Strukturierte Produkte im Beispiel: Zertifikat mit Renditesicherung

Die Aktienbörsen scheinen zu wackeln – so sieht es auch nach dem Freitag wieder aus.

Der Dax hat abgegeben, US-Indizes legen wieder zu und niemand weiß wohin es geht.

So ist es nur fair oder verlockend, wenn ein Zertifikat wie das kürzlich auf den Markt gebrachte „Easy-Bonus-Maximum-Zertifikat“ der WestLB Höchststände bei Renditen sichern hilft und dann am Laufzeitende auszahlt. Laufzeitende ist April 2016, sodass Sie als Investor noch gut 4 Jahre darauf warten müssten.

Im Einzelnen sind die Konditionen aus unserer Sicht besser als die vieler anderer Bonus oder Garantie-Zertifikate, wir werden Ihnen aber noch eine Alternative nennen. Denn: Die Renditesicherung können Sie auf andere Weise selbst besser vornehmen und mehr Profits erzielen.

Falscher Index

Erster Kritikpunkt für uns ist die Auswahl des Indizes. Der DJ Euro Stoxx 50 hat als Index einen hohen Anteil an Bankaktien. Das bedeutet, in den nächsten Jahren wird das Aktienbarometer deutlich höhere Schwankungen als etwa der Dax erleiden. Denn die Bankenwelt in Europa ist unwiderruflich in Schwierigkeiten geraten.

Französische Banken wurden von den US-Rating-Agenturen bereits heruntergestuft. Italienische Banken sowie spanische Geldinstitute leiden unter dem selben Misstrauen, alleine 16 spanische Banken sind auf diese Weise in den vergangenen Wochen teilweise um mehrere Stufen nach unten geschickt worden.

Fallen erste Banken ganz aus und trifft dieses Schicksal gar Großbanken, wird der DJ Euro Stoxx 50 höhere Verluste produzieren als das deutsche Gegenstück Dax. Deshalb ist der Index die falsche Wahl. Grundsätzlich aber zum  Funktionsmechanismus des Zertifikats:

  • Investoren haben bei der Emission einen Betrag von 1000 Euro investiert. Dies ist der Sockelbetrag, den die WestLB auch absichert.
  • Jeweils zum Monatsanfang stellt die Bank fest, ob der Kurs einen neuen Höchstwert erreicht hat und würde diesen „festfrieren“. Diese Zusatzrendite bekommen Sie als Investor am Laufzeitende neben dem Nennwert obendrauf.
  • Sollte diese Kurssteigerung ausbleiben, erhalten Investoren statt der Rendite einen Bonusbetrag von etwa 2% Rendite (bezogen auf die jährliche Anlage umgerechnet). Nur:
  • Beide Zusatzerträge erhalten Sie als Investor nur dann, wenn der EuroStoxx 50 zum Ende der Laufzeit im April 2016 zumindest 50% des Startwerts erreicht hat. Sonst ist sowohl die Prämie verloren als auch die Schutzfunktion: Sie würden 1:1 an der Wertentwicklung beteiligt.
  • Bei 55% Verlust also erhielten Sie nur 45% des eingesetzten Kapitals zurück.

GeVestor meint: Diese Konstruktion offenbart erneut die Schwäche solcher Zertifikate. Denn über die lange Laufzeit lässt sich eine zielpunktgenaue Prognose nicht erstellen. Im April 2016 kann der DJ Euro Stoxx 50 leicht schlechter als 50% unter dem Startwert notieren. Die Kursverläufe von 2000 bis 2002 oder ab 2007 zeigen dies überdeutlich.

Wer sein Kapital in Europa sichern möchte, kauft besser Disocunt-Zertifikat mit einer Laufzeit von 1,5 Jahren. Die Rabatte wählen Sie dabei so hoch, dass die Chance auf Kapitalsicherung hoch ist (also 10% bis 12%). Entwickeln sich die Börsen weiter fest, kaufen Sie weider einen Discounter über 1 bis 1,5 Jahre.

25. Juni 2012

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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