Ströer-Aktie: Markteintritt von Google sorgt für Verunsicherung

Ströer-Aktie: Googles Markteintritt bei Außenwerbung sorgt für Unsicherheit. Spekulationen noch nicht bestätigt. Lukratives Geschäft in Gefahr? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Zuletzt ging es bei der Ströer AG deutlich bergab. Zwar waren die vorgelegten Geschäftsergebnisse durchaus solide. Aber der angekündigte Markteintritt des Internetgiganten Google im Bereich der Außenwerbung sorgten ebenso für schlechte Stimmung wie die an Dynamik gewinnende Krise in der Türkei. Mit der türkischen Lira ging es zuletzt dramatisch in den Keller. Der Dollar machte zwischenzeitlich einen Satz von 5,55 Lira am Vorabend auf erstmals überhaupt über 6 Lira.

Am türkischen Anleihemarkt ist das Zinsniveau für Papiere mit zwei Jahren Laufzeit mittlerweile auf über 20% gestiegen. Anleger werten dies als ein klares Anzeichen für massiven Stress und zunehmende Spekulationen über drohende Finanzprobleme des Landes. Hiervon kann sich Ströer als Nummer Eins im türkischen Markt für Außenwerbung auch nicht abkoppeln.

Ströer: Führender Anbieter für Außen- und Onlinewerbung

Bevor ich auf die aktuelle Entwicklung eingehe, möchte ich Ihnen die Firma Ströer noch einmal im Detail vorstellen. Ströer ist einer der führenden Anbieter für Außen- und Online-Werbung. Das Portfolio reicht von klassischen Plakat-Medien über Werbung auf Wartehallen und Transportmitteln bis hin zu digitalen und interaktiven Medien.

Die Ströer-Gruppe vermarktet rund 300.000 Außenwerbeflächen und mehrere 1.000 Webseiten. In Deutschland ist Ströer in mehr als 600 Städten vertreten. Hinzu kommt die Betreuung von unterschiedlich großen Flächen in der Türkei und Polen.

Hoher Marktanteil in Deutschland

Insbesondere in Deutschland hat Ströer mit einem Marktanteil von rund 50% im Bereich der Außenwerbung eine starke Position inne. Zugleich verfügt der Medien-Spezialist über starke deutsche Digital-Publishing- und Transaktions-Werte, die einen hohen Traffic und eine starke, einzigartige Nutzer-Basis aufweisen. Die Kombination von Offline- und Online-Werbung macht den Konzern für viele Kunden-Gruppen interessant.

Ströer: Die Werbung der ZukunftOhne Werbung keine Kunden – Ströer ist Experte, wenn es darum geht, Geschäfte anzubahnen. Hier alles Aktuelle zum deutschen Konzern: › mehr lesen

Ströer mit kräftigem Umsatzplus

Mit seiner Positionierung erzielte der Kölner Medienkonzern zuletzt kräftige Zuwachsraten. So kletterte der Umsatz im ersten Halbjahr um immerhin 24% auf 597 Millionen Euro. Aber Sie müssen wissen: Ein Großteil des Wachstums war auf Zukäufe zurückzuführen. Ohne diese, also organisch, legte das Unternehmen um 7,8% beim Umsatz zu. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 33,5 Millionen Euro und damit 16% mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hängen.

Konzernführung hält an Jahresprognose fest

Unterdessen zeigt sich das Management zuversichtlich und hält an seinen Jahreszielen fest. Die strategische Positionierung im Geschäftsfeld Direct Media zahlt sich laut Firmengründer Udo Müller bereits aus. Für das Gesamtjahr peilen die Kölner einen Umsatzanstieg um 20% auf 1,6 Milliarden Euro an. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen soll dabei auf 535 Millionen Euro ansteigen.

Google sorgt für Unruhe

Die eigentlich robusten Zahlen wurden von den Anlegern zuletzt vollkommen ignoriert. Überschattet wurden die Ergebnisse von der Meldung, dass Google das Geschäft mit Außenwerbung in Deutschland aufmischen will. Der Online-Werbeprimus will seine auf Nutzerdaten basierende Werbung zukünftig auf digitalen Bildschirmen gewinnbringend vermarkten. Laut den Presseberichten gibt es in Deutschland mehr als 110.000 dieser Werbebildschirme, die hierfür in Frage kommen. Offenbar sucht Google momentan nach Partnern, um solche Displays zu  betreiben.

Für Ströer dürfte sich der Markteintritt negativ auswirken. Immerhin hatte der Platzhirsch im vergangenen Jahr mit Werbung auf öffentlichen Bildschirmen 121 Millionen Euro und damit über 9% seiner Gesamtumsätze erzielt. Zudem zeigte sich das Geschäft mit einem Zuwachs von 15% zuletzt ausgesprochen stark.

Bislang hat sich Google zu den Spekulationen nicht geäußert. Bis nicht sicher ist was passiert, dürften die Spekulationen der Anleger die Schwankungsbreite in der Aktie hoch halten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.