Steuer auf Hochfrequenzhandel – Italien zeigt, wie’s geht

Viel und lange wurde darüber diskutiert, in nationalen Parlamenten und auf EU-Ebene. Doch wieder einmal ging ewig lange nichts voran.

Italien ist nun vorgeprescht und hat Nägel mit Köpfen gemacht: Hier gilt seit Anfang der Woche eine Steuer auf den Hochfrequenz-Handel an den Börsen.

Italien erhebt Steuer von 0,02 Prozent

0,02 Prozent müssen nun auf entsprechende Geschäfte abgeführt werden.

Das klingt erst einmal nach nicht viel, doch dieser Blickwinkel verändert sich, wenn man bedenkt, welche unvorstellbar hohen Summen tagtäglich auf diese Weise hin und her geschoben werden.

Fast die Hälfte des gesamten Handelsvolumens in Deutschland speist sich aus solchen Transaktionen, Tendenz steigend.

Dabei sind Risiken und Nebenwirkungen hinlänglich bekannt.

Denn hier handelt kein Mensch mit Sachverstand, der sich Gedanken macht. Stattdessen führen Computer die Geschäfte aus, basierend allein auf Algorithmen, die einer inneren Logik folgen, aber nicht auf Unvorhergesehenes reagieren können.

Hochfrequenzhandel entzieht Börsianern Kontrolle

Der Computer macht das, wofür er programmiert wurde. Das erleichtert zwar einerseits das Alltagsgeschäft – wie in so vielen Bereichen des Lebens.

Doch es entzieht den Börsianern auch ein nicht zu unterschätzendes Stück Kontrolle über das, was da eigentlich passiert.

Alles geht so schnell, dass kaum ein Mensch in der Lage ist, einzugreifen oder Domino-Effekte zu verhindern.

Wohin es führen kann, wenn es mal zu Computerfehlern kommt, ganz zu schweigen. Etliche Beispiele hat es hierzu bereits in der Vergangenheit gegeben, dramatische Kursbewegungen, durch die teilweise binnen Sekundenbruchteilen Milliarden verbrannt wurden.

Das ist nicht im Interesse der Investoren. Gerade Kleinanleger sind den Mechanismen oft ausgeliefert, ohne selbst Einfluss nehmen zu können.

Auf der Suche nach Entschleunigung

Nach der Finanzkrise besteht nun ein wichtiges politisches Ansinnen darin, den Handel zu entschleunigen und die Risiken stärker ins Bewusstsein zu rufen.

Hier ist eine Steuer der konsequente erste Schritt, denn Geld ist schließlich das wichtigste an den Börsen.

Zwar wäre es theoretisch auch möglich, auf technischer Seite an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen und ein bisschen Tempo rauszunehmen. Doch ganz so weit will man dann doch nicht gehen.

Stattdessen wird nun im Zuge der großangelegten Finanzmarktreformen auf EU-Ebene diskutiert, unter anderem eben auch über solche Abgaben wie die nun in Italien eingeführte Steuer.

Sie wird sich auch in anderen Ländern durchsetzen, nur dauert es noch eine Weile, bis es soweit ist.

Auch in Deutschland wurde bereits viel darüber diskutiert, doch vor dem 22. September braucht man sich über Fragen wie eine Finanztransaktionssteuer keine Gedanken mehr zu machen.

Im Kontext der politischen und wirtschaftlichen Krisen, die Italien in den vergangenen Monaten und Jahren durchlebt hat, ist es allerdings ein starkes Signal, dass nun ausgerechnet Rom den Schritt als erstes wagt.

4. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt