STS Group: Der unbeachtete Börsenneuling

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Der Börsengang der STS Group verlief nicht optimal. Die Aktie besitzt Nachholbedarf. (Foto: Deutsche Börse AG)

Es gab mal eine Zeit, da wurden an den Börsen die Börsengänge euphorisch gefeiert und fast ausnahmsweise mit hohen Kursgewinnen bedacht. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Heutzutage schenken viele Anleger den Neuemissionen kaum noch Beachtung. Daraus resultiert wohl auch der schwache Börsenstart der STS Group, trotz sehr günstiger Bewertung.

Unternehmensportrait

Dabei zählt die STS Group AG zu einem der weltweit führenden Automobilzulieferer mit dem Fokus auf der Nutzfahrzeugindustrie. Das Unternehmen blickt auf eine Tradition und Expertise seit dem Jahr 1934 zurück und beschäftigt weltweit mehr als 2.500 Mitarbeiter in insgesamt 16 Werken.

Schwaches Börsendebüt

Am 01. Juni erfolgte der Börsengang – dabei sind die Papiere exakt in Höhe des Ausgabepreises von 24 Euro in den Börsenhandel gestartet. Ursprünglich hatte das Unternehmen für seine 2,3 Mio. angebotenen Aktien einen Preis zwischen 26 bis 32 Euro erzielen wollen – von diesem Ziel dann aber rechtzeitig Abstand genommen. Inzwischen ist der Kurs sogar unter diesem „angepassten“ Ausgabekurs gerutscht.

Wachstum im 1. Quartal, allerdings ohne Angabe der Vorjahreswerte

Im 1. Quartal des laufenden Jahres erzielte die STS Group einen Umsatz in Höhe von rund 108,9 Mio. Euro. In der diesbezüglichen Unternehmensmitteilung war zwar von „Wachstum“ zu lesen, doch ohne Vergleichswert vom Vorjahreszeitraum lässt sich dies schlecht einordnen. In puncto vorbildliche Investor Relations-Arbeit hat die STS Group daher noch Nachholbedarf. Anleger schätzen nun einmal Transparenz.

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Operativ verzeichnete die Gesellschaft ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 3,5 Mio. Euro. Das im Wesentlichen um Aufwendungen für den Börsengang und die damit notwendige Umstellung der Konzernrechnungslegung auf die International Financial Reporting Standards (IFRS) bereinigte EBITDA erreichte einen Wert von mehr als 8 Mio. Euro und entsprach damit genau den Erwartungen des Vorstands.

2018 will die STS Group weiter wachsen. Da Ende des letzten Jahres und zu Beginn des laufenden Jahres einige Zukäufe getätigt wurden, ist es zunächst das Ziel, dass diese Gesellschaften komplett integriert werden. Zudem bleibt die Kundennachfrage in den Zielmärkten – gerade Chinas – auf einem hohen Niveau. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich dieser Trend im laufenden Geschäftsjahr fortsetzen wird.

Günstige Bewertung

Mit einer Marktkapitalisierung von 143 Mio. Euro scheint mir das Unternehmen – im Vergleich mit anderen Branchenwerten – recht niedrig bewertet. Der Jahresumsatz dürfte beim Dreifachen des Börsenwerts liegen.

Auch wenn ich nicht gerade euphorisch gegenüber der Aktie gestimmt bin, traue ich dem Wert einiges Nachholpotenzial zu. Wenn die Transparenz gegenüber den Anlegern verbessert wird, dürfte das Unternehmen und die Aktie auch mehr Beachtung finden. Es kann also nicht schaden, die STS Group auf Ihre Beobachtungsliste zu setzen.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.