Suncor will Canadian Oil Sands schlucken: Milliardendeal im kanadischen Energiesektor

Manchmal können sich Übernahmen durchaus länger hinziehen. Die beiden kanadischen Erdölfirmen Suncor und Canadian Oil Sands sind ein Paradebeispiel hierfür.

Aber jetzt zeichnet sich doch eine Einigung bei den beiden Rohstofffirmen ab. Dabei hatte Canadian Oil Sands bereits im Oktober ein Übernahmeangebot von Suncor erhalten. Für jede eigene Aktie sollten die Anleger 0,25 Suncor-Aktien erhalten.

Versüßtes Angebot macht Anleger gefügig

Die Konzernführung von Canadian Oil Sands reagierte im ersten Schritt abweisend. Das Angebot sei zu niedrig und reflektiere nicht den Wert der Gesellschaft. Doch offenbar hat die aufgebesserte Offerte ihre gewünschte Wirkung nicht verfehlt.

Suncor bietet jetzt 0,28 eigene Anteilsscheine für jedes Canadian Oil Sands-Papier. Damit steigt der aktuelle Wert der Gesellschaft auf 6,4 Milliarden CAD inklusive der Nettoverbindlichkeiten.

Das Angebot scheint auch den Großaktionär Seymour Schulich überzeugt zu haben. Der kanadische Milliardär hält selbst 5,2% an der Erdölfirma – zusammen mit einer konzertierten Aktionärsgruppe kontrollieren die Anleger laut Insidern immerhin 28% der Gesellschaft. Im Nachgang der letzten Offerte hatte die Anlegergruppe noch mächtig Stimmung gegen das Angebot gemacht.

Canadian Oil Sands kämpft mit Schwierigkeiten

Der größte Vermögenswert der Firma ist die 37%-Beteiligung an dem Erdöl-Konsortium Syncrude Canada, dem zweitältesten Ölsand-Unternehmen überhaupt. Bereits 1967 gegründet, gehört die Firma mit Erdölsandprojekten in Fort McMurray zu den absoluten Urgesteinen der Branche.

Dem Unternehmen gehört das größte zusammenhängende Erdölfeld in Kanada. Suncor selbst hält aktuell einen Anteil von 12% an dem Unternehmen, dem weltgrößten börsennotierten Erdölkonzern Exxon Mobil gehören 25% des Konsortiums.

Allerdings kämpft das in die Jahre gekommen Projekt immer wieder mit Problemen. Alleine im vergangenen Jahr hat Syncrude die Produktionserwartungen gleich drei Mal nach unten korrigieren müssen. Damit wurde ein neuer Tiefpunkt markiert. Bereits in 2014 sorgte beschädigtes Equipment für die niedrigsten Fördermengen seit 2006.

Konzernziele sind sehr ambitioniert

Wenn Sie die Treffsicherheit des Managements in der Vergangenheit als Maßstab heranziehen, dann könnten weiterhin miserable Nachrichten bevorstehen. Denn die Förderziele für 2015 von 90 bis 110 Millionen Barrel Öl hatte sich die Firma bereits im Vorjahr auf die Fahnen geschrieben. Dabei rechnete Canadian Oil Sands immerhin mit einem Ölpreis von 75 Dollar pro Fass.

Seit der ersten Offerte im Oktober ist der Ölpreis von knapp 50 Dollar auf unter 30 Dollar je Fass kollabiert. Beim jetzigen Angebot gibt sich Suncor bereits mit einer Zustimmung von 51% zufrieden. Der alte Deal setzte noch eine Zustimmung von 66,6% voraus.

Sinkender Ölpreis verstärkt den Druck

Der Abschwung des Ölpreises ist in aller Munde. Das schwarze Gold hat seit Sommer 2014 immerhin 75% an Wert eingebüßt. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass auch die Canadian Oil Sands-Aktie von ihren Höchstkursen von knapp 25 CAD in 2014 meilenweit entfernt ist.

Vor dem Übernahmeangebot fielen die Anteilsscheine bis auf 5,76 CAD. Mittlerweile haben sich die Papiere wieder auf über 7,50 CAD erholt.

Heiße Wette auf den Ölpreis

Der Zukauf ist eine riskante Wette auf anziehende Ölpreise. Denn um einen positiven freien Cash Flow zu erwirtschaften, benötigt der Konzern einen WTI-Preis von mindestens 39 US Dollar je Fass (bei einem Wechselkurs von 0,72 USD/CAD). Wird der Preis überschritten, dann klingeln hingegen ordentlich die Kassen.

Laut einer Unternehmenspräsentation könnte der freie Cash Flow je Aktie von 0,28 Dollar bei einem Ölpreis von 45 Dollar je Barrel auf stolze 2,02 Dollar je Aktie bei einem Fasspreis von 75 Dollar regelrecht explodieren.

Sollte der Preis länger auf dem niedrigen Niveau verharren könnte es aber durchaus eng werden. Immerhin hat die Erdölfirma Verbindlichkeiten von 2,3 Milliarden CAD auf den Schultern. Nur zu gut, dass das Laufzeitende mit 2019 noch einige Zeit entfernt ist.

21. Januar 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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