Tantalpreis: Bann für chinesische Tantalbarren treibt den Preis

Chinesische Tantalbarren sind ethisch bedenklich: Eine schockierende Nachricht, auch für den Markt. Der Tantalpreis steigt in die Höhe. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Geradezu schockierend wirkte vor kurzem die Nachricht, dass chinesische Tantalbarren nicht mehr als ethisch unbedenklich anerkannt werden, weil die Verbindungen Chinas zu zwielichtigen Anbietern im Kongo zu offensichtlich seien. Auswirkungen auf den Tantelpreis selbst waren die Folge.

Die ganze Industrie wirkt momentan wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen und bemüht sich hektisch darum bis April 2011 Strukturen aufzubauen, die sicherstellen, dass nur noch ethisch einwandfreies Tantal verwendet wird, darunter auch jenes aus dem Kongo, das aus Quellen stammt, die ethisch nicht zu beanstanden sind.

Mitleid mit der nun von operativer Hektik ergriffenen Industrie brauchen Sie keines zu haben. Hätte man sich dem Problem schon vor Jahren ernsthaft angenommen, wären die Standards, die man jetzt mit Hochdruck implementieren muss, heute längst Wirklichkeit.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass der Markt im Zweifelsfall gar nichts von alleine richtet, sondern stets den Weg des geringsten Widerstands oder wie hier den Weg des größten Profits gehen wird. Ethik fängt halt da an, wo es weh tut, alles andere sind schöne Reden für die Galerie.

Da nicht zu erwarten ist, dass der Bann für Konflikttantal aus dem Kongo kurzfristig aufgehoben werden wird, gewinnen die Alternativen zum Kongo immer mehr an Bedeutung.

Es sind derzeit vor allem kanadische und australische Unternehmen, welche die Hoffnung nähren, dass neue Minen außerhalb des Kongos relativ bald in Produktion gebracht werden können.

Australische und kanadische Unternehmen werden profitieren: Der Tantalpreis im Höhenflug

Die kanadische Commerce Resources Corp. plant ihre Blue River Lagerstätte in British Columbia bis Ende 2012 in Produktion zu bringen. Hier sollen ab 2013 bis zu 1 Mio. Pfund Tantaloxid produziert werden. Gespannt schaut die Industrie auf die Wodgina Mine in Nordwestaustralien.

Sie war bis zu ihrer Schließung Ende 2008 die größte Tantalmine der Welt. Geschlossen wurde sie, weil sich das Management außerstande sah Preiserhöhungen durchzusetzen.

Freie Märkte sind schon etwas feines, vor allem dann, wenn man teures Tantal aus Australien gegen billigeres Konflikttantal aus dem Kongo tauschen kann.

In Australien arbeitet man derzeit bei Global Advanced Metals, früher besser bekannt als Talison Tantalum, die Pläne für eine Wiedereröffnung der Wodgina Mine aus, hat aber noch keine abschließende Entscheidung darüber getroffen, ob die Mine wirklich wieder in Produktion gehen wird.

Wie Global Advanced Metals Vorstandsvorsitzender,  Bryan Ellis, mitteilte hängt die Beantwortung dieser Frage nicht allein vom Tantalpreis, sondern auch von den Wechselkursen ab.

Die Stärke des australischen Dollars macht sich hier unangenehm bemerkbar.

Derweil leeren sich die bestehenden Tantal Lager dramatisch. Analysten gehen davon aus, dass sie in gut zwei Jahren leer sein werden.

Das wird geschehen, wenn die internationale Nachfrage wieder von rund 4 Mio. Pfund in 2008 und 2009 auf das Niveau vor der Krise ansteigen wird. Das ist gut möglich und nicht nur Fachleute wie Bryan Ellis rechnen damit, dass schon bald der Verbrauch wieder jene 6 Mio. Pfund erreichen wird, die im Jahr 2007 von der Industrie nachgefragt wurden.

Bill Hattan, ein unabhängiger US Metallbroker erwartet, das das Wodgina Management einen Tantalpreis von 120 US Dollar je Pfund benötigen wird um wirtschaftlich erfolgreich produzieren zu können. Zurzeit reagiert der Markt stärker auf die Einbrüche auf der Angebotsseite als eine verstärkte Nachfrage.

Zieht diese jedoch wieder an, ist auch Bill Hattan sich sicher, wird der Tantalpreis geradezu explodieren. Gegen das, was dann passieren wird, sind die jüngsten Kursanstiege vermutlich nur ein kleiner Vorgeschmack.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.