T-Mobile und Dish: Milliardendeal bahnt sich an

Die Suche von T-Mobile nach einer Partnerschaft ist längst kein Geheimnis mehr. Bereits im vergangenen Jahr scheiterten zwei Fusionsversuche. Jetzt allerdings keimt wieder Fusionsphantasie auf.

Denn die 66%-Tochter der Deutschen Telekom steckt Insidern zufolge mitten in Gesprächen mit dem US-Pay-TV-Anbieter Dish. Konkrete Zahlen zu dem Deal gibt es noch nicht. Allerdings wäre die Transaktion eine Riesen-Nummer. Zusammen kommen die beiden Schwergewichte auf über 65 Mrd. Dollar Börsenwert.

T-Mobile zurück in der Erfolgsspur

T-Mobile US hatte lange mit einem löchrigen Funknetz zu kämpfen. Doch Konzernchef John Legere hat den Konzern wieder auf Wachstum getrimmt. Mit 55 Mio. Kunden ist das Unternehmen der viergrößte Mobilfunker in Amerika und liegt nur noch knapp hinter dem Konkurrenten Sprint.

Legers Strategie ging voll auf. Er führte neue Tarife ein und baute das Netz aus. Zum Jahresstart meldete die Telekom-Tochter 1,1 Mio. neue Vertragskunden.

Für Sie zum Vergleich: Die größeren Wettbewerber Verizon, Sprint und AT & T haben zusammen etwa 600.000 Kunden verloren. Allerdings musste T-Mobile für die Umsätze kräftig in Vorleistung gehen. Die Investitionen und Marketingkosten sprangen deutlich an und drückten vorerst auf die Gewinnmarge.

Fusion strategisch absolut sinnvoll

Dish hat das, was T-Mobile dringend benötigt. Nämlich zahlreiche Funkfrequenzen, die für Handynetze unverzichtbar sind. Mit der Fusion könnte Legere günstig an die Lizenzen kommen und stünde deutlich weniger unter Druck. Denn alternativ bliebe für T-Mobile nur der Kauf neuer Frequenzen auf der Auktion im nächsten Jahr. Dies dürfte den Konzern aber deutlich teurer zu stehen kommen.

Bislang war unklar, was Dish mit seinen nicht benötigten Frequenzen für Ziele verfolgt. Mit den Fusionsgesprächen wird klar, warum auch für Dish die Fusion lukrativ sein könnte.

Dish steht unter Zugzwang

Der Bezahlfernseh-Anbieter hat immer stärker unter rückläufigen Nutzerzahlen zu leiden. Daher setzt die Konzernspitze zunehmend auf TV-Streaming. Mit T- Mobile könnten die Programme von Dish auch bald auf Smartphones zu sehen sein.

Dish steht ebenfalls unter Druck, weil sich der größere Rivale DirecTV in einem knapp 50 Milliarden Dollar schweren Deal mit dem amerikanischen Mobilfunk-Primus AT&T verbündet hat. Beide Firmen setzen auf ein Zusammenwachsen von Fernsehen und Mobilfunk. Denn immer mehr Menschen schauen von unterwegs ihre Lieblingssendungen.

Auch der US-Meidenkonzern Charter Communication hat kürzlich für 55 Mrd. Dollar ein Angebot für den Rivalen Time Warner Cable abgegeben.

Kein Gegenwind von Kartellbehörden zu befürchten

Die letzten Fusionsgespräche mit Sprint und T-Mobile scheiterten frühzeitig am Widerstand der Wettbewerbshüter. Mit Dish sind hingegen keine Hindernisse zu erwarten, da der Konzern aus einem komplett anderen Geschäftsfeld kommt.

Ob die Fusion an den unterschiedlichen Charakteren der Vorstände scheitert, ist allerdings unklar. Denn die beiden Managerpersönlichkeiten könnten unterschiedlicher nicht sein. Legere (T-Mobile) ist als bunter Hund und Rebell in der ganzen Branche bekannt. Vorstandschef Ergen von Dish ist äußerst zurückhaltend und schweigsam – Aktionäre kriegen ihn kaum zu Gesicht.

Aber Legere weiß um seine Position. Denn der Erfolg der Vergangenheit steht auf tönernen Füßen. Ohne die Lizenzen ist seine Wachstumsstrategie kaum durchführbar. Die Anleger feiern vorab schon mal beide Konzerne. Die Aktien von Dish und T-Mobile reagierten auf die Gerüchte mit starken Zuwächsen.

5. Juni 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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