Surteco-Aktie: Übernahme ist kein Selbstläufer

Vielleicht ist Ihnen die Firma Surteco kein Begriff. Mit knapp 290 Millionen Euro Börsenwert ist das auch mehr als verständlich, fliegt der Titel doch unter dem Radar vieler Anleger hindurch. Aber das familiengeführte Unternehmen ist durchaus einen Blick wert. Besonders, wenn man die Feinheiten des Marktes für Firmenkäufe und Übernahmen aufzeigen möchte.

Denn dass Firmenzukäufe nur die eine Seite der Medaille sind, können Sie am Mittelständler aus Buttenwiesen-Pfaffenhöhen sehr gut beobachten. Mindestens ebenso wichtig ist die anschließende Integration der zugekauften Gesellschaft. Hier liegt aber erfahrungsgemäß oft der Hund begraben, denn nicht alle Unwegsamkeiten lassen sich im Vorfeld voraussehen.

Euphorie nach Süddekor-Übernahme komplett verflogen

Nach jahrelanger Branchenkonsolidierung war es im Herbst 2013 soweit. Der Hersteller für Oberflächenmaterialien auf Papier-und Kunststoffbasis wie Kanten und Folien, technischen Profilen und Dekordrucken schluckte seinen langjährigen Wettbewerber Süddekor.

Dabei nahm der Konzern einen ordentlichen Schluck aus der Pulle. Denn mit 239 Millionen Euro Jahresumsatz in 2012 war der Zielkonzern eine große Nummer. Für Sie zum Vergleich: Surteco selbst erzielte zum damaligen Zeitpunkt Erlöse von gut 400 Millionen Euro im Jahr.

Surteco führte zur Finanzierung eine saftige Kapitalerhöhung zu 18 Euro je Aktie durch. Der exakte Preis des Zukaufs wurde nicht veröffentlicht. Insider gehen jedoch davon aus, dass beim dem Deal rund 100 Millionen Euro geflossen sind. Mit dem knapp vierfachen des EBITDAs im Verhältnis zum Unternehmenswert war die Transaktion verhältnismäßig günstig.

Die Anleger feierten den Erwerb auch ordentlich ab. Der Kurs legte von 15 Euro um 100% in nicht einmal neun Monaten zu. Wenn Sie den heutigen Anteilspreis ansehen, scheint nach dem Deal vor dem Deal zu sein. Sämtliche Gewinne wurden ausgelöscht und mit 18,60 Euro notieren die Papiere so tief wie lange nicht.

Synergien lassen weiter auf sich warten

Die Erwartungen an den Deal waren hoch. Neben 2 Millionen Euro Kostenvorteilen durch die Zusammenlegung von Vertriebs- und Marketingeinheiten sollten spürbar über 5 Millionen Euro an Einsparungen durch einen gemeinsamen Einkauf zustande kommen.

Insgesamt sollten locker 8 Millionen Euro an Kosten eingespart werden. Dies hätte längst passieren sollen. Jetzt peilt die Konzernführung die positiven Effekte erst für 2017 an. Gründe dafür gibt es genug.

Hohe Integrationskosten belasten die Gewinne

Die Maßnahmen des Managements fallen in die Kategorie „gut gedacht, schlecht gemacht“. Denn ein Großteil der Synergien sollte ja durch eine Zusammenlegung der Produktionskapazitäten entstehen. Dafür hätten aber die Süddekor-Mitarbeiter aus Laichingen an den rund 100 Kilometer entfernten Surteco-Standort in Buttenwiesen umziehen müssen.

Der Schuss ging allerdings komplett nach hinten los. Denn nur wenige Mitarbeiter folgten dem Plan. Das Ergebnis war wenig erfreulich. Neben deftigen Ausgaben für einen Sozialplan von 12,6 Millionen Euro mussten über 100 neue Mitarbeiter eingestellt und erstmal ausgebildet werden. Zusätzlich belasteten die Umbaukosten für die gemeinsamen Produktionsgebäude (7 Millionen Euro).

Konzernführung mit sportlichen Zielen

SURTECO rechnet für 2015 mit einem leichten Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr (Erlöse 2014: 618,5 Millionen Euro). Beim Vorsteuerergebnis (EBT) soll der Vorjahreswert von 22,3 Millionen Euro deutlich übertroffen werden.

Zudem plant der Vorstand mit einer deutlichen Verbesserung der Marge. Lag die EBITDA-Marge nach den ersten 9 Monaten bei 10,3%, sollen bis 2017 immerhin 15% möglich sein.

Glaubwürdigkeit muss wieder hergestellt werden

Auch wenn Integrationsrisiken zum Tagesgeschäft bei Übernahmen gehören, werden diese von Anlegern oft vernachlässigt. Jetzt muss das Management liefern. Zumindest haben sich durch den Kursabschwung die Bewertungsrelationen wieder ermäßigt.

Der aktuelle Kurs von 18,80 Euro liegt deutlich unter dem Buchwert von 21,20 Euro je Aktie. Sollte der Turnaround gelingen und die vollen Synergien gehoben werden können, notiert die Aktie mit einem deutlich einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis.

22. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt