Stratasys: Was ist aus dem 3D-Druck-Hype geworden?

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Der 3D-Druck-Marktführer Stratasys vergrätzt die Anleger mit gesenkter Umsatzprognose - und die Aktie setzt ihre Korrekturphase weiter fort. (Foto: Alexander Kirch / shutterstock.com)

Erinnern Sie sich noch an den Hype um den Zukunftsmarkt mit 3D-Druckern? Inzwischen ist es gut 10 Jahre her als Experten dem Markt für 3D Druck gigantische Wachstumsraten prophezeiten. Die Aktienkurse der Firmen, die sich auf diesem Gebiet tummelten, gingen regelrecht durch die Decke und bildeten im Jahr 2013 ihren Höhepunkt aus.

Seither ist von dem Hype so gut wie nichts mehr übriggeblieben: Bestes Beispiel Stratasys, dem neben 3D-Systems, marktbeherrschenden Unternehmen. Seit der Kurs vor sechs Jahre bei 136 Dollar gipfelte, ging es mit mehr oder wenig starken Erholungsphasen, deutlich bergab. Inzwischen notieren die Papiere bei 19 Dollar und damit 86% unter dem damaligen Höchstkurs.

Dabei ging der jüngste Kursrutsch auf das Konto schwacher Quartalszahlen. Das Ergebnis des 3D-Druckerherstellers wurde im dritten Quartal durch die schwierigen makroökonomischen Bedingungen belastet, aber es gab auch Lichtblicke.

Stratasys – ein Blick hinter die Kulissen

Stratasys zählt zu den führenden 3D-Drucker-Herstellern weltweit. Dabei reicht die Geschichte der Firma bis ins Jahr 1988 zurück. Damals erfand Scott Crump die FDM-Technologie, indem er eine Mischung aus Kerzenwachs und Polyethylen anfertigte, die er dann durch eine Heißklebepistole schoss. So fertigte er das erste 3D-Druck-Modell, einen Spielzeugfrosch für seine damals zweijährige Tochter, an. Im Jahr 1991 gründete er – gemeinsam mit seiner Ehefrau – die Firma Stratasys. Noch im selben Jahr lieferte sie den weltweit ersten 3D-Drucker aus.

Bereits im Jahr 1994 ging Stratasys an die Börse. Zwei Jahre später verkaufte das Unternehmen 60% mehr Geräte als der nächste Konkurrent. Im Jahr 1998 entwickelte Objet Geometries ein neues 3D-Druck-Verfahren auf Tintenstrahlbasis. Das Unternehmen fusionierte im Jahr 2012 mit Stratasys. In den Folgejahren hielt der Konzern das Innovationstempo hoch. Stratasys hat dabei nicht nur in die Entwicklung von 3D-Druckern und Materialien, sondern auch in CAD-3D-Programme investiert. So unterstützt das Unternehmen beispielsweise die CAD-Plattform GrabCAD, von der eine Vielzahl an Vorlagen heruntergeladen und ausgedruckt werden können.

Fokus auf Industriekunden

Während der Rivale 3D Systems überwiegend den Markt für Heimanwender abdeckt, konzentriert sich Stratasys auf höherpreisige Systeme für die Industrie. Seit der Übernahme von Makerbot wildert Stratasys aber auch erfolgreich im Revier des Wettbewerbers. Dennoch lässt die Geschäftsentwicklung seit Jahren zu wünschen übrig. Zeigte Stratasys von 2004 bis 2014 noch eine explosionsartige Umsatzentwicklung (Steigerung von 70,3 auf 750,1 Mio. Dollar), so ist seither Sand im Getriebe.

In den letzten vier Geschäftsjahren bröckelten die Umsätze auf 663,2 Millionen Dollar ab. Zudem rutschte Stratasys in die Verlustzone. Von zweistelligen Gewinnmargen wie in der Vergangenheit fehlt jede Spur. Auf Jahresbasis steckt der Konzern seit 2013 in den roten Zahlen fest.

Enttäuschendes drittes Quartal

Auch im zurückliegenden Vierteljahr hielt die schwache Entwicklung an. Die Umsätze schmolzen im Jahresvergleich um 2,8% auf 157,5 Millionen Dollar zusammen. Vor allem die Konjunkturschwäche in Europa, die sich auf die Investitionen und die Ausgaben auf den Automobil- und Industriemaschinenmärkten in dieser Region auswirkte, erwies sich als starker Gegenwind. Darüber hinaus belasteten negative Währungseffekte. Aber es gab auch Lichtblicke: Stark zeigte sich nämlich abermals der Absatz in Nord- und Südamerika, insbesondere bei der Fortus-Plattform, sowie bei den vollfarbigen, multimateriellen 3D-Druckern.

Das Betriebsergebnis belief sich auf 8,1 Millionen Dollar nach 8,2 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.

Prognose wird eingedampft

Für das Gesamtjahr 2019 hat das Unternehmen seine Umsatzprognose reduziert. Der Umsatz wird nun in einer Größenordnung von 640 bis 655 Millionen Dollar erwartet, verglichen mit einer zuvor geführten Bandbreite von 670 bis 700 Millionen Dollar. Allerdings wurde der Gewinnausblick mit 50 bis 70 Cent je Aktie bestätigt. Zudem macht das Management Hoffnung: Nach einem schwierigen Jahresverlauf sollte die erweiterte Produktpalette ab 2020 wieder zu einem beschleunigten Wachstum kommen. Vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung sollten Anleger die Prognose aber mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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