Steueroptimale Vermögensübertragung: Beschenken Sie nicht den Staat

Bei größeren Geschenken und Nachlässen kassiert der Staat kräftig mit. Wenn Sie die Steuerlast für Erben und Beschenkte so gering wie möglich halten möchten, kommen Sie an den Steuervorschriften des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes nicht vorbei. Der „Geldanlage-Berater“ hat für Sie alle wichtigen Fakten zusammengestellt.

Schenken und Vererben: Wie der Staat mitkassiert

Grundsätzlich ist jeder, der durch den Tod des Erblassers begünstigt wird, verpflichtet, Erbschaftsteuer an das Finanzamt zu zahlen. Dazu zählen neben dem Erwerb von Vermögen durch Erbschaft auch Vermächtnisse, Schenkungen auf den Todeszeitpunkt oder „Verträge zu Gunsten Dritter“, die der Erblasser geschlossen hat.

Pflichtteils- und Erbersatzansprüche werden nur von der Erbschaftsteuer erfasst, sofern sie gegenüber den Erben geltend gemacht worden sind. Das Gleiche gilt für Empfänger einer Schenkung.

Die Höhe der Erbschaft- und Schenkungsteuer richtet sich einerseits nach dem Wert des Erbes oder der Schenkung und andererseits nach der jeweiligen Steuerklasse.

Achtung: Geschenke zu Lebzeiten werden nach den gleichen Kriterien besteuert wie der Nachlass. Durch eine simple Schenkung können Sie dem Finanzamt also nicht entgehen. Da müssen Sie sich schon etwas besonderes einfallen lassen.

Die aktuellen Steuersätze (§ 19 ErbStG)

Wert von Schenkung ohne Erbe bis einschließlichErbschaft- und Schenkungssteuer in % nach Steuerklassen
IIIIII
52 000 €71217
256 000 €111723
512 000 €152229
5 113 000 €192735
12 783 000 €233241
25 565 000 €283747
über 25 565 000 €304050

Je nach Steuerklasse und Wert des Erbe/der Schenkung schwanken die Steuersätze zwischen 7 und 50%.

Anders als beim Steuerklassenvermerk auf der Lohnsteuerkarte richtet sich die Steuerklasse beim Vererben und Schenken (siehe Tabelle auf der folgenden Seite) ausschließlich nach dem Verwandtschaftsgrad. Für die engsten Verwandten, also Ehepartner, Kinder und Eltern, gelten dabei niedrigere Steuersätze und höhere Freibeträge als für Geschwister, Neffen und Nichten oder etwa Lebenspartner und Freunde.

Sonderfall Betriebsvermögen

Bei der Übertragung von Betriebsvermögen kommt den Begünstigten ein spezieller Freibetrag von 225.000 € zugute, wenn der Betrieb mindestens fünf Jahre in der Nachfolgegeneration verbleibt.

In diesem Fall können die Erben oder Beschenkten außerdem zusätzlich einen Bewertungsabschlag von 35% auf den restlichen Wert geltend machen (§ 13a ErbStG). Die Erbschaftsteuer kann außerdem auf Antrag bis zu 10 Jahre gestundet werden.

Welche Steuerermäßigungen Sie nutzen können

Erst nach 10 Jahren können Erben oder Beschenkte die vollen Freibeträge erneut in Anspruch nehmen. Kommt es innerhalb dieser Frist zu mehreren Zuwendungen, werden diese zusammengerechnet (§ 14 ErbStG).

Steuerklassen und Freibeträge (§§ 15, 16 ErbStG)

Die nächsten Verwandten können die höchsten Freibeträge geltend machen.

SteuerermäßigungZeitraum zwischen den Todesfällen
0.5weniger als 1 Jahr
0.45mehr als 1 Jahr, aber weniger als 2 Jahre
0.4mehr als 2 Jahre, aber weniger als 3 Jahre
0.35mehr als 3 Jahr, aber weniger als 4 Jahre
0.3mehr als 4 Jahr, aber weniger als 5 Jahre
0.25mehr als 5 Jahr, aber weniger als 6 Jahre
0.2mehr als 6 Jahr, aber weniger als 8 Jahre
0.1mehr als 8 Jahr, aber weniger als 10 Jahre

Ausnahme: Wird dasselbe Vermögen mehrfach an nahe Angehörige vererbt, sterben also beispielsweise Vater und Mutter innerhalb weniger Jahre, ermäßigt sich die Erbschaftsteuer um bis zu 50% (§ 27 ErbStG):

Sterben mehrere Angehörige innerhalb kurzer Zeit, muss das gleiche Vermögen nicht erneut in voller Höhe versteuert werden.

Tipp: Die Kosten des gesamten Erbfalles können pauschal, also ohne besonderen Nachweis, mit einem Betrag von 10.300 € abgezogen werden (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG). Mit diesem Betrag lassen sich in den meisten Fällen alle anfallenden Kosten bestreiten. Damit können Sie sich den so lästigen Kostennachweis ersparen. Liegen die Kosten jedoch darüber, so kommen Sie an einer detaillierten Auflistung nicht vorbei.

Von dem zu versteuernden Erbe können Sie bestimmte Kosten abziehen und so die Steuerlast verringern. Abzugsfähig sind:

  • bestehende Verbindlichkeiten des Erblassers. Dazu gehören auch Steuerschulden des Erblassers. Ihre Erbschaft- oder Schenkungsteuer ist aber nicht steuerlich abziehbar.

  • Vermächtnisse, Auflagen und geltend gemachte Pflichtteile und Erbersatzansprüche: So ist der testamentarische Erbe verpflichtet, z. B. Geldansprüche aus Vermächtnissen zu erfüllen.

  • Bestattungskosten,

  • die Abwicklung, Regelung und Verteilung des Nachlasses z. B. durch einen Anwalt als Testamentsvollstrecker.

Steuerliche Werte bei der Vermögensübertragung

Wie viel Sie an Steuern zahlen müssen, hängt im Regelfall von der Bewertung des Vermögens am Todes- bzw. Schenkungstag ab. Die wichtigsten Bewertungsarten stellt der „Geldanlage-Berater“ Ihnen hier vor:

Bodenrichtwert

Bei den Gutachterausschüssen in den Vermessungs- und Katasterämtern der Gemeinden können Sie so genannte Bodenrichtwertkarten einsehen. Dort werden bei Veräußerung eines Grundstücks die jeweiligen Kaufpreise registriert.

Ertragswert

Der Steuerwert von vermieteten Immobilien errechnet sich aus dem 12,5-fachen der durchschnittlichen Nettomiete der letzten 3 Jahre abzüglich eines 0,5%igen Abschlages für jedes Jahr nach Fertigstellung (maximal 25%) zuzüglich eines 20%igen Zuschlages bei Ein- und Zweifamilienhäusern.

Gemeiner Wert

Der Veräußerungswert, also in aller Regel der Preis, der bei einem Verkauf erzielt würde – gegebenenfalls muss ein Gutachter zur Schätzung herangezogen werden.

Jahreswert

Ertragswert der Immobilie/18,6

Der Jahreswert wird z.B. bei einem unbefristeten Wohnrecht nach folgender Formel errechnet:

Kurswert

Der aktuelle Tageswert börsennotierter Wertpapiere oder Devisen.

Nennwert

Der Betrag, auf den ein Wertpapier ausgestellt wird.

Rückkaufwert

Wert einer Lebensversicherung während der vereinbarten Laufzeit. Tipp: Wie viel Ihre Lebensversicherung tatsächlich wert ist, erfahren Sie aus den jährlichen Standmitteilungen Ihres Versicherers oder aktuell durch einen Anruf dort.

Rücknahmepreis

Jeweiliger Wert von Fonds-Anteilen bei Rückgabe. Übersichten zu Fonds finden Sie auf den Börsenseiten der großen Tageszeitungen oder in Wirtschaft- bzw. Finanzzeitschriften.

Grundvermögen

Bebautes Grundstück:

Wertermittlung nach dem Ertragswert. Mindestwert: 80% des Bodenrichtwertes.

Vermietetes Grundstück:

Ertragswert wird anhand der durchschnittlichen Netto- Kaltmiete der letzten 3 Jahre ermittelt:

Grundstückswert = durchschnittliche Jahres-Netto-Kaltmiete × 12,5 ./.Alterswertminderung (0,5% pro Jahr seit Bezugsfertigkeit,maximal 25% + 20% Zuschlag für Ein- oder Zweifamilienhaus).

Selbst genutztes Grundstück:

Ertragswert wird anhand der üblichen Miete festgestellt, auch dann, wenn das Grundstück an Angehörige oder unentgeltlich vermietet wurde.

Wertpapiere und Investmentzertifikate

Für Sie als Geldanleger ist die Bewertung von Wertpapieren und Investmentzertifikaten von besonderer Bedeutung. An einer deutschen Börse gehandelte Wertpapiere werden mit dem niedrigsten am Todestag notierten Kurs bewertet.

Wurde das Papier am selben Tag nicht notiert, ist der letzte innerhalb von 30 Tagen vor dem Stichtag notierte Kurs maßgebend. Nicht notierte festverzinsliche Wertpapiere werden durch Vergleich mit den Kursen entsprechend ausgestatteter Wertpapiere bewertet.

Versicherungs- und Versorgungsansprüche

Lebensversicherungen, die auf den Tod des Erblassers abgeschlossen waren, werden unterschiedlich danach bewertet, ob es sich um eine einmalige Kapitalleistung oder um wiederkehrende Rentenzahlungen handelt.

Bei einer Einmalzahlung bildet die Versicherungsleistung den Steuerwert, bei der Rentenversicherung ist es der kapitalisierte Jahresbetrag. Grundsätzlich gilt für die Schenkung: Nicht die Werte der Policen sind steuerpflichtig, sondern die gezahlten Prämien.

Beispiel: Wollen Sie eine „laufende“ Lebensversicherung etwa an einen Angehörigen übertragen, so wird die Versicherung lediglich mit 2/3 der bis dahin eingezahlten Beträge bewertet. Aufgelaufene Überschussbeteiligungen bleiben bei dieser Rechnung außen vor.

Betriebsvermögen

Gehört ein Betrieb zum Nachlass, so ist eine Bewertung des Betriebsvermögens am Todestag des Erblassers erforderlich. Wird der Anteil an einer Personengesellschaft vererbt, so muss zuerst das Gesellschaftsvermögen zum Stichtag des Übergangs mit dem Bilanzwert (Differenz zwischen Aktiv- und Passivposten in der Bilanz) bewertet werden. Der ermittelte Wert ist dann auf die einzelnen Gesellschafter entsprechend ihren Anteilen an dem Unternehmen aufzuteilen.

Der genaue Wert einer GmbH errechnet sich aus dem Vermögenswert und dem Ertragswert des Unternehmens. Dazu werden die Ergebnisse der letzten drei Jahre berücksichtigt.

5 Steuersparmodelle: So sparen Sie ganz legal Steuern

Mittelbare Schenkung – Schenken Sie Geld für ein Haus

Geldgeschenke können Sie steuerlich optimal verpacken, wenn Sie Ihre Gabe mit der Auflage verknüpfen, den Betrag gezielt für den Kauf einer Immobilie einzusetzen. In diesem Fall nämlich legt das Finanzamt für die Schenkungsteuer nicht den Wert des Geldes und auch nicht den Kaufpreis in voller Höhe (Verkehrswert) zugrunde, sondern lediglich den geringeren Steuerwert der Immobilie.

Wie Sie den Wert einer Immobilie feststellen können, lesen Sie auf Seite S 21/006. Eine solche „mittelbare Schenkung“ lohnt sich also in den allermeisten Fällen.

Nießbrauch – Wohnen Sie weiter im Haus Ihrer Kinder

Mit der Übertragung von Vermögen kann ein so genanntes Nießbrauchrecht vereinbart werden. Damit wird einer Person, auch Nießbraucher genannt, das Recht eingeräumt, Nutzungen aus den betreffenden Vermögenswerten zu ziehen. So kann sich der Vater für das auf die Tochter übertragene Mietshaus ein Nießbrauchrecht im Grundbuch eintragen lassen. Ihm stehen dann die Mieterträge zu. Allerdings muß er auch die Kosten des Objekts tragen. Der Nießbrauch erlischt dann mit dem Tod des Vaters.

Das mit dem Nießbrauch belastete Vermögen geht im Rahmen der Steuerfreibeträge auf die Kinder über, ohne dass zunächst Schenkungsteuer anfällt. Denn die auf Haus und Grund entfallende Steuer wird bis zum Ende des Nießbrauchs zinslos gestundet. Das bedeutet: Der Fiskus kassiert erst dann, wenn das Nießbrauchrecht erlischt, also etwa bei Tod der oder des Nutzungsberechtigten. Wenn Sie den Betrag der gestundeten Schenkungsteuer für die Zeit des Nießbrauches verzinslich anlegen, wird noch deutlicher, wie sehr Sie von dieser Regelung profitieren können.

Beispiel: Vater schenkt seiner Tochter ein Mehrfamilienhaus – Steuerwert: 465.000 € – und lässt sich ein Nießbrauchrecht ins Grundbuch eintragen.

Dauernde Last: Vereinbaren Sie eine Gegenleistung

Wer sein Vermögen etwa an die Kinder verschenkt, kann eine Ausgleichszahlung als Gegenleistung verabreden. Steuerlich begünstigt ist die Vereinbarung einer so genannten dauernden Last.

Vorteil: Sind die Voraussetzungen für die dauernde Last gegeben, so können die Kinder den Gesamtbetrag der dauernden Last steuerlich absetzen.

Eine „dauernde Last“ sind unregelmäßige und unterschiedlich hohe Zahlungen.

Wichtig: Die Finanzverwaltung erkennt Zahlungen nicht als „dauernde Last“ an, wenn sie zum Beispiel am Ende eines jeden Monats und stets in gleicher Höhe erfolgen.

Der Nachteil: Die Eltern müssen die Einnahmen in voller Höhe versteuern. Wenn sie älter als 65 sind, können Vater und Mutter jedoch jeweils einen Freibetrag zur Altersentlastung von bis zu 1.908 € im Jahr 2005 geltend machen.

„Geldanlage-Berater“-Tipp: Die Zahlung einer „dauernden Last“ lohnt sich steuerlich immer dann, wenn die beschenkten Kinder höhere Einkünfte haben als die Eltern.

Schenkungsteuer-Fonds: Machen Sie Ihr Vermögen zu Betriebsvermögen

Spezielle „Schenkungsteuer-Fonds“ lassen sich gezielt dazu einsetzen, auch größere Vermögen steuerfrei zu übertragen. Hierzu geeignet sind geschlossene Fonds in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft. Die privaten Anleger werden damit zu Gesellschaftern (Kommanditisten) und ihre Anteile deshalb steuerlich als Betriebsvermögen eingestuft.

Aufgrund von Abschreibungen und Kosten entwickeln diese Fonds negative Steuerwerte, die im Schenkungsfall zu einem „Steuerguthaben“ führen. Die negativen Steuerwerte geeigneter Fonds können durchaus 100% des gezeichneten Kapitals erreichen (siehe Beispiel unten).

Anteile an solchen Fonds können nicht nur steuerneutral verschenkt oder vererbt werden. Sie schaffen außerdem zusätzliche Reserven für weitere Vermögensübertragungen. Beteiligungen an solchen „Schenkungsteuer-Fonds“ gibt es häufig schon ab 10.000 bis 15.000 €.

Auslands-Stiftung: Ab 500.000 € die beste Lösung

Wenn Sie große Vermögen ab 500.000 € übertragen wollen, kann es sich für Sie lohnen, eine Auslands-Stiftung zu gründen. Dazu sollten Sie in jedem Fall vorher einen Steuerexperten konsultieren. Die wichtigsten Punkte hierzu hat der „Geldanlage-Berater“ für Sie zusammengetragen:

Auslands-Stiftungen können problemlos nach liechtensteinischem oder schweizerischem Recht gegründet werden. Die Konstruktion einer Stiftung entspricht der eines angloamerikanischen Trusts. Auch die Kanalinseln Jersey und Guernsey sind beliebte Standorte für die Gründung einer Stiftung oder eines Trusts in Europa.

Die Konstruktion einer Stiftung beruht auf dem Prinzip ihrer rechtlichen Selbständigkeit. Mit der Übertragung des Vermögens werden dem Stifter das Vermögen und die Erträge daraus fiskalisch nicht mehr zugerechnet.

Formal betrachtet, gibt der Stifter damit sein Vermögen zwar aus der Hand, er verliert aber nicht seinen Einfluss darauf. Das in eine ausländische Stiftung eingebrachte Vermögen wird zwar in Deutschland nach der ungünstigsten Steuerklasse III besteuert, aber nur ein einziges Mal. Danach bleibt das gesamte Stiftungsvermögen steuerfrei.

Die Kosten für die Gründung einer Stiftung betragen rund 3.000 €. Die laufenden Jahresgebühren bewegen sich je nach Wahl einer Stiftung oder eines Trusts zwischen 2.500 € und 0,5% des verwalteten Vermögens.

Achtung: Bei Übertragung von Unternehmenswerten in eine ausländische Stiftung werden vorhandene stille Reserven zwangsläufig aufgedeckt und müssen mit versteuert werden.

Tipp: Wenn Sie Ihr Vermögen – wie dargestellt – steueroptimal übertragen wollen, sollten Sie rasch handeln. Derzeit liegt ein Gesetzesentwurf vor, mit dem die Erbschaft- und Schenkungsteuer neu geregelt werden soll – zu Lasten der Steuerpflichtigen. Die Neuregelung wird wahrscheinlich frühestens zum 1. Januar 2006 in Kraft treten.

15. Juli 2005

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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