Stillstand ist der neue Fortschritt – Metro auf dem Weg der Besserung?

Trotz sinkender Umsätze zeigt sich das Management zufrieden. Man hofft auf ein starkes Weihnachtsgeschäft. (Foto: M DOGAN / shutterstock.com)

In ihrem heute vorgestellten Herbstgutachten sagen die führenden Wirtschaftsinstitute für das kommende Jahr einen Boom voraus, der die deutsche Wirtschaft um 1,8 Prozent wachsen lassen könnte.

Halten die Mitglieder der zu bildenden neuen Bundesregierung Maß und vermeiden Steuererhöhungen, könnte vom damit verbundenen Wohlfahrtsgewinn durchaus auch etwas in den Portemonnaies der Beschäftigten ankommen.

Was entweder dazu führt, dass die Sparquote, die zuletzt wegen der unattraktiven Zinsen stark gesunken war, wieder steigt, oder aber die Konsumneigung der Verbraucher deutlicher als bis-lang zunimmt.

Denn trotz aller bisheriger Ausgaben für Autos, Reisen, Elektronik, Bekleidung und Nahrungs-mittel, gut geht es dem stationären Groß- und Einzelhandel noch nicht. Insbesondere der Einzelhandel klagt über eine langatmige Flaute, die nicht nur durch die starke Konkurrenz des Internet-Geschäfts verursacht ist.

Stationärer Einzelhandel jammert auf niedrigem Niveau

Es wird gespart, es werden Schnäppchen gejagt, das Internet bietet hier die besten Voraussetzungen zum Preisvergleich. Dass der lokale Einzelhandel mit seinen monatlichen Fixkosten für Ladenlokale und Personalkosten hier nicht immer mithalten kann, ist hinlänglich bekannt.

Ob kleiner Einzelhändler oder großer Filialist, die Branche jammert. Zu Recht und auf niedrigem Niveau, schaut man sich die Geschäftszahlen an, in die wir Ottonormal-Börsianer gelegentlich Einblick erhalten.

Mit der Metro AG (WKN 725750, Ticker MEO) hat heute Morgen ganz aktuell einer der großen deutschen Filialisten  seine Zahlen für das 3.Geschäftsquartal vorgelegt. Mit seinen Konzerntöchtern Metro Cash&Carry (Lebensmittel-Großhandel), Media Markt und Saturn Hansa (Elektronik-Märkte), seinen real-Supermärkten und den Kaufhof-Warenhäusern zählt der deutsche Konzern zu den Großen im Markt.

Mit seinen Schwerpunkten auf dem deutschen und europäischen Markt trifft die bisherige Wirtschaftsflaute, die vor allem in Südeuropa zu massiven Umsatz- und Ertragsproblemen geführt hat, das Unternehmen besonders hart. Gespart wird, wo man kann, vor allem an Unterhaltungselektronik, Bekleidung, Kosmetik und höherwertigen Lebensmitteln, wie sie die real-Supermärkte anbieten.

Hoffen auf ein starkes Weihnachtsgeschäft

Da vor allem das Auslandsgeschäft die Bilanzen verhagelte, trennte sich die Konzernleitung von Randaktivitäten und verkaufte dutzendweise real-Märkte in Osteuropa. Auch der eigene  Immobilienbestand wurde deutlich verkleinert und füllte mit seinen Erlösen die Konzernkasse entscheidend.

In Summe 15,5 Mrd. Euro (-2,1%) waren es dann, die die vier Geschäftsbereiche gemeinsam im 3. Quartal als Roh-Erlös zu verzeichnen hatten. Davon gehen noch sämtliche Aufwendungen (Mieten, Löhne etc.)  ab, die mit der unternehmerischen Tätigkeit verbunden sind.

Kein Ergebnis, das berauscht, vor allem, weil sich die Hoffnungen, wie es Konzernchef Olaf Koch heute Morgen ausdrückte, nun auf ein „starkes Weihnachtsgeschäft“ richten.

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An sich ein Armutszeugnis, heißt das doch nichts anderes, als dass man in den ersten neun Monaten maximal das verdient hat, was dringend nötig ist, um nur näherungsweise in Richtung Vorjahresergebnis zu gelangen. Neun Monate des Stillstands!

Die Börse ficht der offensichtliche Stillstand nicht an, sie startete bereits im Vorfeld der Quartals-zahlen ein Kursfeuerwerk. Binnen weniger Tage steigt der Aktienkurs der Stammaktien um +10%, hier vermuteten die Marktteilnehmer eine positive Überraschung durch die Veröffentlichung der Quartalszahlen.

Metro-Chart 17-10-2013

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Doch weit gefehlt, die Überraschung bleibt aus, lediglich „im Rahmen unserer Erwartungen“, so  Koch, lagen die heutigen Unternehmenszahlen. Und deshalb werden die kommenden Tage spannend für die weitere Kursentwicklung der Aktie werden.

Charttechnisch ist die Lage noch entspannt, die Metro-Aktie notiert in einen klaren Point&Figure-Kaufsignal (grüner Kreis) mit einem bislang noch unbestätigten Kursziel bei 44,50 €, was einem Gewinnpotential von etwas über +35% entspricht.

Damit dieses Kursziel jedoch aktiviert wird, bedarf es aus Sicht des Point&Figure-Trading aber eines vorherigen Zurückkommens (Reversal) des Kurses bis mindestens 31,50 €. Der Aktienkurs hat heute Morgen den Rückwärtsgang schon eingelegt. Bleibt also abzuwarten, ob der Kurs dann bei den 31,50 € tatsächlich stoppt, oder das Ausbruchsniveau bei 27,50 € noch einmal testet.

Dieser Test hätte dann eine gewisse Brisanz, von diesen 27,50 € sind es dann nämlich nur noch 0,50 € bis zum nächsten Point&Figure-Verkaufssignal, dass dann wiederum ein mögliches Ab-wärtspotential bis 16,00 € eröffnet.

Mein Fazit: Nicht nur der Vorstand der Metro AG blickt gespannt auf das diesjährige Weihnachts-geschäft und die laufenden Koalitionsvereinbarungen der Bildung einer neuen Bundesregierung.

Halten sich die Verbraucher bei ihren Weihnachtseinkäufen zurück und/oder entschließt sich die neue Regierung doch zu Steuererhöhungen, dürfte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Kursentwicklung der Metro AG haben. Allerdings in eine Richtung, die uns der Point&Figure-Chart derzeit noch nicht anzeigt – nämlich abwärts.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.