Syngenta-Übernahme: Demare beweist Verhandlungsgeschick

Was gestern noch spekuliert wurde, hat sich heute bestätigt: Der Schweizer Agrar-Chemiekonzern Syngenta hat sich mit dem chinesischen Staatskonzern ChemChina auf einen 43 Mrd. Dollar schweren Deal verständigt.

Wenn die Übernahme wie vorgesehen bis zum Ende des Jahres klappt, dann ist der Syngenta-Kauf die bisher größte Auslandsübernahme eines chinesischen Konzerns. Doch noch müssen einige Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden.

Demare handelt guten Preis und weitgehende Unabhängigkeit aus

Wer sich ein wenig mit der Übernahme auseinandersetzt und auch die Vorgeschichte betrachtet, der muss ganz klar von einem Happy End sprechen. Der neue Syngenta-Chef Michel Demare hat rausgeholt was rauszuholen war.

Das gilt sowohl für den ordentlichen Preis von 480 Schweizer Franken je Aktie als auch für die anderen Deal-Bedingungen. Syngenta bleibt Syngenta. Wie schon zuletzt bei anderen Übernahmen von ChemChina, wird der Konzern weitgehend selbständig weiterarbeiten. Das Management bleibt erhalten, die Schweizer Standorte bleiben es ebenso.

Vorbehalte gegen chinesische Käufer häufig unbegründet

Die Süddeutsche Zeitung schrieb vor wenigen Wochen, dass chinesische Käufer „gelernt“ haben, worauf bei Übernahmen zu achten ist und inzwischen wissen, dass ein bloßer Wissenstransfer nicht zielführend ist. Die jetzigen Übernahme-Bedingungen bei dem Syngenta-Deal passen dazu.

Während in der Schweiz die Vorbehalte dennoch (zumindest medial) groß sind, empfing das deutsche Traditions-Maschinenbauer Krauss-Maffei den Käufer ChemChina vor wenigen Wochen mit offenen Armen und abseits der Öffentlichkeit.

Kaum jemand interessierte sich für den Deal und das zu Recht. Wie von vielen anderen Unternehmen und deren Mitarbeiter auch, wird der Einstieg als Chance erachtet und nicht als Gefahr. Gerade weil sich gezeigt hat, dass Vorurteile gegen chinesische Käufer häufig unbegründet sind.

Syngenta für Chinas wachsenden Nahrungsmittelbedarf extrem wichtig

Sicher: ChemChina ist nicht der große Gönner, der allen Gutes tut. Es gibt ein offensichtliches strategisches Interesse an Syngenta. Chinas Bevölkerung liegt bei 1,2 Mrd. Menschen.

Selbst ohne Bevölkerungswachstum sorgt der wachsende Wohlstand bei gleichzeitig sinkender Agrarfläche dafür, dass auf kleinerer Fläche die Ernte größer ausfallen muss, um den Bedarf zu decken.

Dementsprechend wichtig ist Syngenta. Gentechnik- und Pflanzenschutz-Knowhow erlauben eine Steigerung der Agrarproduktion.

Letzter Stolperstein sind die US-Behörden

An der Börse sorgte die Deal-Ankündigung heute für eine ungewöhnlich verhaltene Kursreaktion. In einem schwachen Gesamtmarkt liegt die Aktie zwar im Plus, bleibt am Nachmittag mit 410 Franken jedoch mehr als15% unter dem Bar-Angebotspreis.

Die Lücke könnte damit zusammenhängen, dass der Deal noch von verschiedenen Wettbewerbsbehörden und den Aktionären abgesegnet werden muss.

Während die Anteilseigner und die Mehrzahl der Behörden (Europa/Asien) keine Einwände haben dürften, ist die Beurteilung durch die amerikanischen Behörden der einzige Grund, warum an dem Deal noch gezweifelt werden könnte.

3. Februar 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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