T-Aktie: Kläger können hoffen

Am Mittwoch habe ich Ihnen an dieser Stelle über das 20-jährige Jubiläum der T-Aktie geschrieben.

Dabei ging es inhaltlich zum einen um die Entwicklung der T-Aktie.

Zum anderen ging es darum, dass die herben Kursverluste kurz nach der Jahrtausendwende zahlreiche deutsche Kleinanleger schmerzlich trafen und viele von ihnen deshalb noch heute die Finger von Aktien lassen.

Heute möchte ich mich einem anderen Aspekt der T-Aktie widmen; nämlich der Klage von 17.000 Privat-Anlegern gegen die Deutsche Telekom.

In diesem Zusammenhang erging vorgestern ein Urteil, das die Kläger hoffen lässt:

Aktuelles Urteil zur T-Aktie

Viele Anleger zogen gegen die Telekom vor Gericht, weil sie mit der T-Aktie teils horrende Verluste erlitten hatten und sich von der Telekom betrogen fühlten.

Der Vorwurf: Die Telekom habe im letzten Börsen-Prospekt die wirtschaftliche Lage geschönt.

Seitdem ist über 1 Jahrzehnt vergangenen. Nun aber dürfen die 17.000 Privat-Anleger auf Schadenersatz hoffen:

„Die Telekom muss für einen grundlegenden Fehler in dem Börsen-Prospekt aus dem Jahr 2000 grundsätzlich haften“, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt in einem vorgestern verkündeten Urteil.

Dieses Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Denn die Telekom kann noch Revision am Bundesgerichtshof (BGH) einlegen. Der Telekom-Konzern prüft nun, ob er das tun wird.

Allerdings würde das aktuelle Urteil selbst dann, wenn es denn rechtskräftig werden würde, noch nicht bedeuten, dass alle 17.000 Kläger automatisch Schadenersatz zugesprochen bekämen.

Denn in diesem Fall müsste das Landgericht noch jeden der 17.000 Einzelfälle daraufhin individuell prüfen, ob und inwieweit der Prospekt-Fehler die Kaufentscheidung der Anleger entscheidend beeinflusst hat.

Mit anderen Worten:

Wenn das Urteil des OLG Frankfurt rechtskräftig wird, bekommen die Anleger nur unter dieser Bedingung Schadenersatz:

wenn das Landgericht im nächsten Schritt feststellt, dass der Prospekt-Fehler bei der Kaufentscheidung der Telekom-Aktien durch die Kläger eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Anwälte fordern 200 Mio. € von der Telekom

Rechtsanwalt Andreas Tilp, dessen Kanzlei den Musterkläger im Prozess gegen die Telekom vertritt, macht für die 17.000 Kläger inklusive der gesetzlichen Verzugszinsen 200 Mio. € Schadenersatz geltend.

Dabei geht es aber nur um Verluste, die den Anlegern durch den Kauf von T-Aktien aus dem 3. Telekom-Börsengang im Juni 2000 entstanden sind.

Der 1. Börsengang der Telekom im Jahr 1996 und die 2. Aktien-Platzierung aus dem Jahr 1999 waren nicht Gegenstand des Prozesses.

Das bedeutet:

Es haben gemäß des noch nicht rechtskräftigen Urteils des OLG Frankfurt überhaupt nur diejenigen Anleger einen theoretischen Schadenersatza-Anspruch, die sich am 3. Börsengang der Telekom im Jahr 2000 beteiligt haben.

Ich gehe davon aus, dass es noch Jahre dauern wird, bis in dieser Sache Schadenersatz geleistet wird – wenn denn in letzter Instanz ein solches Urteil verkündet wird.

Die Deutsche Telekom wird in diesem Fall auf Zeit spielen und hoffen, dass möglichst viele Anleger, die einst geschädigt wurden, den Fall aus den Augen verlieren.

Hier werde ich die Klage gegen die Telekom weiterhin für Sie beobachten und über neue Entwicklungen berichten.

2. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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