Stimmung in der IT-Branche erholt sich

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Der Digitalisierungsschub bringt der IT-Branche langfristiges Wachstum. Die Stimmung unter den deutschen IT-Dienstleistern ist gut. (Foto: Nicoeinino / shutterstock.com)

Vernetzte Geräte, intelligente Services, individuelle Kundenwünsche, globaler Wettbewerb – das sind nur einige Gründe für die digitale Transformation, die alle Unternehmen heute durchmachen. Dazu kommen Überkapazitäten und Strukturprobleme, die die Unternehmen zu Anpassungen zwingen. Daher könnte die Stimmung unter den deutschen IT-Dienstleistern kaum besser sein.

Doch dann kam Covid-19. Und mit dem Corona-Schock hat die Stimmung in der IT- und Kommunikationsbranche (ITK) einen historischen Tiefststand erreicht. Im Juni ging es schon wieder deutlich bergauf – darauf deuten zumindest die Indikatoren des Branchenverbands Bitkom hin. Auch die Umsatzprognosen für die kommenden anderthalb Jahre fallen erfreulich aus.

So erwartet Bitkom für dieses Jahr zwar einen Umsatzrückgang von 3,3%. Im kommenden Jahr soll der Markt jedoch bereits wieder um 2% wachsen. Auch wenn die Corona-Pandemie uns noch länger beschäftigt, ist eins sicher: Der Digitalisierungsschub bringt der ITK-Branche langfristiges Wachstum.

GRENKE: Einbruch beim Neugeschäft und Vorwürfe auf Marktmissbrauch

Bis zur Corona-Krise profitierte GRENKEs Geschäft von der sehr guten Wirtschaftslage. Der Umsatz aus dem Service- und Neugeschäft stieg zweistellig. Doch im 2. Quartal brach das Neugeschäft um 34,2% ein. Das war die schlechte Nachricht. Jetzt kommt die gute. Gegen Ende des 2. Quartals hat sich das Neugeschäft erholt. Im Juli, und damit zu Beginn des 3. Quartals, lag es bereits bei rund 70% des Vorjahresmonats und somit höher als im Juni, wo der Wert bei 55% lag.

Die Situation hat sich insgesamt für GRENKE verbessert. Die Zahl der säumigen Zahlungen hatte sich im April verdoppelt und zu einem Anstieg der Risikovorsorge für laufende Vertragsbeziehungen geführt. An der Expansion hält GRENKE fest. Im 2. Quartal wurde der neue Franchise-Standort in den USA (Phoenix, Arizona) eröffnet. Wegen Vorwürfen auf Marktmissbrauch setze ich die Timing-Einstufung aus.

Nemetschek ist dick im Geschäft

Nemetschek hat erneut seine operative Stärke und weltweite Ausnahmestellung in der AEC-Branche (Architecture, Engineering & Construction) unter Beweis gestellt. Der Branchenprimus hat das 2. Quartal trotz der Auswirkungen der Corona-Krise mit einem leichten Umsatzanstieg um 2,7% abgeschlossen.

Der Anstieg summierte sich aus einer stabilen organischen Entwicklung und dem Umsatzbeitrag der Red-Giant- Akquisition. Wachstumstreiber waren auch die wiederkehrenden Umsätze aus Softwareserviceverträgen und Subskription, deren Umsätze sich um 21,5% erhöhten. Der starke Anstieg spiegelt den strategischen Wandel des Geschäftsmodells wider, neben Lizenzen auch Subscription anzubieten.

Starke IT-Serviceanbieter verteidigen nicht nur ihre Marktstellung, sondern bauen sie aus

Bestes Beispiel dafür ist Bechtle. Das Unternehmen hat trotz schwierigerer Rahmenbedingungen im 2. Quartal den Umsatz um 3,9% erhöht. Organisch wuchs Bechtle um 2,4%. Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich um 4,3%. Das Wachstum ist insbesondere auf die IT-Systemhäuser zurückzuführen, die mit Dienstleistungen wie Managed Services und Cloud Services bei den Kunden punkten konnten. Aber auch im Ausland setzten die Systemhäuser starke Impulse. Die Gesellschaften in Österreich und der Schweiz konnten beim Umsatz um 33,1% zulegen, getragen von einer starken Nachfrage der öffentlichen Auftraggeber.

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Bechtle AG: Vom kleinen Spin-Off zum MarktführerDas deutsche IT-Systemhaus Bechtle hat in den vergangenen Jahren eine echte Erfolgsgeschichte geschrieben. Wie geht es weiter? › mehr lesen


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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