Steuerschulden: Staat greift zu und forscht nach

Jetzt geht in Deutschland die große Geldsuche los.

Die Finanzämter – vorläufig – in Nordrhein-Westfalen greifen nun aktuell auf die Daten zurück, die über Rentner vorliegen, die seit längerem keine Steuermeldung mehr abgegeben haben.

Dabei können die Beamten auf eine besondere Datei zurückgreifen: die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen ( ZfA) aus Brandenburg. Klar ist, dass der Staat die Suche ausdehnen wird. Ein wichtiger Hinweis für Ihre persönliche Vorsorge.

Prüfung seit 2005

Die Daten, die den Finanzämtern vorliegen, reichen zurück bis zum Jahr 2005. Dies sind die Steuererklärungen, die Sie abgeben mussten oder abgegeben haben. Stimmen die nicht oder erwecken diese Verdacht, wird der Fiskus aktiv.

Die Zentrale Zulagenstelle hat ihre Vergleichsdaten bereits 2010 abgegeben, die als Grundlage für die Beurteilung der abgegebenen Steuererklärungen dienen.

Diese Daten bezieht die Brandenburger Stelle aus den Informationen von Pensionskassen, von Lebensversicherungen oder Versorgungswerken, wie sie für Freiberufler (Juristen, Ärzte, Journalisten etwa) üblich sind. In aktuellen Berichten lässt der Fiskus verlauten, er kenne „jeden Rentner“ und dessen Zahlungen.

Das Jahr 2005 ist für den Staat bedeutsam, weil der so genannte „steuerpflichte Anteil“ der Rente von 27% auf 50% angestiegen ist – und der Fiskus vermutet, dass viele Rentner daraufhin ihre Erklärung gar nicht  mehr abgegeben haben.

Vorsicht: Ausland wird ebenfalls erforscht

Zunächst beziehen sich die Datenströme nur auf die Einkünfte in Deutschland, die Rentner ab 2005 erzielt haben. Spätestens 2013 aber hilft die gesamte europäische Union mit.

Zur Zeit werden nur die Zinseinkünfte auf Bankkonten bekannt und steuerlich für Zahlungen relevant. Künftig jedoch werden zusätzliche Einkünfte aus Mieten, Lebensversicherungen oder sonstigen Geschäften bekannt.

Wichtig: die Prüfung wird nur für diejenigen Rentner brisant, die 2005 und in den folgenden Jahren keine Steuererklärung abgegeben haben. Diese fordert das Finanzamt nun auf, die Erklärung nachzureichen. Hier gilt für Betroffene aber doppelte Vorsicht:

Nicht nur wird künftig das Ausland einbezogen, auch kann es bereits zu spät sein, wenn Sie eine Aufforderung erhalten. Maßgeblich für die Nichtbestrafung ist der Eingang einer eigenen Steuererklärung sowie die Frage, ob Sie als Steuerbürger diese bereits vor der erneuten Aufforderung abgegeben haben.

Dies sind die Kriterien, nach denen Sie prüfen können, ob Sie selbst irrtümlicherweise eine Erklärung trotz gegenteiliger Pflicht unterlassen haben:

  • Verpflichtet sind Sie, falls Sie in der Vorsorge eine gesetzliche Rente beziehen,
  • deren steuerpflichtiger Anteil bei mehr als 410 Euro plus Werbungskostenpauschale (102 Euro) liegt.
  • Ab 2005 mussten Sie die Hälfte Ihres Einkommens versteuern, ab 2011 müssen neue Rentner schon 62% versteuert werden.

Ich meine: Vorsicht vor dem Staat – denn der braucht Geld und wird ab jetzt mit den neuen Daten noch genauer hinsehen. Wenn Sie aber keine Steuern hätten zahlen müssen, ist es auch nicht schlimm, die Steuererklärung nicht abgegeben zu haben. Wer Steuern hätte zahlen müssen, sollte sich beeilen.

Der Staat forscht derzeit intensiver denn je zuvor nach Steuerschulden. Warten Sie keine staatliche Aktivitäten ab.

Für die Zukunft ist es sinnvoll, so wenig Steuern als irgend möglich zu zahlen. Wie ich es hier schon oft beschrieben habe, ist der Spareffekt bei Wertpapieranlagen besonders hoch, wenn Sie langfristig investieren.

Zins- und Zinseszins tun ihr bestes, so dass Sie nach gut 10 Jahren effektiv nur noch zwischen 16% und 18% Steuern zahlen müssen.

10. November 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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