellen und damit fast ein Viertel der gesamten Belegschaft in Deutschland wegfallen sollen. Gestrichen würden vor allem Arbeitsplätze in der Entwicklung und im Management. Hintergrund für diese Entwicklung sei unter anderem auch die Digitalisierung. Aber nicht nur bei den Herstellern, auch in der Zulieferindustrie wackeln tausende Arbeitsplätze. Erst jüngst gab es beim größten Autozulieferer der Welt, Bosch, Proteste der Belegschaft. Hier belastet ja noch die Dieselkrise den Geschäftsgang.

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Der börsennotierte Schaeffler-Konzern mit Sitz in Herzogenaurauch will nach einem schwachen 2018 noch in diesem Jahr 900 Stellen streichen; davon entfallen allein 700 Arbeitsplätze auf deutsche Standorte. Die Vorzugsaktie von Schaeffler stürzte von einem Stand von gut 16 Euro Anfang vergangenen Jahres auf nur noch 7,4 Euro ab.

Ja, liebe Leser, der Umbruch in der Autobranche ist ebenso gewaltig wie die Unsicherheit über die Folgen. Sicher scheint, dass selbst Optimisten konzedieren müssen, dass der historisch hohe Beschäftigungsstand aus dem Jahr 2017 in deutschen Landen kaum haltbar sein wird. Die Gefahr ist sehr groß, dass viele tarifvertraglich gesicherte, gut bezahlte Stellen wegfallen werden.

Anders formuliert, die Schlüsselindustrie wackelt bedenklich. Ob und auf welchem Niveau die deutsche Automobilindustrie in zehn Jahren noch vorhanden sein wird, steht völlig in den Sternen. Es ist auch extrem fraglich, ob die deutsche Volkswirtschaft die nachhaltige Schwäche der Automobilindustrie kompensieren kann.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.