Tag der Abrechnung: Monatskerzen im DAX seit 2007

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So dramatisch ist die Krise doch gar nicht! 2008 war der Crash noch viel größer, wenn auch länger hinausgezogen. Bekommen wir jetzt eine ewige Seitwärtsphase? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Monatsultimo. Zeit das Portfolio neu zu gestalten und die Kurse noch einmal in die richtige Richtung zu schieben. Offenbar ist das bereits größtenteils passiert, denn der heutige Tag war eher seitwärts ausgerichtet.

Schauen wir uns einmal an, wie die letzten Monatskerzen im DAX aussahen. Das große Bild – im Big Picture – sieht unser aktueller Crash schon ganz ordentlich aus. Und dabei haben wir „nur“ 40 Prozent verloren. 2008 waren es 55 Prozent!

DAX Monatschart 2020 Corona Crash

Eingezeichnet habe ich Ihnen die jeweiligen Preisbereiche, wie viel der DAX bei den letzten großen Korrekturen und Crashs gefallen ist. Es wurde wohl einfach wieder einmal Zeit für einen dicken Knall, die letzten Rücksetzer waren zu harmlos.

2011 ging es recht schnell 34 Prozent nach unten. Es gab eine große rote Kerze und im Folgemonat war schon das Tief gefunden. So einfach verlief es 2008 leider nicht. Da zuckelte der Markt ewig nach unten, Zwischenerholungen inklusive und brauchte letztlich über ein Jahr, um den Boden zu finden.

2015 zeichnet sich vor allem durch eine gewaltige Bullenfalle aus. Die Kurse fielen innerhalb weniger Monate unter 10.000 Punkte und schossen zwischendurch bis auf rund 11.500 Punkte wieder hoch. Nur um im Anschluss bei unter 9.000 Punkten die Bodenbildung abzuschließen.

Auch die große Korrektur 2018 hatte Monate dazwischen, in denen es gut nach oben ging. Doch letztlich folgte ein wesentlich stärkerer Abverkauf innerhalb von fünf Monaten. Wir zeichneten danach ein V im DAX – so schnell ging es wieder nach oben.

Vielleicht machen wir ja jetzt ein „L“ oder ein kleines „h“ im DAX. Die Kurse halten sich aktuell recht stabil, wollen aber auch nicht wirklich steigen. Wir könnten jetzt tatsächlich eine Weile zur Seite laufen. Im DAX grob zwischen 8.000 und 11.000 Punkten. Bei der Variante mit dem „h“ würden die Kurse dann aber noch einmal absacken. Im Idealfall nur bis zum aktuellen Tief um 8.150 Punkte oder außerbörslich etwas unter 8.000.

Ich habe heute eine Vorhersage gesehen, da sprach der Analyst von einem 80 Prozent Abschlag. Sollten wir am Ende tatsächlich so viel im DAX verlieren, lägen wir unter 3.000 Punkten. Das kann wohl kaum jedes Unternehmen im DAX überleben. Daimler, Deutsche Bank und Lufthansa wären dann wohl am Ende. Die Firmen können Sie dann für ein paar Gramm Gold kaufen…

Gold als Allheilmittel

Die Geschichten kennen Sie vermutlich auch. Gold ist für die Krise perfekt. Werterhalt. Einzig wahre Währung. Pipapo. Glauben Sie wirklich, dass wir noch dieses Jahr durch Deutschland fahren können und Häuser sowie Grundstücke gegen ein paar Goldmünzen eintauschen können? Die eingefleischten Goldfans sind davon überzeugt.

Klar, wenn es eine Deflation gibt, niemand mehr Geld für Wasser und Brot hat, wird es einen gewaltigen Ruck geben. Das ist keine Vorhersage, sondern nur ein Gedankenspiel! Aber kommen wir hier wirklich an den Punkt, wo wir einige Münzen gegen Grund und Boden oder sogar Unternehmen tauschen? Ich kann mir das derzeit nur schwer vorstellen. Ist jetzt auch nicht wirklich mein Problem, weil es derzeit schier keine Goldmünzen zu kaufen gibt und ich nicht darin schwimme.

Es wird allerdings interessant, wohin uns dieser Crash dank Corona führt. Ja, schon klar, Corona ist nicht alleine daran schuld. Das marode und aufgeblasene System nutzt jetzt nur Corona als Katalysator, um ordentlich Luft abzulassen und Werte neu zu verteilen. Doch was ist, wenn die Chance genutzt wird und es gibt eine Währungsreform oder der Euro wird neu strukturiert oder aufgelöst? Wohin stecken Sie in der Zwischenzeit Ihr Vermögen, damit es nicht massiv an Wert verliert? Über 100.000 Euro dürfen Sie nicht auf der Bank haben. Nur bis dahin gibt es die Einlagensicherung. Doch was bringt Ihnen die Sicherung, wenn der Euro am Ende kaum noch etwas wert ist?

Mit diesen Überlegungen können wir den Monat abschließen. Der April wird uns den neuen Weg schon offenbaren. Ich habe derzeit auch noch keine handfeste Idee, wie wir elegant aus der Nummer herauskommen. Die einen sagen totaler Crash und Neustart des Systems. Die anderen sagen: Solange wir irgendwann einfach wieder weitermachen mit Arbeit, Produktion und Konsum ist alles schnell wieder beim Alten. Irgendwo dazwischen wird wohl die Wahrheit liegen. Ich bin gespannt, was wir alles Ende April schon wissen und gesehen haben.

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Dax30 – Guter Wochenstart!Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters John Gossens Daily Dax. Täglich analysiere ich zwei Mal für Sie die internationalen Aktienmärkte und morgens starten wir immer mit dem Blick… › mehr lesen


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.