Takeaway und Just Eat: Hedgefonds grätscht bei Übernahme dazwischen

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Milliardendeal zwischen Takeaway.com und Just Eat gerät in Gefahr. Hedgefondsstar Ricky Sandler macht Stimmung gegen die Übernahme. (Foto: Ascannio / shutterstock.com)

Kommt der Deal oder kommt er nicht? Bereits im Juli wurden die Eckpunkte für die milliardenschwere Fusion in der beiden Rivalen Takeaway und Just Eat bekanntgegeben. Die niederländische Lieferando-Mutter Takeaway.com kündigte an, den britischen Lieferdienst-Rivalen Just Eat plc. übernehmen zu wollen. Durch die Fusion soll der weltgrößte Lieferdienst mit einer Marktkapitalisierung von knapp 10 Milliarden Euro entstehen. Doch nun stößt die geplante Fusion auf Widerstand bei den Investoren.

Zusammenschluss schafft neuen Marktführer

Im August hatten sich die beiden Lieferdienste auf die Bedingungen einer Fusion geeinigt. Entstehen soll ein globales Unternehmen, dass mit Uber Eats konkurrieren kann. Die fusionierte Gruppe, die Just Eat Takeaway.com heißen soll, wäre Marktführer in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Kanada. Der Vereinbarung zufolge sollen Just-Eat-Aktionäre 0,09744 neue Takeaway-Aktien für jede ihrer Anteilsscheine erhalten. Das bewertet Just Eat mit 4,7 Milliarden Pfund (5,15 Milliarden Euro).

Größe ist entscheidend

In dem schnell wachsenden 100-Milliarden-US-Dollar-Markt der Essens-Lieferung ist die Skalierung von entscheidender Bedeutung. Denn die Konkurrenz ist hoch. Der Rivale Deliveroo hat zudem Amazon als Investor im Hintergrund. Dank der Zusammenlegung wollen die beiden Unternehmen innerhalb der nächsten vier Jahre 20 Millionen Euro einsparen.

Bereits die Hälfte dieser Einsparungen erwartet Just Eat Takeaway.com im ersten Jahr. Der Deal soll bis Ende 2019 abgeschlossen werden. Danach werden die Aktien von Just Eat Takeaway.com in London notiert, während die aktuelle Notierung von Takeaway in Amsterdam nach einem Jahr erlöscht.

Geringer Aufschlag von 15%

Strategisch mag der Zusammenschluss durchaus Sinn machen, aber der Preis macht einigen Anlegern Sorgen. Im Rahmen der Übernahme bietet Takeaway.com „nur“ einen Aufschlag von 15% auf den Aktienkurs vor der Übernahmemeldung. Damit der Deal über die Bühne geht, müssen 75% der Just Eat-Aktionäre zustimmen.

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Großaktionäre formieren sich

Ob es allerdings wirklich zu einer Fusion kommt, ist noch ungewiss. Mit Eminence Capital macht nun einer der 10 größten Aktionäre des Konzerns Stimmung gegen den Deal. Bereits vorher hat auch der Großaktionär Aberdeen Investment die Bewertung bereits in Frage gestellt.

Wer hinter Eminence Capital steckt

Hinter dem Hedgefonds Eminence Capital steckt der Gründer Ricky Sandler. Der Firmenchef Ricky Sandler hatte sich bereits vor der Gründung von Eminence Capital in den 90er Jahren zusammen mit Wayne Cooperman selbstständig gemacht. Bei diesem Namen dürfte es eventuell bei Ihnen klingeln. Denn Wayne Cooperman ist der Sohn von Leon Cooperman, dem ehemaligen Leiter der Vermögensverwaltungssparte der US-Investmentbank Goldman Sachs und heute einer der einflussreichsten Großinvestoren der USA.

Ricky Sandler investiert sowohl in deutlich unterbewertete Value-Aktien als auch in Aktien von sehr wachstumsstarken Unternehmen. Egal in welche der beiden Kategorien er investiert, ein Blick in mit sein Aktiendepot zeigt, dass es ihm bei den investierten Unternehmen auf eine hohe Kundenbindung ankommt.

Ricky Sandler votiert gegen den Deal

An Just Eat hält er der Investor mit seinem Fonds 4,4% aller Stimmrechte und beginnt nun auch öffentlich den Deal zu kritisieren. Zwar hätte der Zusammenschluss eine solide strategische Begründung, die finanziellen Bedingungen der Transaktion seien aber für die Aktionäre des in London Unternehmens Just Eat “äußerst unzureichend”. Er bezeichnete die Prämie von 15% als sehr opportunistisch und nur vorteilhaft für die Takeaway-Aktionäre. Entsprechend kündigte er bereits an, gegen den Deal zu stimmen.

Jetzt wird es spannend zu sehen, ob Takeaway.com beim Preis noch einmal nachbessert. Die Anleger scheinen die Chancen hierfür recht hoch anzusetzen. Inzwischen liegt der Firmenwert von Just Eat gut 10% über dem Preis der ursprünglichen Offerte.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.