SunTrust und BB&T: Fusion schafft sechstgrößte Bank der USA

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Die Karten auf dem US-Bankenmarkt werden neu gemischt. SunTrust und BB&T planen die größte Fusion seit Ausbruch der Finanzkrise. (Foto: Michael715 / shutterstock.com)

Lange Zeit war es still geworden im Bankensektor. Viel häufiger sahen wir Deals im Halbleitermarkt, bei Pharma- oder Cloud-Firmen. Doch mit der Fusion der US-Banken SunTrust und BB&T gibt es wieder eine richtig große Transaktion in der Finanzindustrie. Die Vorstände der beiden Geldhäuser stimmten jetzt dem rund 66 Milliarden Dollar schweren Deal zu. Der Zusammenschluss hat es durchaus in sich. Immerhin entsteht mit der Fusion die sechstgrößte US-Bank auf der Grundlage von Vermögenswerten und Einlagen.

Das Abkommen kommt zu einer Zeit, in der die Trump-Administration auf eine Lockerung der Vorschriften aus der Krisenzeit drängt, die die Expansion einschränken und eine verstärkte regulatorische Kontrolle der Großbanken ermöglichen.

Beide Aktien reagierten positiv auf die Meldung und stiegen im vorbörslichen Handel bereits deutlich an.

Größter Bankendeal seit der Finanzkrise

BB&T Corp kauft SunTrust Banks für ungefähr 28 Milliarden Dollar in einem reinen Aktien-Deal. Die beiden Unternehmen nennen die Transaktion einen Merger of Equals, also eine Fusion unter Gleichen, im Wert von 66 Milliarden Dollar. Damit handelt es sich um den größten Deal im Finanzsektor seit dem Ausbruch der Finanzkrise.

Im Rahmen der Transaktion erhalten die SunTrust-Aktionäre 1,295 Aktien von BB&T für jede ihrer Aktien. Der Wert des Aktienhandels von 62,85 US-Dollar pro Aktie bietet Anlegern eine Prämie von rund 7% auf den SunTrust-Schlusskurs vom Mittwoch.

Die BB&T-Aktionäre werden 57% des fusionierten Unternehmens halten, SunTrust den Rest.

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Im Wettbewerb mit Citigroup und Bank of America

Das fusionierte Unternehmen wird unter einem neuen Namen firmieren und verfügt über Vermögenswerte in Höhe von rund 442 Milliarden US-Dollar, Darlehen in Höhe von 301 Milliarden US-Dollar und Einlagen in Höhe von 324 Milliarden US-Dollar von mehr als 10 Millionen Haushalte. Damit steht der neue Finanzriese in direkter Konkurrenz zu Rivalen wie die Citigroup und Bank of America.

Der Zusammenschluss soll im vierten Quartal über die Bühne gehen und zu massiven Kosteneinsparungen führen. Beide Firmen peilen jährliche Einsparungen von rund 1,6 Milliarden Dollar bis 2022 an. Dabei soll die Fusion eine interne Rendite von rund 18% erwirtschaften.

Startschuss für eine Konsolidierungswelle?

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob der Fusion in den USA eine ähnliche Branchenkonsolidierung in Deutschland folgt. Gut möglich. Der deutsche Bankenmarkt ist extrem wettbewerbsintensiv. Gab es 2004 noch 2.400 Banken, waren es in 2016 nur noch 1900.

Glaubt man dem „Bankenreport Deutschland 2030“ von der Beratungsgesellschaft Oliver Wymann, dann gibt es in gut 20 Jahren hierzulande nur noch 150 bis 300 Kreditinstitute. Sie müssen wissen: Die Bankenlandschaft in Deutschland ist bislang noch stark fragmentiert. In Belgien oder den Niederlanden kontrollieren die vier größten börsennotierten Institute 75% des Gesamtmarktes. Doch in Deutschland vereinigen die drei größten börsennotierten Institute – Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank (Unicredit) – Morgan Stanley zufolge nur einen Marktanteil von 15% auf sich.

Ob es allerdings zu der viel diskutierten Großfusion der Commerzbank und der Deutschen Bank kommt, ist vollkommen ungewiss, auch wenn strategisch einiges dafürsprechen würde. Ein größerer Kundenstamm würde helfen, die teuren IT-Systeme auszulasten. Außerdem dürfte sich ein höherer Marktanteil positiv auf die Margen auswirken.

Im Fall von Deutscher Bank und Commerzbank spricht noch ein weiterer Punkt für eine Fusion: Beide Firmen haben unterschiedliche Stärken. Während das Investmentbanking der Commerzbank als schwach gilt, ist ihr Wachstum im Privatkundengeschäft stärker. Allerdings ist die „Negativ-Liste“ nicht weniger lang. Vor allem die Größe der Transaktion würde einen Deal zur Mammut-Aufgabe werden lassen – nicht zuletzt auf Grund bekannter Integrationsrisiken.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.