Streik: Kein Burger bei McDonalds

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Für die Kunden geht es um den Preis eines Burgers, für die Mitarbeiter um ihre Lebensgrundlage (Foto: Yaoinlove / Shutterstock.com)

In den USA wirbt McDonalds seit einiger Zeit für seine Produkte mit besonders niedrigen Preisen.

Für nur 1,99 US-$ erhält der Kunde mit wenig Geld im Beutel wahlweise einen Hamburger oder einen Cheeseburger plus ein kleines Getränk, deutsche Filialen ziehen bereits vereinzelt nach.

Was die amerikanischen Kunden von McDonalds freut, ist für die Beschäftigten des Konzerns längst zu einem belastenden Ärgernis geworden.

Denn der Kampf um die Kunden wird auf ihrem Rücken ausgetragen. Trotz des harten Arbeitseinsatzes der zumeist teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter, die Bezahlung ist schlecht oder sogar mies.

Die Arbeit in der Hitze und die Hektik des Geschäfts fordern die Mitarbeiter und verlangen ihnen in ihren Schichten alles ab.

Und am Ende der Woche gibt es dann den Gehaltsscheck. Zwischen 8 und 9 US-Dollar beträgt der Stundenlohn für den Knochenjob, 10.000 US-$ das durch-schnittliche Jahreseinkommen eines McDonalds-Mitarbeiters in der Küche.

Waren es vor Jahren vor allem Schüler und Studenten, die sich mit dem Job ihr Taschengeld aufbesserten, beträgt das Durchschnittsalter der Crew heute etwa 28 Jahre.

Die Altersverschiebung zeigt, bei McDonalds arbeiten auch Menschen, die altersmäßig mitten im Berufsleben stehen und oft genug eine Familie zu ernähren haben.

Doch trotz des in den USA üblichen Trends zum Zweitjob, auch 2x 600 US-$ reichen nicht, um nur den Mindest-Lebens-standard einer Kleinfamilie abzudecken.

Die Mitarbeiter sehen, der zarte Aufschwung, der sich in ihrem Land langsam breit macht, droht an ihnen vorbei zu gehen.

Bei 8,51 US-$ Stundenlohn und einem Gratis-Essen vom Arbeitgeber kann man sich keine neue Möbel leisten, Urlaubsreisen, ein Auto oder gar ein eigenes Haus sind erst gar nicht drin.

Lange haben die Beschäftigten aus Sorge um den Arbeitsplatz geschwiegen, doch nun begehren sie auf, es wird gestreikt.

Mit Unterstützung der Gewerkschaften, die so quasi durch die Hintertür bei McDonalds einziehen wollen, wurden vorerst 60 Filialen in  Großstädten bestreikt, eine Ausweitung der Streiks in die Fläche ist angedroht.

Gewerkschaft und Streikenden fordern die Anhebung der Mindestlöhne in der Fast-Food-Branche auf 15,00 US-$, um so durch der eigenen Hände Arbeit in die Lage versetzt zu werden, ein einigermaßen anständiges Leben leben zu können.

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Die sicherlich berechtigte Forderung der deutlichen Lohnanhebung wird sich in dieser Größenordnung jedoch kaum durchsetzen lassen, hätte sie doch gravierende Folgen für den Konzern und seine finanzielle Situation.

Steigen die Personalkosten, die im Konzern etwa 20% der Gesamtkosten ausmachen von 9,00 US-$ auf 13,50 US-$, steigen die Personalkosten in den Filialen oder auch im Konzern um 50%.

Was sie in der Summe auf 30% der Gesamtkosten anhebt.

Schaut man sich die jüngsten Geschäftszahlen des Konzerns an, wird klar, ohne Bremsspuren in der Bilanz würde eine solch deutliche Erhöhung der Stundenlöhne nicht ablaufen.

Denn trotz eines um 2% gestiegenen Umsatzes und 1,4 Mrd. US-$ Gewinnausweis lässt das Wachstum bereits heute schon nach. McDonalds steht im Wettbewerb und gleichzeitig in der Kritik, neue Anbieter mit neuen, frischen und vor allem gesunden Produkten bedrängen den Marktführer.

Und nun noch die Streiks und deren negative Außenwirkung. Kein Wunder, dass sich die Aktionäre des Unternehmens so ihre Gedanken machen, wie und ob es in Zukunft mit dem bisherigen Wachstum so weiter gehen wird.

Diejenigen unter ihnen, die seit Jahren treu und brav ihre Anteilscheine behalten haben, belohnen sich nun selbst und verkaufen ihre Bestände mit Gewinnen zwischen 20% und 50%.

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Der Point&Figure-Chart zeigt es, mit den jüngsten Abgaben wurde zuletzt ein Point&Figure-Verkaufssignal (roter Kreis) erzeugt. Das Kursziel hieraus, dass es noch zu bestätigen gilt, lautet auf 84,00 US-$.

Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Aktie tatsächlich in diese Region absinkt, die Streiks drücken auf die Stimmungslage der Anleger.

Und wer als amerikanisches Unternehmen erst mal die Gewerkschaften im Haus hat, ist oft nicht mehr Herr des eigenen Handelns.

Der Zufall will es, dass genau bei diesen 84,00 US-$ eine breite und massive Unterstützung aus den Jahren 2011 und 2012 verläuft.

Sinken die Kurse soweit ab, wird es hier dann interessant. Hier könnte der Aufwärtstrend wieder aufgenommen werden und die Aktie danach in Richtung 105,00 US-$ und damit auf ein neues Allzeithoch marschieren.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.