Syngenta-Übernahme endlich auf der Zielgeraden

Die größte Auslands-Übernahme eines chinesischen Konzerns steht kurz bevor.

Chemie-Konzern ChemChina hat nun auch von den heimischen Behörden die Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta genehmigt bekommen.

Da bereits in der Vorwoche die EU- und US-Wettbewerbs-Behörden die Übernahme unter Auflagen genehmigten, steht einem Abschluss der 43 Mrd. Dollar schweren Transaktion nichts mehr im Wege.

Übernahme mit Unsicherheiten: Vielzahl von Genehmigungen

Die Übernahme verlief alles andere als lehrbuchmäßig; bereits bei Bekanntgabe der Übernahme im Februar 2016 wurde ein vermutlich langwieriger weltweiter Genehmigungs-Prozess erwartet.

Die Branche wird von wenigen Großkonzernen kontrolliert, sodass Deals innerhalb der Branchen-Spitze genau geprüft werden müssen.

Zudem musste die US-Behörde CFIUS – eine Behörde, die US-Interessen bei Auslands-Übernahmen prüft – zustimmen.

Syngenta und ChemChina zeigten sich zwar optimistisch, bis Dezember 2016 alle Genehmigungen einholen zu können, doch der Optimismus wurde nicht belohnt.

Mit 4-monatiger Verspätung biegt der Deal erst jetzt in die Zielgerade ein.

Übernahme mit Unsicherheiten: Finanzierungs-Frage ungeklärt

Neben den vielen fraglichen Zustimmungen – besonders durch die US-Behörden – wurde der Deal von mehreren anderen Störfeuern begleitet:

Für Irritationen sorgte die Finanzierungs-Frage, die für viele Beobachter noch heute nicht endgültig geklärt ist.

Es heißt zwar, dass die Banken „Schlange stehen“ und ein Überbrückungs-Kredit gesichert ist, doch eine Finanzierungs-Lücke von 15 Mrd. Dollar und Fragen zur Refinanzierung blieben bis zuletzt ungeklärt.

ChemChina habe mehrfach zugesichert dass die Finanzierung steht, heißt es von Syngenta.

Übernahme mit Unsicherheiten: Störfeuer Sinochem

Ebenfalls für Unsicherheit sorgten zwischenzeitlich Gerüchte, dass die Chinesen noch einen Rückzieher machen könnten.

Im Oktober 2016 hieß es, dass ChemChina von der Syngenta-Übernahme Abstand nehmen will, um mit dem chineischen Staatskonzern SinoChem zu fusionieren.

Die Gerüchte erwiesen sich zwar als haltlos, doch einige Investoren gefiel danach die Summe der Unsicherheiten nicht und sie verkauften die Aktie.

Aktienkurs mit Achterbahn-Fahrt: Happy End für geduldige Investoren

Syngenta-Aktionäre haben während ihrer Investitionszeit je nach Lage der Gerüchte und Genehmigungs-Spekulationen viele Höhen und Tiefen mitgemacht.

Jetzt stehen sie allerdings vor einem glücklichen Ende: Nach Bekanntwerden des OKs der chinesischen Behörden stieg die Aktie auf ein neues Allzeithoch bei 465,30 Franken.

Bis zum Übernahme-Preis von 480 Franken klafft nur noch eine kleine Lücke von 3,2%. Diese Lücke spiegelt die Wartezeit und das verbliebene Restrisiko wider, dass der Deal doch noch scheitert.

Die Unternehmen selbst haben den Abschluss der Transaktion für Ende dieses Quartal angekündigt.

Nachdem jetzt auch der letzte große Stolperstein aus dem Weg gerollt ist, stehen die Chancen sehr gut, dass der verspätete Abschluss-Termin eingehalten wird.

12. April 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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