Tagesgeldkonto: 4,6% als Zinsfalle mit Bedingungen

Einen Rekordzinssatz stellt nunmehr die Volksbank Lübeck in Aussicht. Diese bietet 4,6 Prozent auf ihr Tagesgeldkonto. Wir haben diese Anzeige auf einer Zinsseite gefunden und waren höchst verblüfft.

Derzeit erhalten Sie bei seriösen Angeboten zwischen 2% und 2,5% – in aller Regel auch nur für Neukunden und begrenzt auf maximal 50.000 Euro. Der Anzeige der Volksbank Lübeck und dem dazu gehörigen Angebot sind wir sofort hinterhergegangen.

Die Überraschung war groß – und ist eine Warnung für Sie wert: es handelt sich bei dem angeblichen Tagesgeldkonto um ein Fremdwährungskonto. Eine Zinsfalle, die größer kaum sein könnte.

Denn das Konto lautet auf türkische „Lira“. Vor einem solchen Zinsinvestment, vor einer solchen Bedingung, sollten Sie Ihr Vermögen lieber schützen. Eine Investition ist ein, für uns, vollkommen falscher Weg.

Tagesgeld und Tagesgeldkonten – Begriffswirrwarr in der Bankenwelt

Wer der Anzeige und dem Angebot blindlings folgt, wird die Bank – immerhin eine biedere Volksbank – nicht in Haftung nehmen können. Begriffe wie Tagesgeld oder Tagesgeldkonten sind frei wählbar.

Daher können Sie die Konten mit „normalen“ Tagesgeldkonten nicht vergleichen, sind aber gegen den scheinbaren Vergleich nicht geschützt.

Ein Fremdwährungskonto lebt nicht von den hohen Zinsen, sondern von der Währungswette, die Sie automatisch eingehen. Sie zahlen in türkischer Lira ein – in diesem Fall – und erhalten auch türkische Lira zurück, wenn Sie das Geld wieder abheben.

Nur: irgendwann werden Sie das Guthaben wieder in den Euro eintauschen müssen. Spätestens dann zeigt sich, wie gut oder schlecht das Angebot gewesen ist.

Aktuell sieht die Entwicklung für die türkische Volkswirtschaft und vor allem deren Währung im Vergleich zur Zukunft der Eurozone nicht schlecht aus. Nur: die Wette bleibt und wird hier nicht ausreichend prämiert.

Währungswette: Risikofalle muss belohnt werden

Währungswetten sind in aller Regel eine Risikofalle. Es sieht auf den ersten Blick so aus, als ließe sich alles aus volkswirtschaftlichen Daten ableiten.

So könnten Sie als gut kalkulierender Investor Ihr Risiko einfach einschätzen und Profite sichern. Allerdings:

Am Devisenmarkt werden täglich Rekordsummen in Billionen-Höhe bewegt. Darunter sind die unterschiedlichsten Interessen: Händler, die ihre Geschäfte nur in Landeswährungen abwickeln, Investoren, die auf Termingeschäfte zur Absicherung setzen und Spekulanten. Daher können Sie das Risiko von Währungen kaum seriös einschätzen und kalkulieren.

Wer sich auf dem Markt bewegt, braucht dafür zumindest eine vernünftige Renditeprämie, damit sich die Übernahme der gewaltigen Risiken überhaupt lohnen kann.

So, wie dieses „Tagesgeldkonto“ konstruiert ist, halten wir es für eine Zinsfalle. Die 4,6% Zinsen unter der Bedingung, in türkischen Lira anlegen zu müssen, sind kein Risikoausgleich, sondern ein minimales Trostpflästerchen. Wechseln Sie Ihre Bank nicht.

2. Juni 2011

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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