Steuer-Gerechtigkeit – Nein, danke?!

Auch wenn heute Nikolaus ist, stecken wir Ihnen kein leichtes Geschenk in Ihren Stiefel. Denn es geht um gewichtige Steuer-Politik.

Sie erinnern sich:

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat seinen fulminanten Wahlsieg auch durch ein Versprechen eingefahren, das in den Ohren der Bundesregierung wie ein Knallfrosch klingt: Steuer-Entlastungen.

Oder anders ausgedrückt: eine Angleichung der unterschiedlichen Besteuerungs-Praktiken.

Wolfgang Schäuble spricht von Steuer-Dumping

Ja, Sie haben richtig gehört: Während bei uns über die Anhebung des Spitzensteuersatzes nachgedacht wird, denken andere Regierungs-Chefs genau das Gegenteil.

Aber nicht nur das:

Durch Steuer-Senkungen sollen Wettbewerb und Wachstum gesteigert werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schwant schon jetzt Böses…

So sagte er am Rande einer G20-Experten-Konferenz vor Kurzem:

„Es geht international schon wieder los mit dem Steuer-Wettbewerb und den Versuchen von Steuer-Dumping“.

Gewiss: So kann man es aus seiner Warte aus auch sehen.

Exkurs: G20

Zu Ihrer Information: Mitglieder der G20 sind die 7 großen Industrieländer (G7):

  • USA,
  • Deutschland,
  • Frankreich,
  • Großbritannien,
  • Italien,
  • Kanada
  • und Japan.

Dazu kommen:

  • Russland
  • Australien,
  • die Türkei,
  • Saudi-Arabien
  • und Südafrika.

Vertreten sind außerdem diese asiatischen Länder:

  • China,
  • Indien,
  • Indonesien
  • und Südkorea

sowie die lateinamerikanischen Staaten

  • Argentinien,
  • Brasilien
  • und Mexiko.

Das 20. Mitglied der G20 ist kein Staat, sondern eine Staatengruppe: die Europäische Union.

USA: Massive Steuer-Senkungen für Unternehmen geplant

Der designierte US-Finanzminister Steven Mnuchin kündigte bereits eine umfassende Steuer-Reform an. Er kennt sich übrigens bestens damit ist, ist er doch Ex-Banker und Hedge-Fonds-Manager.

Demnach sollen u. a. die Unternehmen steuerlich entlastet werden. Die Steuersätze sollen von 35 auf 15% fallen – das sind ganze 20%!

Mnuchin erklärte, dass damit ein riesiges Wachstum geschaffen werden würde. Er geht von jährlich 3 – 4% aus. Das würde in etwa einer Verdopplung des bisherigen Wachstums bedeuten.

Amerikanische Steuer-Politik hat große Auswirkungen auf die übrige Welt

Bedenken Sie:

Wenn die USA als die weltweit größte Wirtschaftsnation schon Vorreiter für mehr Steuer-Gerechtigkeit spielt, hat dies auch große Auswirkungen auf die übrigen führenden Industrienationen – und natürlich auf die Schwellenländer.

Die Frage ist, ob die Anderen ebenfalls einen Kurswechsel vollziehen und damit den internationalen Wettbewerb mit niedrigen Steuersätzen anheizen – ganz so, wie es Schäuble befürchtete.

Steuer-Politik spaltet die EU noch mehr

Aber noch etwas ganz anders steht auf dem Spiel:

Neben der politischen Spaltung  – v. a. wegen der Flüchtlingskrise  – steht nun auch eine Spaltung in diesem Bereich für die EU bevor.

„Bye bye, mehr Gemeinsamkeit!“, kann man da nur sagen.

Die nationalen Interessen rücken immer weiter in den Vordergrund – und die Union trudelt langsam, aber sicher ins Chaos…

6. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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