Symantec: Aktie des Viren-Spezialisten geht nach schwachen Zahlen auf Tauchstation

Hohe Bewertung des US-Sicherheits-Konzerns Symantec nicht durch fundamentale Entwicklung untermauert – was das bedeutet, lesen Sie hier: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Mit der allgemein positiven Stimmung in den zurückliegenden Monaten hat es v. a. die Aktien von Technologie-Unternehmen nach oben gespült.

So erging es auch den Papieren des US-Sicherheits-Konzerns Symantec, deren Wert sich alleine in den vergangenen 12 Monaten fast verdoppelte.

Aber die hohen Kurse machen auch eines deutlich: Die Erwartungen der Anleger sind kräftig gestiegen.

Wenn die Firmen bei Vorlage der Geschäftszahlen nicht punkten können, ist klar, wo die Reise bei den Aktienkursen hingeht.

Das mussten auch die Anleger von Symantec gerade erfahren:

Bei sämtlichen Kennzahlen fiel der Viren-Experte durch. Damit dürfte der Höhenflug der Papiere vorerst gestoppt sein.

Nachhaltiger Turnaround?

Ein Grund für den massiven Aufschwung des letzten Jahres lag in dem Turnaround, der sich zunehmend zu vollziehen schien.

Denn im Jahr zuvor steckte der Konzern noch tief in der Klemme. Die hohen Wachstumsraten mit Antiviren-Programmen für den PC-Markt gehören der Vergangenheit an.

Immer schärfere Angriffe von Hackern, die auch über Mobiltelefone oder die Cloud laufen, erfordern ausgefeilte und komplexere Antiviren-Programme.

Symantec hatte mit seinem Angebot zu spät auf diese neuen Trends des Internet-Zeitalters reagiert. Deshalb musste Chef Michael Brown vor 1 Jahr gehen.

Neuer Schwung durch Zukäufe

Doch schon im Juni vergangenen Jahres hatte Symantec mit dem 4,7 Mrd. Dollar teuren Kauf von Blue Coat eine geeignete Firma und mit Blue-Coat-­Chef Greg Clark einen vielversprechenden Nachfolger gefunden.

Zudem war Symantecs Geldspeicher gut gefüllt: Der Verkauf der Datenspeicher-Sparte Veritas hatte 2015 8 Mrd. Dollar eingebracht.

Die zugekaufte Firma hat sich auf die Abwehr von Hacker-Angriffen auf IT-Netzwerke von Firmen und die Cloud spezialisiert und lieferte damit genau die Produkte, bei denen Symantec Nachholbedarf hatte.

Etwas besser in Form ist inzwischen auch Symantecs schwächelndes Norton-Security-Geschäft mit Privat-Anwendern und kleineren Firmen.

Clark fand mit der Software von LifeLock eine passende Erweiterung, um Symantecs Norton-Security-Programme attraktiver zu machen.

LifeLock, eine Firma, die von Symantec erst im November 2016 für 2,4 Mrd. Dollar aufgekauft wurde, entwickelt Software zum Schutz persönlicher Daten im Web.

Zahlen in line – Ausblick schwach

Allerdings konnte der US-Konzern mit den aktuellen Zahlen noch nicht punkten.

Zwar kletterte der Umsatz um 35% auf 1,18 Mrd. Dollar und der Gewinn je Aktie stieg auf 28 Cent – so weit, so gut.

Aber beim Ausblick sorgte Firmenchef Clark für Ernüchterung:

Im laufenden Quartal sollen bei Erlösen von 1,185 – 1,215 Mrd. Dollar (alte Prognose: 1,27 Mrd. Dollar) nur noch 28 Cent Gewinn je Aktie (alte Prognose: 38 Cent) herausspringen.

Auch auf Jahressicht rudert der Sicherheits-Konzern zurück:

Symantec peilt einen Jahres-Umsatz von 2,1 – 5,2 Mrd. Dollar an – und damit weniger als von den Analysten erwartet (5,26 Mrd. Dollar).

Beim Gewinn-Ausblick liegt Clark mit 1,7 – 1,8 Dollar je Anteilsschein im Rahmen der Erwartungen (1,77 Dollar je Aktie).

Analysten sind skeptisch

Auf Basis der Analysten-Schätzung wird die Firma aktuell mit dem 18-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet – kein Grund für die Experten, die Lage positiv zu sehen.

Von den 29 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten lediglich 11 zum Kauf, der Rest votiert zum Halten und einer zum Verkauf der Aktie.

Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 29,52 Dollar trotz des Kurs-Einbruchs immer noch unter dem aktuellen Kursniveau (31,01 Dollar) und impliziert damit weiteres Abwärts-Potenzial.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.