Süd-Chemie: Übernahmewelle im Chemie-Sektor erreicht Deutschland

Die Übernahmewelle im Chemiesektor hat jetzt dazu geführt, dass das erste deutsche Chemie-Unternehmen übernommen wird. Der Schweizer Spezialchemie-Konzern Clariant kauft für zwei Milliarden Euro das Traditionsunternehmen Süd-Chemie.

Der Druck in der Branche ist groß, seitdem eine Reihe von Unternehmen im vergangenen Jahr auf Einkaufstour gegangen ist. Bisher war es so, dass die deutschen Unternehmen (Lanxess, BASF) zugekauft haben, nicht aber, dass ein ausländisches Unternehmen in Deutschland zukauft.

Chemie-Branche will Konjunkturanfälligkeit loswerden

In der Chemiebranche wird es noch in diesem Jahr weitere Milliarden-Übernahmen mit deutscher Beteiligung geben. Die Branche ist dabei, die derzeit sehr gute Geschäftslage zu nutzen, um mit Zukäufen die eigene Produktpalette zu erweitern.

Damit soll verhindert werden, dass die Unternehmensentwicklung zu sehr von nur einem Geschäftsbereich abhängt. Mit dem Zukauf des Spezialchemikers will Clariant jährlich 20 Mio. Euro Kosten sparen und die Konjunkturabhängigkeit reduzieren.

Kaum Streubesitz, wenig Handel

Der Deal war eine Einigung zwischen dem Finanzinvestor One Equity Partner (OEP) und Clariant. Andere größere Aktienpakete befinden sich noch bei Familien, die schon seit Jahrzehnten bei Süd-Chemie engagiert sind.

Außenstehende Aktionäre hat das Unternehmen dagegen kaum. Auch das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen von wenigen 100 Stück zeigt, dass der Zugang zur Aktie nur sehr schwer möglich war. Erst als die Übernahme akut wurde, schoss das Volumen in die Höhe.

245% Rendite für Ausdauer-Aktionäre

Den großen Wurf konnten Aktionäre, die sich vor einem Monat für eine Investition entschieden haben, jedoch bisher nicht machen. Der an OEP gezahlte Übernahmepreis von 121 Euro je Aktie liegt noch gut 5 Euro unter dem Kurs aus Mitte Januar.

Clariant-Aktionäre bewerten den Kauf als zu teuer. Nach einem langen Sanierungskurs lief es gerade wieder besser für die Schweizer, da wird das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Die Aktie verlor in den vergangenen Tagen rund 15%.

Süd-Chemie-Aktionäre, die sich dagegen bereits 2006 an die Verse des Finanzinvestors geklemmt haben und zu gleichen Konditionen Süd-Chemie-Aktien gekauft haben, können sich freuen. Der Verkaufspreis für das 50%-OEP-Aktienpaket liegt 245% über dem Preis aus 2006. Eine ähnliche Performance werden dann auch die geduldigen Klein-Aktionäre haben.

Preise steigen während der Übernahme oft weiter

Bei Übernahmen zahlt sich ein langer Atem häufig aus. Es ist nicht immer direkt der erste Kurssprung, der eine Investition in Übernahme-Kandidaten attraktiv macht. Häufig wird im weiteren Verlauf der Übernahme das Erstangebot nochmals aufgestockt. Wer dann Geduld bewiesen hat, kassiert doppelt.

Diese Erfahrung konnten jetzt auch die Leser meines Börsendienstes „Der Übernahme-Gewinner“ machen. Dort hat der P&I-Großaktionär das Erstangebot sogar um 40% aufgestockt und die Gesamtperformance auf 370% hochgespült.

17. Februar 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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