Stratec Biomedical: Nach schwachen Zahlen wird die Luft dünn

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Die Geschäftszahlen bei Stratec Biomedical liegen unter den Erwartungen. Stratec ist als Nischenplayer dennoch aussichtsreich positioniert. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Berichtssaison nimmt langsam Fahrt auf. Jetzt hat mit Stratec Biomedical ein Nebenwert aus dem Diagnostik-Bereich seine Geschäftsergebnisse präsentiert. Auch wenn die Wachstumsstory weiter intakt ist – die Erwartungen der Analysten wurden verfehlt. Die Anleger quittierten die schwächeren Zahlen mit einem deutlichen Abverkauf. Direkt nach Bekanntgabe der Zahlen sackten die Papiere um 8,5% in den Keller.

Marktführer bei Diagnostik-Automatisierungs-Lösungen

Bevor ich auf die jüngsten Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen den Spzezialwert aus Birkenfeld näher vorstellen. Typisch für viele Familien-Firmen hat sich auch Stratec Biomedical in einer gewinnträchtigen Nische positioniert: Das 1979 gegründete Unternehmen ist mittlerweile weltweit führender Anbieter von Automatisierungs-Lösungen im Diagnostik-Bereich. Darunter verbergen sich: vollautomatische Analyse-Systeme, Software für das Labordaten-Management und Lösungen zur Proben-Vorbereitung und -stabilisierung in der molekularen Diagnostik.

Die Analyse-Systeme des Konzerns werden zumeist in Zusammenarbeit mit Partner-Firmen wie Abbott Diagnostics, DiaSorin oder Siemens entwickelt. Zur Anwendung kommen die Geräte in Laboratorien, Blutbanken und Forschungs-Einrichtungen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Der Wettbewerbs-Vorteil des Familien-Unternehmens ergibt sich aus der führenden technischen Expertise und umfangreichem Prozess- und Anwendungs-Know-how. Stratec nutzt dies für die Lieferung von effizienten und benutzerfreundlichen Analysen-Systemen. Zugleich verfügt die Firma über langfristige Erfahrungen und ausgezeichnete Beziehungen zu allen wichtigen In Vitro Diagonostik-Betrieben – eine nur schwer replizierbare Position.

In diesem regulierten Markt sind die Markteintritts-Barrieren hoch. Stratec erleichtert den Kunden den Zulassungs-Prozess aufgrund seiner Erfahrung und umfangreichen Dokumentation. Eine schnellere und günstigere Entwicklung von Geräten gegenüber den eigenen Lösungen der Diagnostik-Unternehmen fördert unverändert den Trend zur Auslagerung.

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Beeindruckende Geschäftsentwicklung

Ein Blick in die historischen Bilanzen zeigt Ihnen, wie eindrucksvoll Stratec in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Von 2002 bis 2017 kletterten die Umsätze von 28,1 auf 209,76 Millionen Euro. Unterdessen verbesserte sich der Konzerngewinn von 1,1 auf 27,9 (bereinigt) Millionen Euro. Alleine im letzten Geschäftsjahr ging es mit den Umsätzen um 13,4% nach oben.

Allerdings erhöhte sich das bereinigte Ergebnis nur unterproportional um 9,8%. Mit den Zahlen lag Stratec zwar im Rahmen der eigenen Prognose (Umsatz zwischen 205-220 Millionen Euro), aber unter den Erwartungen der Analysten. Diese waren im Vorfeld von einem Jahresumsatz in Höhe von 214,6 Millionen Euro ausgegangen.

Wiederkehrende Erlöse werden immer wichtiger

Unterdessen werden die wiederkehrenden Umsatzerlöse mit Serviceteilen und Verbrauchsmaterialien für Stratec immer wichtiger. Mittlerweile mit 68,7 Millionen Euro 32,8% (Vorjahr: 29%) der Erlöse wiederkehrender Natur. Das entspricht immerhin einem Anstieg von 28,2% im Jahresvergleich. Hier wirkten sich insbesondere die kontinuierlich gestiegene Installationsbasis an Systemen sowie die im Vergleich zur Vergangenheit erhöhte Komplexität der Systeme positiv aus.

Konzernführung bleibt optimistisch

Auch für die Zukunft bleibt die Konzernführung optimistisch. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Diagnostikspezialist ein um Währungseffekte und Akquisitionen bereinigtes organisches Umsatzwachstum von 5%. Die bereinigte EBIT-Marge soll mit 17% auf dem Niveau des Vorjahres liegen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.