Südzucker verwirrt mit Prognoseanhebung und Prognosesenkung

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Südzucker passt die Prognose nach oben an und nimmt gleichzeitig die Erwartungen zurück. Die Verwirrung überträgt sich auf den Aktienkurs. (Foto: womue/AdobeStock)

Dass man seine Anleger mit seinen Pressemeldungen auch mal gehörig verwirren kann, hat in dieser Woche Südzucker gezeigt. Nachdem in einer Pressemeldung zunächst die Gewinnerwartungen des Managements angehoben worden waren, wurden in derselben Meldung die Gewinnerwartungen wieder nach unten genommen. Zu erklären lässt sich dieses Vorgehen nur durch die unterschiedlichen Ertragsebenen, die von den Prognoseänderungen betroffen sind. Taktisch geschickt war das Vorgehen jedoch nicht.

Zunächst Prognoseanhebung…

Knapp zwei Wochen nach Veröffentlichung des Halbjahresberichtes für das laufende Geschäftsjahr 2019/20, in dem Südzucker noch seine Umsatz- und Ergebnisprognosen bestätigt hat, wurden letztere am vergangenen Freitag nach oben angepasst. Nunmehr geht der Zuckerkonzern von einem um Sondereffekte bereinigten operativen Konzernergebnis (EBIT) in einer Bandbreite zwischen 50 und 130 Millionen Euro aus, nachdem bisher eine Prognose zwischen 0 und 100 Millionen Euro kommuniziert worden war.

Operativ geht diese Prognoseanhebung auf nur einen Teil der Geschäftsbereiche zurück: Dem weiterhin sehr positiven Ethanol-Marktumfeld, das sich aus der robusten Nachfrage nach klimaschonenden Alternativen zu fossilen Kraftstoffen in mehreren europäischen Ländern erklären lässt, und dem Segment Spezialitäten, für das Südzucker von einer moderaten Ergebnissteigerung ausgeht.

Demgegenüber rechnet Südzucker im Segment Zucker nur mit einer geringfügigen Verbesserung des operativen Verlustes auf eine Bandbreite zwischen -200 bis -260 Millionen Euro. Und auch im Segment Frucht wird unverändert mit einem deutlichen Ergebnisrückgang gerechnet, nachdem im Vorjahr noch ein operativer Gewinn von 77 Millionen Euro zu Buche gestanden hat.

…dann Prognoserücknahme

Doch die gute Nachrichtenlage währt nicht lange. Liest man die Pressemeldung einige Zeilen weiter, kommt die 180-Grad-Wendung: Darin kündigt Südzucker „erhebliche negative Auswirkungen“ aus der Geschäftsentwicklung bei der Beteiligungsgesellschaft ED&F Man Holdings Limited an. Von einem „zweistelligen Millionenbetrag“ ist da die Rede, der auf das Mannheimer Unternehmen zukommen und das At-Equity-Ergebnis des Konzerns betreffen würde. Kenner der Rechnungslegungsvorschriften wissen, dass damit das operative Ergebnis unbelastet bliebe. Um ganz sicher zu gehen wies Südzucker seine Anleger explizit darauf hin, dass das At-Equity-Ergebnis des Konzerns nicht Teil des operativen Ergebnisses sei.

Ungeachtet dessen scheint sich die 35%ige Beteiligung an ED&F Man Holdings für Südzucker zu einer veritablen Belastung auszuarten. Fast 350 Millionen Dollar hat der Zuckerkonzern seit 2012 in das Londoner Handelshaus investiert, das nach eigener Darstellung landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Zucker, Melasse, Hülsenfrüchte und Getreide beschafft, lagert, versendet und vertreibt. Und überdies für ausgewählte Kunden Preisrisiken durch Finanzprodukte steuert und für andere – zum Beispiel Hedgefonds – als Broker agiert.

Anhaltend schwieriges globales Zucker-Marktumfeld

Doch die Hoffnungen auf mehr internationales Geschäft haben sich noch nicht konkretisiert. Stattdessen ist von nicht zahlungswirksame Belastungen aus der strategischen Neuausrichtung die Rede, von denen ED&F Man Holdings aktuell betroffen ist. Hintergrund, so ein Unternehmenssprecher, sei der „Zusammenbruch der Weltmarktpreise für Zucker“.

Diese haben sich nach dem Auslaufen der EU-weiten Zuckermarktordnung vor zwei Jahren nicht wieder erholt. Noch nicht einmal ein Marktaustritt unprofitabler Zuckerproduzenten ist bislang zu beobachten gewesen, so dass Südzucker inzwischen seine Exporthoffnungen auf Überseemärkte mehr oder weniger begraben haben dürfte.

Ausscheiden aus dem MDAX

Letzten Endes war der Kollaps der Zuckerpreise auch dafür verantwortlich, dass die Südzucker-Aktie, die Anfang 2017 noch über 25 Euro kostete, zu Beginn dieses Jahres nur noch bei 11 Euro notierte. Und Südzucker die Mitgliedschaft im MDAX kostete, dem das Unternehmen zuvor 22 Jahre angehörte. Angesichts der durchwachsenen Segmententwicklung sollten Anleger nicht auf einen raschen Turnaround spekulieren.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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