Ehemaliger Anlegerliebling Stratasys kommt nicht vom Fleck – was aus dem 3D-Druck-Hype geworden ist

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Die Umsätze des 3D-Druckspezialisten Stratasys sind weiter im Rückwärtsgang, aber über den Erwartungen. Die Aktie tritt weiter auf der Stelle. (Foto: Alexander Kirch / shutterstock.com)

Erinnern Sie sich noch an den Hype um den Zukunftsmarkt mit 3D-Druckern? Inzwischen ist es gut 10 Jahre her, als Experten dem Markt für 3D Druck gigantische Wachstumsraten prophezeiten. Die Aktienkurse der Firmen, die sich auf diesem Gebiet tummelten, gingen regelrecht durch die Decke und bildeten im Jahr 2013 ihren Höhepunkt aus.

Seither ist von dem Hype so gut wie nichts mehr übriggeblieben: Bestes Beispiel Stratasys, dem neben 3D-Systems, marktbeherrschenden Unternehmen. Seit der Kurs vor sechs Jahre bei 136 Dollar gipfelte, ging es mit mehr oder wenig starken Erholungsphasen, deutlich bergab. Inzwischen notieren die Papiere bei 14,7 Dollar und damit 89% unter dem damaligen Höchstkurs.

Dabei konnte der Technologiekonzern mit seinen gerade vorgelegten Quartalszahlen zumindest mal wieder positiv überraschen und die Prognosen der Analysten übertreffen.

Stratasys – ein Blick hinter die Kulissen

Stratasys zählt zu den führenden 3D-Drucker-Herstellern weltweit. Dabei reicht die Geschichte der Firma bis ins Jahr 1988 zurück. Damals erfand Scott Crump die FDM-Technologie, indem er eine Mischung aus Kerzenwachs und Polyethylen anfertigte, die er dann durch eine Heißklebepistole schoss. So fertigte er das erste 3D-Druck-Modell, einen Spielzeugfrosch für seine damals zweijährige Tochter, an. Im Jahr 1991 gründete er – gemeinsam mit seiner Ehefrau – die Firma Stratasys. Noch im selben Jahr lieferte sie den weltweit ersten 3D-Drucker aus.

Bereits im Jahr 1994 ging Stratasys an die Börse. Zwei Jahre später verkaufte das Unternehmen 60% mehr Geräte als der nächste Konkurrent. Im Jahr 1998 entwickelte Objet Geometries ein neues 3D-Druck-Verfahren auf Tintenstrahlbasis. Das Unternehmen fusionierte im Jahr 2012 mit Stratasys. In den Folgejahren hielt der Konzern das Innovationstempo hoch. Stratasys hat dabei nicht nur in die Entwicklung von 3D-Druckern und Materialien, sondern auch in CAD-3D-Programme investiert. So unterstützt das Unternehmen beispielsweise die CAD-Plattform GrabCAD, von der eine Vielzahl an Vorlagen heruntergeladen und ausgedruckt werden können.

Fokus auf Industriekunden

Während der Rivale 3D Systems lange überwiegend den Markt für Heimanwender abdeckte, konzentrierte sich Stratasys schon früh auf höherpreisige Systeme für die Industrie. Seit der Übernahme von Makerbot wildert Stratasys aber auch erfolgreich im Revier des Wettbewerbers. Dennoch lässt die Geschäftsentwicklung seit Jahren zu wünschen übrig. Zeigte Stratasys von 2004 bis 2014 noch eine explosionsartige Umsatzentwicklung (Steigerung von 70,3 auf 750,1 Mio. Dollar), so sind diese Wachstumsraten mittlerweile Mangelwaren.

Ganz im Gegenteil: In den letzten fünf Geschäftsjahren bröckelten die Umsätze sogar wieder auf 636,1 Millionen Dollar ab. Zudem verharrt Stratasys tief in die Verlustzone. Von zweistelligen Gewinnmargen wie in der Vergangenheit fehlt jede Spur. Auf Jahresbasis steckt der Konzern seit 2013 in den roten Zahlen fest. Im zurückliegenden Geschäftsjahr fiel ein Verlust von 10,8 Millionen Dollar an.

18% Umsatzrückgang im dritten Quartal

Auch im zurückliegenden Vierteljahr lief es eher durchwachsen. Am Ende stand ein Umsatz von 127,9 Millionen Dollar in den Büchern. Das waren zwar 5,76 Millionen Dollar mehr als von Analysten erwartet, aber eben 18% weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Der bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen lag mit 5,2 Millionen Dollar ebenfalls deutlich unter Vorjahr (14,5 Millionen Dollar), aber um 6,8 Millionen Dollar über dem schwachen zweiten Quartal. Auf Grund hoher Firmenwertabschreibungen rutschte das Nettoergebnis am Ende mit -405,1 Millionen Dollar deutlich in den Keller (Vorjahr: -6,9 Millionen Dollar).

Weiterhin starkes Marktwachstum erwartet

So schwer sich die 3D-Firmen in der Pandemie tun, die Experten sind weiterhin überzeugt, dass der Markt an sich langfristig enormes Wachstum verspricht. Die Analysten der Beratung Ernst & Young prognostizieren ein jährliches Wachstum von 25%. Die Experten von McKinsey schätzen das Marktvolumen für den 3D-Druck im Jahr 2025 auf 180 bis 490 Milliarden Dollar. Allerdings ist das Marktsegment hart umkämpft. Wer am Ende zu den Gewinnern zählt, wird sich erst noch zeigen müssen.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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