System-Gastronomie: Inspire kauft Dunkin’ für 11,3 Mrd. Dollar

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In den USA wurde ein neuer Mega-Deal verkündet: Die Schnellrestaurant-Holding Inspire hat sich mit ihrem Mitbewerber Dunkin’ auf eine Übernahme für 11,3 Mrd. Dollar geeinigt. (Foto: 2p2play / Shutterstock.com)

Wie ich Ihnen bereits berichtet habe, ist auf dem weltweiten Übernahmemarkt aktuell eine Menge los. So wurde am späten Freitagabend im Bereich der System-Gastronomie einer der größten Übernahmedeals aller Zeiten bekannt gegeben.

Die Schnellrestaurant-Holding Inspire Brands Inc. aus Atlanta/Georgia und die Dunkin’ Brands Group Inc. mit Sitz in Canton/Massachusetts gaben in einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt, dass sie eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet haben.

Inspire will Dunkin-Brands im Rahmen eines reinen Bargeschäfts übernehmen. Das Unternehmen hat sich bereit erklärt, für jede DunkinAktie 106,50 US-Dollar (USD) in bar zu bezahlen.

Unter dem Strich muss Inspire etwa 11,3 Mrd. USD für die Übernahme von Dunkin’ Brands auf den Tisch blättern. Darin enthalten sind auch die nicht unerheblichen Schulden von Dunkin’ Brands in Höhe von ca. 2,54 Mrd. USD.

Angebot mit solider Übernahmeprämie

Wenn man berücksichtigt, dass die Gastronomie-Branche weltweit hart von der Corona-Pandemie getroffen wurde, ist das von Inspire gemachte Angebot recht gut dotiert: So beinhaltet die Offerte einen Aufschlag von etwa 30% auf den volumengewichteten 30-Tage-Durchschnittspreis der Dunkin’ Brands-Aktie.

Bezogen auf den Schlusskurs der Dunkin’ Brands-Papiere vom 23. Oktober 2020, der Tag an dem erste Übernahmegerüchte publik wurden, beläuft sich die Prämie noch auf etwa 20% je Aktie.

Kurssprung bei Dunkin’ Brands

Der Kurs der Dunkin’-Papiere sprang am ersten Börsentag nach Bekanntwerden der Übernahmegerüchte (26.Oktober) von 88,70 USD auf 102,79 USD, was ein Anstieg von satten +15,9% bedeutete. Nachdem die Übernahme am 30. Oktober auch von den Firmen bestätigt wurde, stiegen die Aktien im heutigen vorbörslichen Handel auf 105,93 USD.

Damit liegt der aktuelle Kurs der Dunkin’-Aktie nahe dem von Inspire gemachten Angebot. Es spricht also vieles dafür, dass der Markt von einem reibungslosen Ablauf des Übernahmegeschäfts ausgeht.

Die beteiligten Schnell-Restaurantketten im Kurzporträt

Auch wenn beide US-Schnellrestaurant-Holdings in Deutschland relativ unbekannt sind, entsteht durch die Übernahme eines der weltweit größten Restaurant-Unternehmen. So betreiben Inspire und Dunkin’ laut eigenen Angaben zusammen mehr als 31.600 Schnell-Restaurants in über 60 Ländern.

Inspire Brands wurde 2018 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Atlanta, Georgia. Die Holding befindet sich mehrheitlich im privaten Besitz der ebenfalls in Atlanta ansässigen Investmentgesellschaft Roark Capital Group.

Inspire Brands selbst zählt zu den Top-5-Restaurantbetreibern der USA. Unter dem Dach der Holding befinden sich die Restaurantketten Arby’s, Buffalo Wild Wings, SONIC Drive-In, Rusty Taco und Jimmy John’s.

Die Inspire-Gruppe betreibt mehr als 11.000 Restaurants in 14 Ländern der Welt, davon etwa 1.400 als Franchisegeber. Die mehr als 325.000 Mitarbeiter des Unternehmens sowie der Franchisenehmer erzielten 2019 einen systemweiten Jahresumsatz von 15 Mrd. USD.

Zu Dunkin-Brands Inc. gehören sowohl die Restaurantkette Dunkin’, auch bekannt unter dem Namen Dunkin’ Donuts, als auch die weltweit führende Eis-Café-Kette Baskin-Robbins.

Dunkin’ Brands ist Franchisegeber von 12.500 Dunkin’ und fast 8.000 Baskin-Robbins Restaurants. Mit seinen beiden Ketten ist Dunkin-Brands weltweit in mehr als 60 Ländern vertreten. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Dunkin’-Gruppe einen Jahresumsatz von 1,37 Mrd. USD.

Corona-Pandemie beeinflusst Übernahmen

Inwiefern der Übernahmedeal durch die weltweit grassierende Corona-Pandemie beeinflusst wurde, kann nicht genau beziffert werden. Aber laut einer Umfrage des US-Restaurant-Verbandes National Restaurant Association sind 40% der amerikanischen Restaurantbetreiber nicht sicher, ob sie die nächsten 6 Monate überleben werden.

Der Verband geht davon aus, dass in den USA längerfristig jedes sechste Restaurant seine Türen schließen wird. Das wären unter dem Strich annähernd 100.000 Lokale zwischen New York und San Franzisco.

Laut New York Times (NYT) ist die Übernahme von Dunkin’ Brands sogar eine Wette darauf, ob das Unternehmen überleben wird oder nicht. Allerdings räumt die NYT ein, dass sich Fast-Food-Restaurants in der Corona-Pandemie deutlich besser gehalten haben als die klassische Gastronomie.

Dies liegt insbesondere an den in Schnellrestaurants verbreiteten Take-away- und Drive-In-Angeboten. So verfügen etwa 70% der Dunkin’-Schnellrestaurants über Drive-In-Schalter und digitale Bestellmöglichkeiten.

Wie es weitergehen kann

Der Abschluss der Übernahme bzw. das Closing unterliegt bestimmten Bedingungen, die in der Übernahmevereinbarung festgelegt wurden. Eine dieser Klauseln besagt, dass mindestens die Hälfte der ausstehenden Dunkin’-Aktien von den Aktionären angedient werden müssen.

Nach dem erfolgreichen Closing wird Inspire die restlichen Aktien durch eine Fusion zum gleichen Preis erwerben und anschließend Dunkin’ Brands von der Börse nehmen. Auch die zuständigen Aufsichtsbehörden müssen dem vereinbarten Deal noch zustimmen. Beide Unternehmen gehen davon aus, dass die Transaktion noch bis Ende 2020 abgeschlossen werden kann.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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