Talanx: Aktie trotz Rekordgewinn und Dividendenerhöhung im Minus

Der im MDax gelistete Versicherungskonzern Talanx, zu dem Marken wie etwa HDI und HDI-Gerling zählen, gab heute die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014 bekannt.

Der Konzern verdiente trotz Problemen in Deutschland unter dem Strich 769 Mio. Euro. Das sind 5% mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor.

Daneben winkt den Talanx-Aktionären eine Erhöhung der Dividendenausschüttung. Warum die Aktie trotzdem deutlich ins Minus rutschte und wie sich Talanx zum laufenden Geschäftsjahr 2015 äußerte, erfahren Sie jetzt.

Viel Licht – aber noch mehr Schatten

Zwar lag der Gewinn von Talanx über den Erwartungen der meisten Analysten, dennoch zeigten sich die Experten enttäuscht.

Ein kurioses Statement dazu: Die Commerzbank bemängelte, dass die Dividende lediglich den Markterwartungen entspreche. Mit anderen Worten: Einigen Analysten waren enttäuscht, weil Talanx nur das lieferte, was sie zuvor erwartet hatten.

Zur Dividende: Die Talanx-Aktionäre sollen im laufenden Jahr 1,25 Euro je Aktie erhalten nach 1,20 Euro im Vorjahr. Damit dürfen sie sich zum einen über eine Steigerung um knapp 5% und zum anderen über eine Dividendenrendite von rund 4,2% freuen.

Von der knappen Milliarde Gewinn der Hannover Rück, die ihren Profit im Jahr 2014 um 10% steigerte, kam bei Talanx unterm Strich gut die Hälfte an. Dass der Mutterkonzern nicht so stark zulegen konnte wie die Rückversicherungstochter, liegt auch an einem Sondereffekt.

Im Jahr 2013 hatte Talanx einen Teil der Beteiligung am Schweizer Versicherer Swiss Life abgestoßen und dafür einen Sondergewinn von rund 100 Mio. Euro kassiert. Dieser Effekt fiel nun weg.

Zwar verkaufte Talanx im vergangenen Jahr den Rest seiner Swiss-Life-Aktien mit 200 Mio. Euro Gewinn. Doch das Geld kam nicht dem Konzernergebnis von Talanx zugute, sondern den Reserven der Lebensversicherungssparte.

Diese hat nämlich stark mit dem anhaltenden Zinstief zu kämpfen. In Deutschland bescherten die historisch niedrigen Zinsen Talanx in diesem Geschäft sogar rote Zahlen im Privat- und Firmenkundenbereich.

Auch in der Schaden- und Unfallversicherung musste Talanx auf dem deutschen Heimatmarkt Geld nachschießen. Im Auslandsgeschäft, bei dem die polnischen Töchter Warta und TU-Europa eine wichtige Rolle spielen, verdiente der MDax-Konzern jedoch mehr als im Vorjahr.

Das erwartet Talanx für das laufende Jahr

Für 2015 peilt der Vorstandschef Herbert Haas weiterhin einen Überschuss von mindestens 700 Mio. Euro an. Damit erwartet das Unternehmen für 2015 weniger als für das vergangene Jahr.

Im Schnitt soll der Gewinn bis zum Jahr 2019 jedoch um einen mittleren einstelligen Prozentwert pro Jahr steigen. Die vorsichtige Gewinnprognose für das laufende Jahr begründete Haas auch mit den erwarteten höheren Schäden.

2015 werde aus Sicht von Haas eines der herausfordensten Jahre seit langem. Zu dem sinkenden Preisniveau in der Industrie- und Rückversicherung und den Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten, die die Branche insgesamt stark belasten, kommt bei Talanx die Sanierung des deutschen Privatkundengeschäfts dazu.

Daher ist das Jahr 2015 für Talanx-Aktionäre ein Übergangsjahr. Wenn die Sanierung des Privatkundengeschäfts erfolgreich verläuft und in absehbarer Zeit eine Steigerung des Zinsniveaus erkennbar ist, wird davon auch die Talanx-Aktie profitieren. Aktuell ist die Aktie dagegen „nur“ als Dividendenwert interessant.

23. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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