Stop-Loss-Order ist nicht sinnvoll

Mit einer Stop-Loss-Order können Sie Gewinne sichern oder Verluste begrenzen. Aber die stark schwankenden Kursbewegungen der letzten Tage zeigen mal wieder: Die Risiken der Stop-Loss-Order sind stärker als deren Vorteile.

Der DAX 30 Index ist kurz auf 8.913 Punkten gefallen. Wegen der hohen Hebelkraft der Optionen, waren Kursrücksetzer von 20% und 30% bei Call-Optionen keine extremen Kursbewegungen. Wer da bei z.B. 25% Kursrückgang eine Stopp-Loss-Order gesetzt hatte, wurde ausgestoppt. Das Ergebnis:

Heute, nach den deutlichen Kurserholungen, notieren die Optionen wieder ungefähr mit den Kursen von vor wenigen Tagen. Aber wer ausgestoppt wurde, schaute den Kurserholungen nur hinterher. Wer nicht verkauft hatte, blickt in etwa wieder auf einen Depotwert wie vor dem kurzen Kursrücksetzer.

Ich rate deshalb bei Optionen (aber auch sonst) von der Stop-Loss-Order ab.

So funktioniert eine Stop-Loss-Order

Sie legen eine Stop-Loss-Order wie eine normale Verkaufsorder in den Markt. Bei einer Stop-Loss-Order legen Sie einen Kurs fest. Dieser liegt unterhalb der aktuellen Notierung der Option oder eines anderen Wertpapiers.

Wenn dieser Kurs erreicht oder unterschritten wird, werden die mit der Stop-Loss-Order versehenen Optionen automatisch zum danach bestmöglichen Kurs verkauft. Die Überlegung und Strategie: Sie sichern bereits vorhandene Buchgewinne oder begrenzen Verluste.

Stop-Loss-Order: Ein Zahlenbeispiel

Sie haben eine Option gekauft. Der Kaufpreis: 4 Euro. Sie wollen +100% Gewinn erreichen. Nach einiger Zeit verbucht die Option +50% Gewinn und notiert entsprechend mit 6 Euro. Diesen Buchgewinn von 50% wollen Sie zumindest zum Teil sichern.

Sie können dann eine Stop-Loss-Order in den Markt legen. Sie legen das Stop-Loss-Limit zum Beispiel auf 5 Euro. Nur wenn zu diesem Kurs von 5 Euro oder niedriger ein Umsatz stattfindet, wird Ihre Verkaufsorder ausgelöst.

Ihre Optionen werden danach zum dann bestmöglichen Kurs verkauft. Liegt der nächste Umsatz zum Beispiel wieder bei 5 Euro, werden Ihre Optionen verkauft. Sie haben einen Gewinn von 25% (Kauf zu 4 Euro, Verkauf zu 5 Euro) realisiert. So weit die Theorie. Aber:

Stop-Loss-Order kann zu ungünstigen Verkaufskursen führen

Sie haben den Stop-Loss bei einem Umsatz von 5 Euro festgelegt. Findet zu diesem Kurs ein Umsatz statt, wird Ihr Stop-Loss ausgeführt. Ihre Verkaufsorder steht danach sofort „bestens“ an der Eurex. Das bedeutet: Sie verkaufen zu dem danach bestmöglich erreichbaren Kurs. Das beinhaltet diese beiden Risiken:

1. Risiko: Kurs der Option schwankt sehr stark

Optionen haben eine große Hebelwirkung. Das kann dazu führen, dass der Kurs der Option kurzfristig deutlich unter 5 Euro, beispielsweise auf 4,50 Euro oder auch 4 Euro fällt. Findet dann bei 4 Euro der nächste Umsatz statt, wird Ihre Option zu diesem Kurs verkauft. Wenn Sie Pech haben, steigt der Kurs danach wieder bis auf 5 Euro. Angesichts der z.T. hohen kurzfristigen Kursbewegungen der letzten Tage, ein durchaus realistisches Risiko.

Sie haben gegebenenfalls durch eine Stop-Loss-Order den „bestmöglichen“ Verkauf vorgenommen und (viel) zu billig verkauft. Mögliche höhere Gewinne haben Sie verpasst. Noch schlimmer: Wenn der nächste Umsatz unter 4 Euro (das war der hier angenommene Kaufpreis) stattfindet, haben Sie sogar einen Verlust realisiert.

2. Risiko: Kurze Marktbewegungen sorgen für Stopp-Loss 

Auch sehr kurzfristige Marktschwankungen führen zur Ausführung Stop-Loss-Order. Danach sind Sie raus. Eine deutliche Kurserholung (wie die der letzten Tage von 8.913 auf 9.300 Punkte im DAX 30 Index) kommt zu spät, wenn die Optionen verkauft sind. Der Verlust ist unwiderruflich realisiert.

Ich rate bei Optionen von der Stop-Loss-Order ab

Aus den obigen Gründen rate ich vom börslich platzierten Stop-Loss im Optionen-Handel ab. Wenn Sie mit Stop-Loss arbeiten wollen, ist es besser, dass Sie gedanklich einen Stop-Loss setzen und die Order dann „von Hand“ in den Markt legen.

Wird im obigen Beispiel der Kurs von 5 Euro erreicht, geben Sie sofort eine Verkaufsorder z.B. mit dem Limit von 5 Euro oder auch 4,80 Euro an die Börse. Der Verkauf findet nicht „bestens“ statt, sondern nur zu dem von Ihnen angegebenen Limit.

Besser als Stop-Loss: Spätester Termin zur Positionsschließung

Statt des Stop-Loss nutze ich bei meinen Empfehlungen im Optionen-Profi den „spätesten Termin zur Positionsschließung“. Hat sich eine Option bis zu diesem Termin nicht wie gewünscht entwickelt, empfehle ich den Verkauf mit einem festen Limit.

Den „spätesten Termin zur Positionsschließung“ lege ich immer sehr lange vor den Verfallstag der Optionen. Danach gibt es genügend Zeit, um mit einem angemessenen Limit zu verkaufen.

Zum guten Schluss: Am  20.03.1770, also heute vor 244 Jahren, kam der deutsche Lyriker Johann Christian Friedrich Hölderlin zur Welt. Er schrieb:

„Ich glaube, dass die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt, die Klippe ist, an der gerade oft die besten Menschen scheitern.“

Für uns Börsianer lässt sich daraus prima ableiten:

„Ich glaube, dass die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt, die Klippe ist, an der viele Börsianer scheitern.“

Ich wünsche Ihnen Geduld bei Ihren Börsengeschäften; die können wir gerade jetzt gut gebrauchen, in der Zeit, in der der DAX 30 Index nicht wirklich vorwärts kommt.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

20. März 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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