Streaming-Dienste krempeln die Branche um

Mit dem Internet haben sich moderne Streaming-Angebote durchgesetzt. Das klassische TV-Geschäft wird immer unbeliebter. (Foto: Harry Wedzinga / shutterstock.com)

Die Medienwelt befindet sich nicht zuletzt durch die zunehmende Digitalisierung in einem strukturellen Wandel.

Am besten lässt sich diese Entwicklung am klassischen TV-Geschäft beobachten. Mit dem Internet haben sich auch moderne Streaming-Angebote am Markt durchgesetzt. Das klassische TV-Geschäft wird immer unbeliebter. Damit sinken auch die Werbeeinnahmen. Das operative Geschäft erodiert.

Die ProSiebenSat.1 Media AG und ihr Erzrivale, die RTL Group, haben mit dieser strukturellen Entwicklung schwer zu kämpfen. Bei ProSieben sank der Umsatz im 1. Halbjahr um 4,2% auf rund 1,8 Mrd. €. Unterm Strich brach der Gewinn um 15,2% auf 0,67 € pro Aktie ein. RTL konnte zwar etwas bessere Zahlen präsentieren, wirklich überzeugen konnten aber beide Konzerne nicht. Ganz anders sah es dabei schon bei Netflix Inc. aus.

Netflix kämpft sich an die Spitze

Netflix ist eine Erfolgsgeschichte für sich. Der Online- Streaming-Dienstleister hat sich bemerkenswert am Markt durchgesetzt und zählt heute zu den klaren Innovationsführern im Fernsehgeschäft. Netflix hat genau den Nerv der Zeit getroffen und ist jetzt dabei, selbst alt eingesessenen TV-Anbietern wie RTL oder ProSieben- Sat.1 die Gewinne streitig zu machen. Für das 1. Halbjahr hat Netflix beeindruckende Zahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg um 40,3% auf rund 7,6 Mrd. $. Unterm Strich konnte der Gewinn fast verdreifacht werden. Dieser lag mit einem Plus von 172,7% bei 1,50 $ pro Aktie.

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Doch die Zeit der sprudelnden Gewinne könnte schon bald vorbei sein. Der Wettbewerb verschärft sich. Vor allem Amazon, Apple und Alphabet wollen noch stärker im Streaming-Geschäft mitmischen. Und selbst die Erzrivalen ProSieben und RTL erwägen eine Partnerschaft im Streaming-Geschäft.

Der Online-Werbemarkt ist hart umkämpft

Ähnlich wettbewerbsintensiv präsentiert sich der Markt für Online-Werbung. Alphabet zählt hier mit seiner Suchmaschine zu den klaren Platzhirschen. Dabei wird aber auch die konzerneigene Video-Plattform YouTube immer wichtiger. Der Markt mit Kurzfilmen boomt und wird somit auch als Werbefläche immer interessanter. Diesen Trend hat auch Facebook erkannt. Mit dem Foto- und Video-Netzwerk Instagram schreibt Facebook gerade seine eigene Erfolgsgeschichte neu. In den USA geht zudem Instagram-TV an den Start. Zudem soll der Instant-Messenger-Dienst WhatsApp künftig als weiterer Werbeträger dienen.

Etwas abseits vom Duell zwischen Alphabet und Facebook hat sich der deutsche Verleger Axel Springer zu einem Multimedia- Konzern gemausert. Im 1. Halbjahr konnte Springer nahtlos an seine letzten Erfolge anknüpfen. Der Umsatz stieg um 5,9% auf rund 1,6 Mrd. €. Unterm Strich konnte der Gewinn um rund zwei Drittel auf 1,57 € pro Aktie zulegen. Springer hat den strukturellen Wandel als einziges Verlagsunternehmen in Deutschland mit Bravour gemeistert. Bis Ende des Jahres sollen rund 90% der Umsätze im digitalen Bereich erwirtschaftet werden.

Springer hat es damit geschafft, sich eine starke Marktposition neben den übermächtigen US-Tech-Werten aufzubauen. Eine einmalige Erfolgsgeschichte!


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.