Steuertrick Optionsscheinverluste: Prüfen Sie Ihr Depot

Wer Ende 2008 Optionsscheine kaufte und in der Verlustzone liegt, kann jetzt Steuern sparen. Prüfen Sie Ihr Depot, am besten heute! (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Eines der vielen Rätsel der Abgeltungssteuer ist weiterhin, dass und warum Optionsschein-Verluste nicht anerkannt werden (BFH, Az. IX R 11/06).

Verfallen diese, haben Sie steuerlich davon nichts.

30 Prozent Ersparnis möglich

Wichtige Ausnahme: Sofern Sie Optionsscheine seit 2008 im Depot haben, ist die Spekulationssteuer interessant. Nur: Sie dürften die Optionsscheine noch nicht 12 Monate besitzen – nur dann sind Verluste überhaupt steuerlich relevant.

Mit Optionsscheinen können Sie dann Steuern sparen, wenn: a) Sie diese zwischen dem 11.11.2008 (Stand heute ./. 12 Monate) und dem 31.12.2008 gekauft haben, b) diese jetzt bis zum Ablauf von 12 Monaten Haltedauer verkaufen. Liegt die Verlustwahrscheinlichkeit hoch (etwa bei Optionsscheinen auf den US-Dollar), empfehlen wir tatsächlich im Zweifel den Verkauf. 80 Prozent Verlust etwa können durchaus 30 Prozent “Ersparnis” bringen, je nach Steuersatz.

Optionen statt K.o.-Optionsscheine

In vielen meiner Kommentare gehe ich auf die Vorteile von Optionen im Vergleich zu allen anderen Hebelprodukten ein. Vor allem K.O Optionscheine sind gefährlich, da statt hoher Gewinne massive Verluste möglich sind. Hier nun die Vorteile von Optionen:

1. Keine Kursmanipulationen möglich

Angebot und Nachfrage und natürlich die Kursentwicklung des der Option zugrunde liegenden Basiswertes (Aktie, Index, Rohstoff) bestimmen den fairen Preis dieses Investments – nicht der Emittent, wie beispielsweise bei Optionsscheinen.

Emittenten von Optionsscheinen können die Kurse zum Nachteil der Anleger manipulieren. Und sie tun das auch. Der Anleger handelt bei Emittenten-Produkten im wahrsten Sinne des Wortes immer gegen die Bank.

2. Kein Insolvenzrisiko durch Zahlungsunfähigkeit eines Emittenten

Optionen haben keine Emittentin. Damit gibt es auch das Insolvenzrisiko der Emittentin nicht.

Bei Optionsscheinen und Zertifikaten ist das Risiko vorhanden. Wird die Emittentin insolvent, ist das in Optionsscheine und Zertifikate investierte Geld verloren. Käufer von Lehman Brothers Papieren haben das schmerzvoll erfahren.

Anleger berichtet von Kursmanipulationen

Kurz vor meiner Abreise zur Invest schrieb mir ein Leser des Optionen-Profi. Er bestätigte wieder einmal, dass K.o.-Scheine nur einem Gewinn bringen, die emittierende Bank. Herr Christian F. aus Jena hat mir ausdrücklich erlaubt, seine E-Mail hier weiter zu geben. Lesen Sie, was er schreibt:

K.o.-Scheine: Hohe Verluste statt möglicher Gewinne

Christian F.: „Ich habe im September letzten Jahres angefangen mit Optionsscheinen zu handeln. Letztes Jahr habe ich 4.500 Euro damit verdient und bis Februar weitere 3.000 Euro. Vor drei Wochen bin ich fast auf dem Höchststand beim DAX raus und habe Gewinne mitgenommen.

Seit Januar diesen Jahres beziehe ich nun Ihren Börsenbrief „Der Optionen Profi“ und erst vor ein paar Tagen dachte ich wieder an Ihre Worte, dass Optionsscheine, Zertifikate u.s.w. von den Banken manipuliert werden können. Genau das habe ich in den letzten 3 Wochen schmerzlich erfahren müssen.

Denn ich habe mich dazu hinreißen lassen erneut zu investieren. Ich hatte einen Call auf die Deutsche Telekom gekauft. Mit einem 20er Hebel. Die Knock Out Schwelle lag bei 9,60 Euro Basispreis.

Die T-Aktie ist von 10,15 Euro zunächst auf 9,60 Euro gefallen. Einen Tag nachdem ich das Papier nicht mehr besaß, kam die Meldung der Deutschen Telekom über eine geplante Fusion raus und der Kurs stieg auf über 10,2 Euro innerhalb von einem Tag.

Der nächste Crash kommt mit SicherheitGewinne, Gewinne, Gewinne... So gut wie jede Börsenseite im Internet berichtet Ihnen von Gewinnen. Marktkommentare handeln auch meist von Gewinnen, von der Werbung ganz zu schweigen... Verluste gehören zum Alltag… › mehr lesen

Für meinen Optionsschein wäre das gut gewesen. Doch es kam einen Tag zu spät. Verlust 1.800 Euro. Der nächste Fall Q-Cells. Auch da hatte ich einen Optionsschein (Call) Das Papier hat es letzte Woche ausgeknockt.

Durch die Japankatastrophe sind Solarwerte stark gestiegen. Endlich hätte ich mal richtig hohe Gewinne mit Q-Cells einfahren können, doch ich besaß es vorgestern nicht mehr.

Und das gleiche ist mir noch mit weiteren Papieren passiert. Ich bin mittlerweile unter meinem Einstand vom September 2010 angelangt. Ich werde in Zukunft nur noch Optionen handeln.“

Nach dieser E-Mail habe ich Herrn Christian F. gefragt, ob ich seine Erfahrungen an die Leser meines täglichen Newsletters weitergegeben dürfe. Seine Antwort:

„Sehr geehrter Herr Heißmann, gerade bin ich nach Hause gekommen und die von Ihnen empfohlenen Optionen auf den VIX sind mit 100 % Zielgewinn verkauft wurden. Eine schöne Überraschung. Vielen Dank.

Sehr gerne können Sie meine Schilderung für Ihren Kommentar nutzen um andere Leser zu warnen. Der nächste Optionsschein, der gestern verkauft/ausgeknockt wurde war auf die Ölsorte Brent ausgelegt als Basispreis und auch hier wieder das gleiche Spiel.

Die Knock out Schwelle lag bei ca. 110 USD. Und heute ist der Ölpreis wieder gestiegen, aber ohne mich. Es ist sehr ärgerlich.

Ich kann nur allen Lesern des Optionen Profi empfehlen. “Kauft lieber Optionen und keine Optionsscheine und Zertifikate” Ich bin kein Anfänger und habe in den letzten Wochen eine Menge Geld mit Optionsscheinen verloren.

Ein Lichtblick dagegen ist mein Depot mit Optionen. Das habe ich Ihnen Herrn Heißmann zu verdanken. Gerne können Sie auch meine Stadt (Jena) und meinen Namen erwähnen wenn Sie das möchten.

Schönen Abend noch und danke für die bisherigen Gewinne. Christian F.“

Besten Dank, sage ich, für diese Schilderung und Warnung an andere Anleger.

Optionen statt K.o.-Optionsscheine ist die Lösung

Auf der Messe habe ich den Besuchern meines Seminars gesagt, ob Sie Leser des Optionen-Profi sind oder werden, ist das eine. Aber auch wenn das für Sie (derzeit) nicht infrage kommt, meine dringende Empfehlung:

Handeln Sie mit Optionen anstatt mit den manipulierbaren Optionsscheinen und Zertifikaten. Und genau das ist auch hier meine heutige Empfehlung: Optionen statt Optionsscheine!


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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.