Strategie: Ein Barometer für das Börsenwetter

Die Märkte bewegen sich in Trends. Wenn Sie von diesem Leitsatz nicht überzeugt wären, würden Sie wohl kaum zu den regelmäßigen Lesern unseres Newsletters Chartanalyse-Trends zählen.

Sie müssen nicht immer investiert sein

Es ist eine unbestrittene Tatsache, die bereits in zahlreichen Studien belegt worden ist: In Auf- und Abwärtstrends bewegen sich rund 75% bis 80% aller Aktien mit dem Markt.

Dies be­deutet im Klartext: In einem Abwärtstrend stehen Ihre Chancen 1:4 bzw. 1:5, einen Gewinner-Ti­tel aus dem Meer der Aktien herauszufischen. Anders gesagt: Nur jeder vierte bis fünfte Kauf hat in einer Abwärtsphase des Marktes die Chance auf einen Kurszuwachs – und das aus rein „statistischer Sicht“! Sie müssen – nein, Sie sollten! – also nicht zu jeder Zeit voll investiert sein.

Was liegt daher näher, als sich vor einem Investment in Aktien zuallererst zu fragen, in welche Richtung der Markt denn gerade tendiert? Denn warum sollten Sie überhaupt 1 Cent in Aktien investieren, wenn Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen können, dass Ihre Investments den „Bach runter gehen“, weil sich der Aktienmarkt gerade im Abwärtsmodus befindet?

Strategie Börsen Barometer: Das Vermeiden absehbarer Kursverluste

Ich nenne das „Das Vermeiden absehbarer Kursverluste“! Es ist die sinnvolle Ergänzung zu der in meinem Börsendienst Momentum Trader beherzigten und fest integrierten Strategie der „frühzeitigen Begrenzung von Kursverlusten“.

Um diese Marktrisiken besser einschätzen zu können, habe ich im Herbst 2007 das Momentum Trader Markt-Barometer entwickelt. Es liefert Ihnen sozusagen eine Prognose über die Wetterlage am Aktienmarkt.

Damit nicht genug, können Sie mit Hilfe dieses Barometers Ihren Investitionsgrad an das jeweilige Marktrisiko anpassen. So sind Sie immer dem aktuellen Markt-Trend angemessen investiert.

Die Komponenten des Momentum Trader-Markt-Barometers

In den inzwischen 31 Jahren, in denen ich mich intensiv und professionell mit der Börse beschäftige, habe ich 6 Faktoren festgemacht, die meines Erachtens für uns europäische Investoren den größten Einfluss auf die Kurs­entwicklung an den Aktienmärkten nehmen:

DAX, Dow Jones Industrial Average, Ölpreis, Euro/USD, Zinsen (Umlaufrendite) und die Volatilität.

Diese 6 Faktoren habe ich aufgrund ihres Einflusses gewichtet und in 10 Einzelkomponenten aufgeteilt, die von mir Woche für Woche anhand festgelegter Kriterien bewertet werden.

Für eine positive Bewertung vergebe ich 10, für eine neutrale 5 und für eine negative 0 Punkte. Pro Komponente sind somit bis zu 10 Punkte erreichbar, insgesamt also maximal 100 Punkte.

Die Ampelfunktion des Momentum Trader Markt-Barometers

Die erreichte Punktzahl definiert mithin das aktuelle Marktrisiko. Dementsprechend  habe ich das Momentum Tra­der Markt-Barometer in farblich gekennzeichnete Zonen unterteilt. Wie bei einer Ampel zei­gen diese Zonen den Gefahrenstand der aktuellen Marktsituation an.

Bei einem Stand von 100% hätten wir es entsprechend mit einem extrem starken Bullen­-Markt zu tun: Die Marktrisiken tendieren gegen Null.

Tatsächlich können Sie bereits ab einem Barometer-Stand von 50% von einem Bullen-Markt ausgehen. Je höher also der Füllstand des Momentum Trader-Markt-Barometers zwischen 50% und 100%, desto stärker ist auch der Aufwärtstrend.

Andersherum liegt ein Bären-Markt ab einem Niveau von etwa 30% vor. Bei einem Barometer-Stand zwischen 30% und 50% können Sie von einem Seitwärts-Trend am Aktienmarkt ausgehen.

Entwicklung Börsen-Strategie

Nachstehend sehen Sie zunächst einmal die wöchentliche Entwicklung des Momentum Trader-Markt-Barometers von November 2007 bis Ende März 2009 (schwarze Linie).

Zum Vergleich ist der wöchentliche Kursverkauf des DAX als blaue Linie eingeblendet. Im unteren Teil sehen Sie den Relative Stärke Index (RSI) für den Barometer-Verlauf.

Momentum Trader-Markt-Barometer von 2007 bis 2009 im Vergleich zum DAX

Mit dem Momentum Trader-Markt-Barometer in der Finanzkrise den DAX geschlagen

Schauen Sie bitte auf den rot unterlegten Teil des Charts. Gut zu erkennen ist, dass das Momentum Trader-Markt-Barometer Ende Januar 2008 erstmals auf 10% und damit in die „Orange Zone“ abrutschte.

„Orange Zone“ (von 10% bis 30%) bedeutet: „Achtung! Gefahr in Verzug. Die Aktienmärkte haben ihre Aufwärtstrends verlassen. Technische Indikatoren geben unmissverständliche Warnsignale. Es besteht das Risiko eines Kursrückgangs an den Aktienmärkten von 10 bis 15%.

Die den Markt beeinflussenden Faktoren tendieren zu Ungunsten von Aktien. In dieser Marktphase sind die Risiken für Aktien-Investments signifikant angestiegen. Fahren Sie Ihren Investitionsgrad auf maximal 20% zurück.“

4 Wochen später fiel das Momentum Trader-Markt-Barometer auf 5% und damit in die Rote Zone zurück. Rote Zone bedeutet:

„Crash-Gefahr! Die Aktienmärkte befinden sich in klar definierten Abwärtstrends. Technische Indikatoren haben klare Verkaufssignale gegeben. Es besteht das Risiko eines massiven Kursrück­gangs an den Aktienmärkten um mehr als 15%.

Die den Markt beeinflussenden Faktoren tendieren eindeutig negativ für Aktien. In dieser Marktphase ist es für Sie besser, gar nicht in Aktien investiert zu sein!“

Wie Sie sehr schön ablesen können, tauchte das Markt-Barometer bis Ende März 2009 immer wieder in diese beiden Zonen ein. Ganz sicher erinnern Sie sich noch, dass 2008 das Jahr der Finanzkrise war.

Das Immobilien- und Hypotheken-Desaster in den USA setzte die Aktienmärkte rund um den Globus unter Druck. Trauriger Höhepunkt war im September der Bankrott des Finanzhauses Lehman Brothers. Am Ende dieses Horror-Jahres hatte der DAX rund -40% seines Wertes eingebüßt.

Bis Juli 2009 gab es lediglich 2 Phasen, in denen das Markt-Barometer kurzzeitig über 50% notierte (grün unterlegt).

Der RSI kündigte überdies Anfang Juni 2008 bei einem DAX-Stand von 6.815 noch größeres Unheil an und bestätigte zugleich das neuerliche Verkaufssignal des Momentum Trader-Markt-Barometers. Bis Anfang März 2009 fiel der DAX auf einen Tiefstand (Wochenschluss) von 3.666 Zählern (-46,2%).

Entsprechend der Entwicklung des Momentum Trader-Markt-Barometers waren die Leser meines Börsendienstes Momentum Trader während des gesamten Jahres 2008 zu keiner Zeit mit mehr als 50% Ihres für die Strategie eingesetzten Kapitals in Aktien investiert!

Anders ausgedrückt: Während des gesamten Jahres 2008 hielten meine Leser kontinuierlich mindestens 50% Cash (3x waren sie für mehrere Wochen gar zu 100% in Cash).

Auf diese Weise konnten wir einen Großteil der riesi­gen Verluste an den Märkten vermeiden und den DAX in puncto Perfor­mance auch im 5. Jahr in Folge (seit Start des Momentum Trader im Juli 2004) schla­gen.

Vermögenssubstanz erhalten: so wichtig wie Gewinne zu erzielen

Dieses Beispiel unterstreicht noch einmal den von mir im ersten Teil herausgestellten und im Momentum Trader verinnerlichten Strategieansatz des „Vermeidens absehbarer Kursverluste“. Schließlich wird durch nicht gemachte Verluste Ihre Vermögenssubstanz erhalten.

Ein Aspekt, der mindestens genauso wichtig ist, wie Gewinne zu erzielen!

Warum sollten Sie auch zu jeder Zeit voll in Aktien investiert sein, wenn es an den Aktienmärkten erkennbar bergab geht? Das von mir für meinen Börsendienst Momentum Trader entwickelte Momentum Trader-Markt-Barometer liefert Ihnen dazu wertvollste Unterstützung.

3. Mai 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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