Steuer: Finanztransaktionssteuer – die Renditefolgen für Sie

Ab 2014 soll die Finanztransaktionssteuer in der EU greifen. Alle Mitgliedsstaaten der EU werden demnach 0,1% von Aktienkursen und 0,01% der Kurse von Terminkontrakten abführen müssen. Für Ihre Rendite kann das künftig drastische Folgen haben. Aus mehreren Gründen, die kaum diskutiert werden.

Handel geht zurück

0,1% vom Aktienkurs etwa müssten die Banken zahlen. Als Kunde haben Sie damit nichts zu tun, so die Politik. Naiv oder absichtlich dumm, das ist die Frage: die Banken werden Kosten immer abwälzen wollen, wie jeder Händler an jedem Markt.

Dies betrifft Ihre Handelskosten ab 2014 daher direkt. 0,1% sind zu verschmerzen, könnte die Politik einwenden. Aber: Eine Finanztransaktion besteht aus zwei Vorgängen. Beim ersten Vorgang kaufen Sie einen Wert, beim zweiten Vorgang verkaufen Sie einen Wert.

Im Beispiel von Aktien bedeudet dies: Sie zahlen 0,2%. Auch das wäre verkraftbar, könnten Politiker behaupten. Wenn Sie aber die Effekte weiter betrachten, wird sich noch mehr ändern. Es wird teurer, denn: der Handel geht zurück.

Beispiel Schweden: Liquidität geht verloren

Es gibt bereits ein sehr naheliegendes Negativ-Beispiel: Schweden. Dort gibt es eine Finanztransaktionssteuer. Der Handel dort ist stark zurück gegangen. Das bedeutet zweierlei: die Investoren handeln an anderen Märkten, andere Investoren handeln möglicherweise gar nicht mehr.

Schweden selbst hat damit zwei Probleme: die Einnahmen sind deutlich geringer als erwartet. 1,5 Billionen schwedische Kronen wollten die Schweden einnehmen. Tatsächlich aber sind es nur maximal 80 Milliarden. Mit anderen Worten: ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ein weiteres Problem: die Liquidität an der Börse lässt stark nach. Dies aber kostet Rendite: Wer verkaufen will, sieht sich bei Aktien, Fonds oder Anleihen mit deutlich geringerem Angebot konfrontiert. Damit aber sinken die Preise – und letztlich die Rendite.

Widerstand wächst

Daher wächst auch der Widerstand innerhalb der EU gegen die Finanztransaktionssteuer bereits sichtbar. Vor allem die Briten sperren sich, die Schweden nach ihren Erfahrungen sowie die Niederländer.

Auch wenn 65% aller EU-Bürger die Steuer befürworten: die Einstimmigkeitsregel innerhalb der EU wird möglicherweise die Steuer kippen.

Wenn die Steuer allerdings kommt, dann nicht vor 2014. Das wird in gut zwei Jahren der Fall sein. Die Folgen noch einmal im Überblick:

  • Sie zahlen nicht nur 0,1% für Aktien, sondern durch Kauf und Verkauf 0,2% Steuer.
  • Die Liquidität wird sinken. Dadurch steigt das Renditerisiko an den betroffenen Börsen.
  • Die Einnahmen fallen erfahrungsgemäß geringer aus als geplant. Die möglichen Folgen: die Steuer wird drastisch erhöht – oder andere Steuern sollen dann die neuen Löcher auffangen.

GeVestor meint:  So oder so – es wird teurer. Die Politik lässt sich nicht mehr bremsen. Sie können für Ihre Rendite die Steuerlast nur senken, wenn Sie alle Maßnahmen vorher treffen.

Finanztransaktionssteuern können für den Kauf von Aktien oder Anleihen jetzt noch nicht anfallen – ein weiteres Argument, um jetzt zu investieren und die Folgen der Krise zu mildern.

6. Oktober 2011

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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