Tabakkonzerne unter Druck

Immer weniger junge Menschen fangen das Rauchen an und immer mehr steigen auf E-Zigaretten, Tabakerhitzern oder Schnupf- und Kautabak um. (Foto: ducu59us / Shutterstock.com)

Der Tabakindustrie macht nach wie vor der weltweit schrumpfende Zigarettenabsatz zu schaffen.

Zum einen fehlt der „Nachwuchs“, denn immer mehr junge Menschen fangen mit dem Rauchen gar nicht erst an. Zum anderen nimmt die Zahl der Umsteiger zu. Die Nachfrage nach vermeintlich gesünderen Alternativen wie E-Zigaretten, Tabakerhitzern oder Schnupf- und Kautabak wächst immens. Noch aber können sie die Absatzeinbußen im traditionellen Geschäft nicht vollständig kompensieren. Wachstum ist daher nur durch Übernahmen und Preiserhöhungen möglich.

Trotz insgesamt solider Ergebnisse sind die Aktienkurse von Altria, BAT und Philip Morris seit Jahresbeginn kräftig unter Druck geraten. Denn: 1. drohen neue staatliche Eingriffe wie die Pflicht zur Reduktion des Nikotingehalts in Zigaretten, 2. wächst die Furcht vor einer deutlichen Wachstumsabschwächung im Geschäft mit alternativen Produkten und 3. haben die Big Player mit Juul einen starken Konkurrenten bekommen, der in den USA bereits einen Marktanteil von 68% bei E-Zigaretten hat.

Fertiggerichte sind im Trend

Verbraucher greifen immer mehr zu Fertiggerichten. Im vergangenen Jahr wurden allein in Deutschland Fertiggerichte im Wert von 3,8 Mrd. € produziert, 5,8% mehr als im Jahr zuvor. Und der Trend hält an, denn die Menschen sind viel unterwegs und haben wenig Zeit zum Kochen. Selbst gekocht wird allenfalls am Wochenende. Zudem nimmt die Zahl der Ein- und Zweipersonen- Haushalte kontinuierlich zu. Vor allem ältere und alleinlebende Menschen wollen oder können nicht mehr kochen.

Altria Group und Lindt & Sprüngli auf dem WachstumspfadSo unterschiedlich diese beiden Unternehmen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Wachstumspotenzial. Ganz zur Freude ihrer Aktionäre. › mehr lesen

Und den Jüngeren fehlen oftmals die Kenntnisse. Eine ähnliche Entwicklung ist in den USA zu beobachten. Dort soll der Markt für Fertiggerichte Branchenexperten zufolge bis 2025 jährlich um 2 bis 3% wachsen. Die Produkte müssen aber gesund sein, und auch der Geschmack muss stimmen. Insofern müssen die Nahrungsmittel- Hersteller auf Farbstoffe, künstliche Geschmacksverstärker und Aromen in ihren Fertiggerichten verzichten.

Besonders stark ist die Nachfrage nach Convenience, also Produkten zum sofortigen Verzehr, und qualitativ hochwertiger Tiefkühlkost. Tüten- und Dosensuppen lassen die Verbraucher in den Regalen stehen. Konzerne wie Kraft Heinz, Nestlé oder Campbell müssten von diesem Trend eigentlich profitieren. Allerdings haben sie immer noch zu viel eher ungesunde Produkte im Angebot. Hinzu kommt die Konkurrenz der Discounter, deren Angebot an Eigenmarken ebenfalls das Bio- und Luxus-Segment umfasst. Die Produkte sind nicht nur halb so teuer.

Die Stiftung Warentest hat auch festgestellt, dass die Qualität der Eigenmarken mindestens genauso gut, zum Teil sogar besser ist, als die der Markenprodukte.

Hormel Foods neu in der Aktien-Analyse

Zu meinen Favoriten gehören trotz hoher Bewertung Lindt & Sprüngli und Swedish Match. Bei Nestlé wird sich der Aufwärtstrend fortsetzen, wenn der Konzernumbau schnell gelingt. Tabakkonzerne sind vor allem wegen der hohen Dividendenrenditen interessant. Neu in der Aktien-Analyse ist der US-Nahrungsmittel-Hersteller Hormel Foods. Der Konzern überzeugt vor allem mit seiner Dividende, die seit 90 Jahren gezahlt wird und in den vergangenen 52 Jahren kontinuierlich erhöht wurde.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.