Takeda-Aktie: Countdown im Übernahmekrimi geht dem Ende zu

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Takeda-Aktie: Countdown im Übernahmekrimi (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Spannung auf der außergewöhnlichen Aktionärsversammlung von Japans Pharmariese Takeda war förmlich zu spüren. Denn die Anleger mussten über die 62 Milliarden Dollar teure Übernahme des irischen Rivalen Shire abstimmen. Eigentlich schien der Deal schon so gut wie durch. Vor gut zwei Wochen hatte die europäische Wettbewerbsbehörde die Transaktion unter Bedingungen (Teilverkauf von Vermögenswerten) zugestimmt.

Doch Teile der Gründerfamilie von Takeda drohten die Megafusion kurz vor dem Schluss noch platzen zu lassen. Sie drohten damit, bis zu einem Viertel der Stimmen hinter sich zu bringen den Deal zu blockieren (Anm: Ein Drittel der Stimmen wäre notwendig, um den Deal platzen zu lassen). Damit stand vollkommen unerwartet die mit Abstand größte Übernahme der japanischen Wirtschaftsgeschichte auf der Kippe.

Ehemaliger Takeda-Chef sorgt für Unruhe

Hinter den Unruhen stand vor allem ein Mann – Kazuhisa Takeda. Das Mitglied der Unternehmerdynastie Takeda war jahrelang Direktor des Konzerns. Obwohl im Ruhestand entwickelte sich der Anleger zum Widerstandskämpfer. Dabei verwies er vor allem auf das hohe finanzielle Risiko des Deals. Sie müssen wissen: Die Kaufsumme für die irische Shire übersteigt sogar Takedas Börsenwert. Zur Finanzierung des Megadeals muss Takeda seine Verbindlichkeiten auf 48 Milliarden Dollar ausweiten. Ein kritisches Niveau, so der ehemalige Direktor.

Immerhin verdoppelt sich dadurch die Verschuldungsrate. Nach der Transaktion liegt die Verschuldung bei dem sechsfachen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Damit könnte sogar die Kreditwürdigkeit das Kreditrating des Pharmagiganten auf dem Spiel stehen.

Beeindruckende Mehrheit gibt ihren Segen

Doch es kam mal wieder anders als gedacht. Denn mit großer Mehrheit wurde auf der Aktionärsversammlung grünes Licht für die Übernahme gegeben. Takeda-Chef Christophe Weber feiert die Abstimmung als Sieg. Immerhin stimmten 88% der Aktionäre für die Transaktion.

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Jetzt steht nur noch Irland aus

Damit bleibt der Deal auf der Zielgeraden. Nur noch eine Hürde muss genommen werden. Die Anleger des Objekts der Begierde, Shire, müssen der Übernahme noch zustimmen. Auf Grund der hohen Übernahmeprämie von 30% wäre eine Ablehnung aber eine faustdicke Überraschung. Wenn alles glatt geht, dann könnte die Transaktion am 08. Januar final besiegelt werden.

Firmenchef setzt auf milliardenschwere Synergien

Während die Gruppe um die Unternehmerdynastie vor den Folgen des Deals warnt, gibt es auch zahlreiche Analysten, die den Zusammenschloss loben. Der US-Umsatzanteil würde sich auf 50% nahezu verdoppeln.

Zudem katapultiert der Deal die Firma unter die Top 10 Pharmafirmen weltweit. Takeda erzielt eine globale Reichweite, um in der forschungsintensiven Pharmaindustrie in der Weltspitze mitzuspielen. Zusätzlich soll es milliardenschwere Einsparungen geben. Firmenboss Weber beziffert das Synergiepotenzial auf über eine Milliarde Euro pro Jahr.

Es bleibt also spannend. Fest steht, dass der Deal wohl nicht der letzte in der Pharmabranche gewesen sein dürfte.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.